05.08.2012 07:46 Uhr
| Manfred Gburek
Die Kunst der Aktienspekulation
3,93 Prozent Plus beim Deutschen Aktienindex Dax, das war am Freitag die eindeutige Antwort der Börse auf die Verunsicherung der Anleger einen Tag zuvor. Da nämlich hatte EZB-Chef Mario Draghi sehr viel Mühe, seine unverständlichen Ausführungen zu "Offenmarkt-Operationen“ oder - noch schlimmer - zum "Mandat der mittelfristigen Preisstabilität unter Beachtung der Unabhängigkeit bei der Gestaltung der Geldpolitik“ vor den Medien klar zu erläutern. Er zog es vor, die Lösung der anstehenden Probleme rund um den Euro erst einmal den übrigen Gremien zu überlassen. Eines davon ist bekanntlich das deutsche Bundesverfassungsgericht, das am 12. September über den sogenannten Stabilisierungsmechanismus ESM entscheiden soll.
So gewinnt man Zeit - oder man verliert sie, je nach Standpunkt und je nachdem, was in dieser Zeit noch passieren wird. Denn eines steht fest: Sobald an den Börsen etwas geschieht, womit kein Banker der EZB, keine Regierung, kein EU-Bürokrat oder sonst wer in verantwortlicher Position rechnet (Crash der Anleihen, immer stärker werdende Ausschläge der Aktienkurse, plötzlich nach oben schießende Edelmetall- und Rohstoffpreise), wird insbesondere die EZB - dann in Abstimmung mit der amerikanischen Fed und den anderen wichtigen Notenbanken - gezwungen sein, die Börsen mit Geld in unvorstellbarem Umfang zu fluten, um den Zusammenbruch des ganzen Finanzsystems zu verhindern.
Gestatten Sie mir dazu ausnahmsweise ein Zitat aus meiner letzten Kolumne bei wiwo.de, in der ich die Folgen der Überschuldung beschrieben habe: „Der Kampf gegen die Schuldenkrise wird derzeit in erster Linie verbal ausgeführt, zum Teil auch auf diplomatischem Weg. Ihre Bewältigung lässt noch lange auf sich warten.“ Insofern war Draghis Herumreden um den heißen Brei symptomatisch und clever zugleich: Wenn man wie er schon weiß, dass ein langer steiniger Weg bevorsteht, soll dieses Wissen wenigstens nicht breitgetreten, sondern durch geheimnisvolle oder zumindest beruhigende Appelle an die Öffentlichkeit kaschiert werden. Der frühere Fed-Chef Alan Greenspan hatte es in dieser Hinsicht bekanntlich zur Meisterschaft gebracht; nur war er nicht gezwungen, ständig nörgelnde Regierungen und Notenbanken von 17 Euroländern unter einen Hut zu bringen.
Anleger sollten sich vor den nahenden Turbulenzen am besten durch eine auf die persönlichen Verhältnisse abgestimmte Mischung aus Edelmetallen, Aktien und Tagesgeld schützen, falls möglich flankiert durch eine selbst genutzte, zweckmäßigerweise ohne oder mit nur wenig Fremdkapital finanzierte Immobilie. Das habe ich schon einige Male geschrieben; ich möchte es hier noch einmal bekräftigen, und zwar gerade unter dem Aspekt der Sicherheit.
Recht viele Anleger wollen indes nicht einsehen, warum Aktien, deren Kurse, wie in der abgelaufenen Woche geschehen, stark schwanken, zum Sicherheitspaket gehören. Deshalb folgen hier weitere grundsätzliche Überlegungen:
© Manfred Gburek
www.gburek.eu
Herr Gburek ist Fachjournalist und Buchautor. Seine letzten Werke waren: "Das Goldbuch" (2005), das Wörterbuch "Geld und Gold klipp und klar von A bis Z" (2007) und "Die 382 dümmsten Sprüche der Banker" (2008).
So gewinnt man Zeit - oder man verliert sie, je nach Standpunkt und je nachdem, was in dieser Zeit noch passieren wird. Denn eines steht fest: Sobald an den Börsen etwas geschieht, womit kein Banker der EZB, keine Regierung, kein EU-Bürokrat oder sonst wer in verantwortlicher Position rechnet (Crash der Anleihen, immer stärker werdende Ausschläge der Aktienkurse, plötzlich nach oben schießende Edelmetall- und Rohstoffpreise), wird insbesondere die EZB - dann in Abstimmung mit der amerikanischen Fed und den anderen wichtigen Notenbanken - gezwungen sein, die Börsen mit Geld in unvorstellbarem Umfang zu fluten, um den Zusammenbruch des ganzen Finanzsystems zu verhindern.
Gestatten Sie mir dazu ausnahmsweise ein Zitat aus meiner letzten Kolumne bei wiwo.de, in der ich die Folgen der Überschuldung beschrieben habe: „Der Kampf gegen die Schuldenkrise wird derzeit in erster Linie verbal ausgeführt, zum Teil auch auf diplomatischem Weg. Ihre Bewältigung lässt noch lange auf sich warten.“ Insofern war Draghis Herumreden um den heißen Brei symptomatisch und clever zugleich: Wenn man wie er schon weiß, dass ein langer steiniger Weg bevorsteht, soll dieses Wissen wenigstens nicht breitgetreten, sondern durch geheimnisvolle oder zumindest beruhigende Appelle an die Öffentlichkeit kaschiert werden. Der frühere Fed-Chef Alan Greenspan hatte es in dieser Hinsicht bekanntlich zur Meisterschaft gebracht; nur war er nicht gezwungen, ständig nörgelnde Regierungen und Notenbanken von 17 Euroländern unter einen Hut zu bringen.
Anleger sollten sich vor den nahenden Turbulenzen am besten durch eine auf die persönlichen Verhältnisse abgestimmte Mischung aus Edelmetallen, Aktien und Tagesgeld schützen, falls möglich flankiert durch eine selbst genutzte, zweckmäßigerweise ohne oder mit nur wenig Fremdkapital finanzierte Immobilie. Das habe ich schon einige Male geschrieben; ich möchte es hier noch einmal bekräftigen, und zwar gerade unter dem Aspekt der Sicherheit.
Recht viele Anleger wollen indes nicht einsehen, warum Aktien, deren Kurse, wie in der abgelaufenen Woche geschehen, stark schwanken, zum Sicherheitspaket gehören. Deshalb folgen hier weitere grundsätzliche Überlegungen:
- Die meisten Aktien, mit denen Sie es zu tun haben, stammen von Unternehmen, deren Kurse Sie minutengenau im Internet verfolgen können, deren sonstige Informationen (Geschäfts- und Quartalsberichte, Ad hoc-Meldungen usw.) ebenfalls aus dem Internet abrufbar sind. Ergänzt wird das Ganze durch Kommentare und Tipps in verschiedenen Medien, wobei Sie Tipps nie für bare Münze, sondern immer nur als Gedankenanstoß nehmen sollten.
- Ich rate Ihnen dringend, eine Mischung aus 20 bis 30 Aktien, falls Sie wenig Zeit übrig haben, und 50 bis 100 Aktien, falls die Zeit für Sie kein Problem ist, vor einem denkbaren Kauf mithilfe der o.g. Informationen möglichst lange zu verfolgen. Dann gelingt Ihnen das Timing, also der Einstieg (und der spätere Ausstieg) zum richtigen Zeitpunkt viel besser, als wenn Sie ohne lange Vorbereitung zugreifen. Dabei werden Sie erfahrungsgemäß auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Aber lieber ein Dutzend Gelegenheiten vorbeiziehen lassen als Fehler im Dutzend zu machen.
- Die Spekulation mit Aktien - und allem anderen, was an Börsen gehandelt wird - ist eine Kunst, keine Wissenschaft. Jeder Aktienkurs spiegelt das Verhalten von gut oder schlecht informierten Groß- und Kleinanlegern wider, von Daueranlegern mit langjährigem Anlagehorizont bis zu Zockern im Sekundentakt, von Insidern und Outsidern, hin und wieder sogar von Manipulatoren und Betrügern. Insofern sind Charts, besonders Kurven von Kursverläufen (am besten zuzüglich der Börsenumsätze) zu Beginn das beste Lehrmaterial auf dem Weg zur Spekulationskunst.
- Der Aktienertrag besteht aus den im Voraus nicht ermittelbaren Kursgewinnen (insofern sind Kursziele Unsinn), vergleichbar einem Filet, und variablen Dividenden, vergleichbar den Beilagen zum Filet. Das unterscheidet Aktien wesentlich von Anleihen, deren Kurse in engeren Bandbreiten schwanken (es sei denn, ihre Schuldner heißen Griechenland, Spanien, Italien u.a.) und die in der Regel eine feste Verzinsung bieten.
- Fundamentale Daten (wie das Kurs-Gewinn- und das Kurs-Buchwert-Verhältnis, das Umsatz- und Gewinnwachstum, die Dividendenrendite, der Verschuldungsgrad eines Unternehmens u.a.) sind zwar nützliche Hilfsgrößen, erfordern aber umfangreiche Recherchen und viel Erfahrung beim Umgang mit ihnen. Wer viel Zeit hat, verfolgt sie am besten anhand von Angaben der Unternehmen im Internet und legt dazu eine Datenbank an.
- Das schon erwähnte Tagesgeld sollte auch dazu dienen, bei Schnäppchen zuzugreifen. Nur ist es ratsam, das Konto in absehbarer Zeit durch Aktienverkäufe wieder aufzufüllen, um andere Kaufgelegenheiten wahrzunehmen. Von Aktienkäufen auf Kredit rate ich aufgrund eigener früherer Erfahrungen grundsätzlich ab.
- Was hier geschrieben steht, gilt im Großen und Ganzen auch für Edelmetallaktien, aber natürlich nicht für die Edelmetalle selbst. Die Entwicklung beider Anlagekategorien sieht im langfristigen Trend allerdings ähnlich aus, wobei die Kurse der Edelmetallaktien stärker schwanken als die Preise der Edelmetalle. Ansonsten ist dazu nur noch anzumerken, dass die eingangs kommentierte Schuldenkrise die Edelmetallpreise und -aktienkurse trotz deren seit 2001 anhaltendem Aufwärtstrend auch vom jetzigen erhöhten Niveau aus nach oben hebeln wird.
© Manfred Gburek
www.gburek.eu
Herr Gburek ist Fachjournalist und Buchautor. Seine letzten Werke waren: "Das Goldbuch" (2005), das Wörterbuch "Geld und Gold klipp und klar von A bis Z" (2007) und "Die 382 dümmsten Sprüche der Banker" (2008).
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