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Bericht vom 4. Symposium Freiberger Innovationen

27.04.2012  |  Dr. Jürgen Müller
Am 19. und 20. April fand in Freiberg/Sachsen das 4. Symposium Freiberger Innovationen unter dem Motto "Strategische Rohstoffe - Risikovorsorge"statt. Organisiert wurde die Tagung von Prof. Dr. Kausch (Environmental & Resource Management), dem Interdisziplinären Ökologischen Zentrum der TU Freiberg, dem Institut für Mineralogie und Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie und dem Institut für Technische Chemie der TU Freiberg. Ca. 150 Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft, Forschung und Bergbauindustrie aus aller Welt nahmen teil. Im Einladungstext hieß es wie folgt:

"Zu den globalen Herausforderungen zählt eine sichere und nachhaltige Rohstoffversorgung. Zum vierten Mal laden wir Sie ein, um auf hohem Niveau drängende Fragen zu diskutieren, aktuelle Entwicklungen zu kommunizieren und gemeinsam einen Beitrag zur Lösung dieser Fragen zu leisten."

Ich möchte im Folgenden eine Zusammenfassung der einzelnen Redebeiträge vorstellen.

Am ersten Tag eröffnete Werner Ressing, Ministerialdirektor beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie die Tagung und stellte die Politik der Bundesregierung vor, um die Rohstoffversorgung in Deutschland zu gewährleisten. Diese Politik fußt auf der Rohstoffstrategie, die im Oktober 2010 verabschiedet wurde. Die zwei zentralen Säulen dieser Politik sind a) Internationale Zusammenarbeit durch Rohstoffpartnerschaften und b) nachhaltige Nutzung einheimischer Rohstoffe unter verstärkter Berücksichtigung der Rohstoffeffizienz und des Recyclings. Deutschland hatte in 2010 ein Rohstoffaufkommen im Wert von 139 Mrd. Euro, wovon110 Mrd. Euro aus Importen stammten. Die inländische Produktion an Rohstoffen betrug 18 Mrd. Euro, Recycling 10 Mrd. Euro.

Bei Metallerzen herrscht eine komplette Abhängigkeit Deutschlands von Importen, was nicht zuletzt daran liegt, dass die deutsche Industrie die Gewinnung von mineralischen Erzen in den vergangenen Jahren als "zu langweilig" bewertete und folgerichtig aufgab (Minenprojekte benötigen Jahre oder Jahrzehnte des Vorlaufes, d.h. bringen keine Rendite für die nächste Quartalsbilanz). Herr Ressing führte jedoch aus, dass der Rohstoffmarkt sich nahezu schlagartig von einem Käufermarkt in einen Verkäufermarkt gewandelt hätte. Er erläuterte zudem als Beispiele die Rohstoffpartnerschaften Deutschlands mit der Mongolei und mit Kasachstan, wobei diese Partnerschaften bedeuten, dass von Deutschland technisches Know-How für deren Rohstoffe geliefert wird. Mir drängte sich hierbei das Bild des Astes auf, auf dem Deutschland sitzt und sägt, denn was hat unsere Volkswirtschaft noch zu liefern, wenn auch das Know-How immer mehr abfliesst? Zuletzt nannte der Referent das Kreislaufwirtschaftsgesetz, welches ab 1.6.2012 in Kraft tritt, mahnte jedoch an, dass das Potential des Recyclings begrenzt sei und man nicht erwarten dürfe, dass hier - Zitat - die Bäume in den Himmel wachsen würden.

Der zweite Referent war Joaquim-Filipe Fünfgeld, Leiter Global Procurement der BASF, der im Schwerpunkt über die Beschaffung von Seltenen Erden (SE) im Hause BASF berichtete. So seien letztes Jahr ca. 20.000 t SE aus China geschmuggelt worden. Derzeit würden weltweit ca. 300 - 400 Projekte laufen, um neue Vorkommen von SE zu erschliessen und in Produktion zu bringen. Nur sehr sehr wenige dieser Projekte würden am Ende jedoch wirklich zur Produktionsreife gelangen (Anmerkung: Eine Faustregel lautet, dass aus 100 Projekten eine produzierende Mine wird; es ist also damit zu rechnen, dass in den kommenden Jahren auf diesem Gebiet sehr sehr viel Geld verbrannt, pardon, umverteilt werden wird).

Die Wertschöpfungskette der SE im Bereich der Dauermagnete ist wie folgt: a) SE Minerale, b) Metalloxide (was auch unsere Einkaufsgemeinschaft kauft und einlagert), c) Magnetpulver, d) Magnetproduktion. In den kommenden Jahren rechnet BASF mit einem Wachstum der Nachfrage nach SE von 8 - 9 % pro Jahr, wobei "No way out" in den kommenden Jahrzehnten gesehen wird, d.h. keine Substitutionsmöglichkeit. Speziell bei den Schweren Seltenen Erden (SSE) Dysprosium, Terbium, Europium und Yttrium werden für eine sehr lange Zeit Engpässe gesehen, wobei schon heute ersichtlich ist, dass sich China selbst vom heutigen Exporteur zum Importeur wandeln wird! Was dies für die Weltwirtschaft bedeuten kann, ist heute wohl kaum zu überblicken.

Das Recycling von Seltenen Erden ist sehr kostenintensiv und vom Marktpreis abhängig. Stand heute werden nahezu keine SE recycelt. Der Referent fasst die Strategie der BASF wie folgt zusammen: a) Steigerung der Effizienz, b) wenn alles nicht mehr hilft: In China investieren, c) "Backward integration" (zu gut Deutsch: Bisher gekaufte Güter selber herstellen). Allerdings wurde zugegeben, dass die Verlagerung der Produktion nach China nicht wirklich eine Lösung sein könne, da China selbst einen Mangel an SE erfahren wird.




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