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Kommende industrielle Revolution braucht Palladium

19.01.2012  |  Dr. Jürgen Müller
Durch eine positive Buchkritik im aktuellen Heft von Smart Investor wurde ich auf das Buch "Die dritte industrielle Revolution" von Jeremy Rifkin aufmerksam (Campus Verlag Frankfurt). Der Autor bezeichnet das Kohle-Zeitalter der Dampfmaschine als die erste industrielle Revolution, sowie das aktuell noch andauernde (und im Zenit befindliche) Öl-Zeitalter des Ottomotors als die zweite industrielle Revolution. Insgesamt leben wir seit dem Ende des 18. Jahrhundert in einer Phase, die spätere Generationen als die "Kohlenstoffzeit" bezeichnen könnten, wie wir z.B. die Bronzezeit kennen. Daß die fossilen Vorräte an Kohle, Öl, Gas und auch Uran im endlichen Raum der Erde ebenfalls endlich sein müssen, zeigen uns Produktionskurven wie z.B. die Kohleförderung von Großbritannien sehr eindrucksvoll.

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Abb. 1: Britische Kohleförderung von 1830 bis 2010 [1]


Seit den 1950er Jahren wissen wir durch den amerikanischen Wirtschaftsgeologen M.K. Hubbert, daß die Produktionskurven endlicher Ressourcen einer Glockenkurve wie in Abb. 1 ähneln. Wir wissen auch, daß staatliche Stellen oder Behörden die Ressourcen schon immer zu optimistisch eingeschätzt haben. So veröffentlichte die "Royal Commission on Coal Supplies" 1871 eine Ressourcenabschätzung von 149 Milliarden Tonnen Kohle, die in Großbritannien förderbar wären. In Wahrheit wurden hieraus ca. 27 Milliarden Tonnen, d.h. Faktor 5,5 weniger.

Rifkin definiert in seinem lesenswerten Buch die folgenden fünf Säulen der dritten industriellen Revolution wie folgt:
  • 1. Umstieg auf erneuerbare Energien,
  • 2. Umwandlung des Baubestandes in Mikrokraftwerke (z.B. durch Solaranlagen und Mikrowindanlagen),
  • 3. Einsatz von Wasserstoff- und anderen Energiespeichern,
  • 4. Ausbau des Stromnetzes zu einem intelligenten
  • Stromnetz (engl. "Smart Grid") und
  • 5. elektrische Mobilität durch Steckdosen- oder Brennstoffzellenfahrzeuge.

Dabei stellt ein intelligentes Stromnetz eine Art "bidirektionales Internetz" dar, in dem in Analogie zum Internet Energie bereitgestellt und abgerufen werden kann. Die Entwicklung geht weg von der zentralisierten Erzeugung in wenigen Großkraftwerken und hin zu vielen tausenden kleinen Mikrokraftwerken. Die genannten Säulen greifen z.T. wie Zahnräder ineinander. So können z.B. Elektromobile dann aufgeladen werden, wenn potentiell mehr Energie erzeugt als verbraucht wird und so als dezentrale Energiespeicher dienen. Nach Rifkin bereiten sich Firmen wie IBM, Cisco, Siemens oder General Electric auf den Einstieg in dieses Feld vor oder sind dort bereits aktiv. Speziell die bereits erwähnte Speicherung von überschüssiger Energie ist ein zentrales Thema innerhalb eines intelligenten Stromnetzes.

Pumpspeicherkraftwerke können aus naheliegenden Gründen nur begrenzt ausgebaut werden. Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass die Energiespeicherung durch Wasserstoff eine sinnvolle Lösung darstellt. Hierbei wird im Zuge der Elektrolyse Wasser in seine Bestandteile Wasser- und Sauerstoff zerlegt. Die entstehende Wasserstoffwirtschaft würde also sowohl die Erzeugung, die Speicherung und Verteilung und die energetische Nutzung des Wasserstoffes beinhalten und wäre ein umweltverträglicher und CO2-neutraler Kreislaufprozeß. Autohersteller wie Toyota, Daimler und Opel werden in den kommenden Jahren erste Brennstoffzellenfahrzeuge in Serie fertigen.

Jules Verne schrieb 1870 über die Brennstoffzelle folgendes: "Das Wasser ist die Kohle der Zukunft. Die Energie von morgen ist Wasser, das durch elektrischen Strom zerlegt worden ist. Die so zerlegten Elemente des Wassers, Wasserstoff und Sauerstoff, werden auf unabsehbare Zeit hinaus die Energieversorgung der Erde sichern". Nebenbei bemerkt: Ferdinand Porsche entwickelte bereits Ende des 19. Jahrhunderts einen Radnabenelektromotor, auf den er 1896 ein Patent anmeldete. Der Lohner-Porsche war das erste Hybridfahrzeug der Welt. Warum aber verschwand diese Technik wieder für nahezu 100 Jahre in der Schublade? Vermutlich nur, weil das Ölgeschäft zu lukrativ war und leider immer noch ist. Denn trotz Peak-Oil scheint die Lobby auch heute noch sehr schlagkräftig zu sein. Schliesslich bedeutet Peak-Oil, daß die Hälfte des Geschäfts noch immer im Boden schlummert, sei die Förderung und der Verbauch noch so gefährlich und umweltbelastend.






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