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Spanien gerät tiefer in den Defizitstrudel - Euro unter Druck

29.05.2012  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute (07.37 Uhr) bei 1.2535, nachdem im Verlauf der letzten 24 Handelsstunden Tiefstkurse im asiatischen Handel bei 1.2511 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 79.55. In der Folge notiert EUR-JPY bei 99.70, während EUR-CHF bei 1.2020 oszilliert.

Das Krisenszenario nimmt in der Eurozone zu. Die jüngsten Wahlumfragen aus Athen können etwas beruhigen, da die Nea Demokratia derzeit vor allen anderen Parteien führt und mit PASOK eine mehr als auskömmliche parlamentarische Mehrheit vorweisen könnte. Es bleibt jedoch eine Momentaufnahme und lässt sich nicht einfach auf den 17. Juni extrapolieren. Ergo ist Zurückhaltung geboten.

Der Zwist, der durch Frau Lagarde in der Funktion als Chefin des IWF durch Äußerungen über die Zahlungsmoral der griechischen Steuerschuldner und dem Vergleich zu dem Leid in Afrika ausgelöst wurde, ist für die Gesamtsituation wenig hilfreich. Im Zweifelsfall werden damit Emotionen gegen die Troika ausgelöst. Die „heiße“ Reaktion der Griechen blieb nicht aus. … Stolz ist halt eine schwere Hypothek, insbesondere wenn sich der Stolz nur auf die antike Vergangenheit beziehen kann und nicht auf die Realität der letzten 200 Jahre ...

Das Gesamtszenario, dass Spanien liefert, ist zunehmend kritischer und erfährt eine entsprechende Reaktion am Finanzmarkt. Das gilt für die konjunkturelle Entwicklung. Es gilt für die budgetäre Situation der Regionen. Es gilt auch für die Lage der Banken.

Das Drama um die Sparkasse Bankia ist nicht auf den Gesamtsektor in dieser Form extrapolierbar. Bankia fordert 19 Mrd. Euro, um sich auf sicheres bilanzielles Terrain zu retten. Grundsätzlich hat der FROB (spanische Restrukturierungsfond für Banken) bisher eine sehr gute Arbeit verrichtet. Die Zuspitzung am Finanzmarkt, die jetzt über Bankia erfolgt, ist sachlich ambitioniert.

Sofern sich diese Konstellation jedoch mittelfristig fortsetzte, würden die Beteuerungen und Wünsche des spanischen Ministerpräsidenten Rajoy, dass Spanien es alleine schaffen könne, kein Echo in der Realität finden.

(Reuters) Angesichts steigender Zinslasten hat Spanien im Kampf gegen die Schuldenkrise ein Festhalten an seinem Sparkurs versichert. Das ist grundsätzlich richtig. Der Defizitabbau und die Strukturreformen seien nötig, um die von der Rezession gebeutelte Wirtschaft wieder wettbewerbsfähiger zu machen, sagte Ministerpräsident Mariano Rajoy am Montag in Madrid.

Wir stimmen umfänglich zu. Spanien erlebe gerade einen "extrem schwierigen Moment". Ja, das hat auch damit zu tun, dass die bisher erzielten Reformerfolge (wie bei anderen europäischen Reformländern auch), unter anderem Reduzierung der Baubranche auf vertretbares Niveau; nicht diskontiert werden. Sollte es nicht gelingen, das Haushaltsdefizit abzubauen, dürfte es für das Land schwierig werden, sich selbstständig zu finanzieren. In der Tat …

Ministerpräsident Rajoy sagte diesbezüglich eben auch, falls die spanischen Regionen oder die Banken scheiterten, würde auch das gesamte Land scheitern.

Als Folge der Zuspitzung der spanischen Situation werden einmal mehr alle Reformländer mit abgestraft. In der Folge steht der Euro weiter unter Druck.

Aktuelle CDS
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Die Einlassungen von Herrn Plosser seitens der Fed implizieren, dass der USD und die USA als Begünstigte einer Verschärfung der Defizitkrise der Eurozone hervorgehen könnten. Das schließen wir nicht aus. Es braucht eben konsumtiver Neuverschuldung von 8%-10% des BIP ohne Reformen, um so eine Situation der Kapitalzuflüsse heraufzubeschwören (Ironie!). "Lumpige“ (Ironie!) gut 5-6% in der Tendenz investiver Neuverschuldung Spaniens oder 2% Italiens per 2012 mit aggressiven Reformen (=investive Neuverschuldung) sind aus Sicht Londons und NYs gut dafür, auf den Staatsbankrott dieser Länder zu wetten.

Naja, ganz umgeschoren kommen die USA und der USD nicht davon. Die Absatzbewegungen von der Weltleitwährung nehmen zu.

Im Bemühen um eine stärkere internationale Rolle des Yuan ist China einen kleinen Schritt vorangekommen. Ab dem 1. Juni sollen die chinesische und die japanische Währung direkt gegeneinander gehandelt werden, wie die beiden größten Volkswirtschaften Asiens am Dienstag mitteilten. Bislang wurde der Wechselkurs von Yuan zu Yen mittels des Dollars berechnet. Dieser Schritt fällt nun weg. Beide Länder versprechen sich dadurch ein höheres Transaktionsaufkommen und geringere Kosten. Das Abkommen sei Teil von Chinas Strategie, sich von der Weltleitwährung Dollar abzukoppeln, sagte Handelsstratege Dariusz Kowlczyk von Credit Agricole CIB.

Am Freitag stand die Veröffentlichung des Verbrauchervertrauens der USA nach Lesart der Universität Michigan auf der Agenda. Per Berichtsmonat Mai kam es in der finalen Fassung zu einem Anstieg von zuvor 76,4 auf 79,3 Punkte. Der vorläufige Wert als auch die Prognose für den finalen Wert per Mai lagen bei 77,8 Zählern. Mit dem Ergebnis per Mai wurde der höchste Wert seit vier Jahren markiert.

Sowohl die Bewertung der aktuellen Lage ( von 82,9 auf 87,2) als auch der Index der Erwartungen (von 72,3 auf 74,3) trugen zu dem Gesamtanstieg bei.

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Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem EUR favorisiert. Ein nachhaltiges Überwinden des Widerstandsfelds bei 1.2820 - 50 neutralisiert den negativen Bias des Euros.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank



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