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Ist Gold wieder ein sicherer Hafen?

04.06.2012  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Talfahrt bei den Ölpreisen setzt sich zum Auftakt der neuen Handelswoche fort. Der Brentölpreis ist am Morgen unter die Marke von 97 USD je Barrel gefallen und damit auf den niedrigsten Stand seit Januar 2011. WTI-Rohöl kostet weniger als 82 USD je Barrel. So billig war US-Leichtöl zuletzt im Oktober 2011. Damals lag das Tief sogar bei 75 USD je Barrel. Schwache Konjunkturdaten aus den USA und China sowie die Schuldenkrise in der Eurozone führen zu einer Aufwertung des US-Dollar und setzen die Aktien- und damit auch Rohstoffmärkte unter Druck. Ein Ende des Abwärtsstrudels ist kurzfristig nicht in Sicht. Selbst der Ausfall der kuwaitischen Ölexporte und eines beträchtlichen Teils der irakischen Öllieferungen aufgrund von schlechtem Wetter im Persischen Golf vermochten den Preisrückgang nicht zu stoppen.

Erstmals seit Februar 2011 ist der OPEC-Korbpreis unter die Marke von 100 USD je Barrel gefallen, welche von Saudi-Arabien als wünschenswert angestrebt wird. Damit steht der größte OPEC-Produzent unter Druck, seine Ölproduktion von zuletzt mehr als 10 Mio. Barrel pro Tag zu reduzieren, um ein weiteres Absinken der Preise zu verhindern. Die spekulativen Finanzanleger haben in der Woche zum 29. Mai ihre Netto-Long-Positionen bei WTI erstmals seit vier Wochen um 4,5 Tsd. auf 126.238 Kontrakte aufgebaut. Offensichtlich hatten einige Marktteilnehmer auf eine Bodenbildung bei 90 USD je Barrel gesetzt und wurden damit kalt erwischt. Seitdem ist der Preis um weitere 10% gefallen, so dass es im Zuge dessen zu einem erneuten Ausstieg der Anleger gekommen sein dürfte. Die Positionierungsdaten für Brent werden heute veröffentlicht.


Edelmetalle

Gold verhält sich wieder wie ein sicherer Hafen. Entgegen dem Trend an den Rohstoff- und Aktienmärkten stieg das gelbe Edelmetall am Freitag sprunghaft um fast 85 USD auf ein Monatshoch von 1.630 USD je Feinunze an. Von seinem Tief Mitte letzter Woche hat Gold damit um rund 100 USD bzw. gut 6% zugelegt. In Euro gerechnet verteuerte sich Gold sogar auf ein 3-Monatshoch von rund 1.310 EUR je Feinunze, was allerdings auch dem anhaltend starken US-Dollar geschuldet ist. Neben der Eigenschaft des sicheren Hafens trugen Spekulationen über ein sog. "QE3" nach schwachen US-Konjunkturdaten sowie sehr niedrige Nominal- und Realzinsen - die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen ist erstmals unter 1,5% gefallen - zum Preisanstieg bei.

Darüber hinaus sind die spanischen Zinsen mittlerweile fast auf Niveaus gestiegen, bei denen Irland und Portugal den EU-Rettungsschirm in Anspruch nahmen. Dass Bundeskanzlerin Merkel Medienberichten zufolge sog. Eurobonds nochmals eine Absage erteilt hat, dürfte die Märkte weiter auf Talfahrt schicken, wovon Gold wiederum profitieren sollte. Der Preisanstieg dürfte aber auch durch spekulative Finanzanleger getrieben worden sein, nachdem diese in der Woche zum 29. Mai ihre Netto-Long-Positionen nochmals auf 72,5 Tsd. Kontrakte auf den tiefsten Stand seit Anfang Dezember 2008 reduziert hatten. Dies war zwar der vierte Wochenrückgang in Folge, allerdings hat die Dynamik merklich nachgelassen. Von diesem niedrigen Niveau aus dürften nach dem Datenstichtag nun wieder Positionen aufgebaut worden sein.


Industriemetalle

Die Metallpreise halten sich zwar bislang besser als die Energieträger, können sich dem allgemeinen Abwärtssog an den Rohstoffmärkten dennoch nicht vollständig entziehen. Am Freitag markierten fast alle Metalle vorübergehend nochmals neue mehrmonatige bzw. im Falle von Nickel mehrjährige Tiefstände, bevor es im späteren Handelsverlauf zu einer moderaten Erholungsbewegung kam. Schwache Aktienmärkte, stark fallende Preise für Energieträger und der anhaltend feste US-Dollar dürften in den kommenden Tagen allerdings wieder für fallende Metallpreise sorgen.

In Shanghai hat Kupfer heute mehr als 3% verloren und ist auf den niedrigsten Stand seit Oktober gesunken. Aufgrund der Feierlichkeiten zum Thronjubiläum der britischen Königin findet heute und morgen an der LME kein Handel statt. Die spekulativen Finanzanleger haben im Falle von Kupfer ihre Netto-Short-Positionen in der Woche zum 29. Mai weiter auf 6,8 Tsd. Kontrakte ausgebaut. Dies entspricht dem höchsten Stand seit Ende November. Damit setzt sich der Stimmungsumschwung der spekulativen Finanzanleger bei Kupfer weiter fort. Allein in den letzten vier Wochen wurden aus Netto-Long-Positionen in Höhe von 15,6 Tsd. Kontrakten Netto-Short-Positionen in Höhe von 6,8 Tsd. Kontrakten. Der Preisrückgang nach dem Datenstichtag lässt vermuten, dass seitdem weitere Short-Positionen aufgebaut wurden.


Agrarrohstoffe

Die Preise für Baumwolle sind an der Börse in New York in der letzten Woche weiter gesunken und haben ein Niveau wie zuletzt im Oktober 2009 erreicht. Auch am Morgen geben die Notierungen weiter nach und liegen derzeit bei knapp 67 US-Cents je Pfund. Neben einem negativen allgemeinen Marktumfeld kam hinzu, dass es im wichtigsten Anbaugebiet der USA, in Texas, regnete und dass das International Cotton Advisory Committee ICAC seine Prognose für einen weiteren Überschuss in der ab August laufenden Saison 2012/13 angehoben hat. Dies geht auf eine pessimistischere Einschätzung der Nachfrage zurück, die aber dennoch gegenüber der Vorsaison um 3% zulegen soll. Chinas Importnachfrage soll vom diesjährigen Rekordwert von 4,6 Mio. Tonnen auf 3,3 Mio. Tonnen sinken. Die Importe anderer Länder sollen aber um 15% steigen.

Nach einem Anschwellen der internationalen Lagerbestände in der noch laufenden Saison 2011/12 um 43% - drei Viertel davon in China nach dem staatlichen Ankaufsprogramm - und einem weiteren Plus von 9% in 2012/13 soll das Lager-Verbrauchs-Verhältnis Ende 2012/13 hohe 61% betragen. Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass zwar keine Knappheit am Markt zu erwarten ist, aber Risiken, die Preissteigerungen auslösen könnten, derzeit ausgeblendet werden. Das zeigt sich auch am Verhalten der spekulativen Finanzanleger, welche trotz eines Abbaus der Netto-Short-Positionen in der vergangenen Woche weiter auf fallende Preise setzen. Die o.g. Risiken betreffen eine aufgrund der niedrigen Preise weitere Kürzung von Anbauflächen als auch eine preisbedingt stärkere Nachfrage.

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