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Gold-Weidmann kontra Geld-Draghi

07.10.2012  |  Manfred Gburek
Ist Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zum Goldfan geworden? Diese Frage wird zurzeit ernsthaft diskutiert, und zwar nicht allein unter den Fans des Edelmetalls. Wo Rauch ist, ist auch Feuer: "Über die längsten Phasen der Menschheitsgeschichte dienten also konkrete Gegenstände als Geld, wir sprechen daher von Warengeld. Insbesondere genossen und genießen edle und seltene Metalle - an erster Stelle Gold - wegen ihrer angenommenen Werthaltigkeit hohes Vertrauen ... Gold ist somit gewissermaßen der zeitlose Klassiker in seiner Funktion als Tausch-, Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel.“

Diese beiden Zitate stammen aus einer Frankfurter Rede von Weidmann, gehalten am 18. September aus Anlass einer Veranstaltung des Instituts für bankhistorische Forschung, unter anderem wiedergegeben im Degussa-Marktreport. Handelt es sich etwa um eine Trotzreaktion, weil Weidmann bisher vergeblich gegen die erdrückende Mehrheit im EZB-Rat kämpft, die keinen Unterschied mehr macht zwischen Geld- und Fiskalpolitik? Mit dieser Begründung macht man es sich zu einfach. Warum, wird durch eine weitere Aussage von Weidmann in derselben Veranstaltung deutlich: "Heutiges Geld ist durch keinerlei Sachwerte mehr gedeckt.“

Eine Konsequenz erleben wir ja gerade: Sachwerte gewinnen, in Euro gerechnet (aber auch in Dollar und anderen Währungen) an Wert. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Euro und die anderen Währungen durch die ultralockere Geldpolitik an Wert verlieren. Das ist dem ganzen EZB-Rat klar, doch er fährt mit seiner Geldpolitik fort. Das wiederum liegt in der Natur der Sache, denn er nimmt in Europa die entscheidende Schlüsselstellung ein, wenn es darum geht, eine Weltwirtschaftskrise zu vermeiden.

Aber was treibt Weidmann an, sich derart deutlich wie zitiert zum Thema Gold zu äußern? Darüber gibt es nicht viel zu rätseln, denn seine jüngsten Aussagen liegen im Kern auf einer Linie mit den vorherigen. Das heißt, nachdem er wegen seiner Opposition im EZB-Rat ganz schön angeschlagen wirkte und angeblich von der Kanzlerin wieder auf die Spur gebracht wurde, baut er seine Rolle als Vertreter der Geldwertstabilität systematisch aus. Dazu passt übrigens ein Zitat von David Marsh, einem intimen Kenner der europäischen Geldpolitik, aus dem Handelsblatt vom 7. September: "Die Bundesbank wird wieder auferstehen.“

Dieses Zitat kann man durchaus als Gleichnis interpretieren, nämlich so, dass irgendwann die Stunde der Stabilitätspolitiker im EZB-Rat schlagen wird. Das kann in zwei, in drei, in fünf oder in zehn Jahren geschehen und hängt vom Verlauf der Konjunktur, von der Entwicklung der Inflationsrate und weiteren Faktoren ab. Wobei die Inflationsrate entscheidend sein dürfte. Bekanntlich hat die EZB für sie eine Zielmarke etwas unter 2 Prozent gesetzt. Doch seit fast zwei Jahren liegt die tatsächliche Inflationsrate darüber, zuletzt im September bei 2,7 Prozent. Damit wird die EZB in diesem Punkt immer unglaubwürdiger - und Weidmanns Stabilitätskurs umso plausibler.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Rolle von EZB-Chef Mario Draghi. Er hat sich spätestens am 6. September mit der von ihm forcierten Politik des leichten Geldes durchgesetzt. Damit hat der Euroraum etwas Zeit gewonnen, um seine Probleme zu lösen, die im Kern eigentlich Probleme der Geschäftsbanken sind. Zuletzt hat Draghi sich allerdings genötigt gefühlt, auf die Bundesbank einzugehen. So wie am vergangenen Donnerstag in Ljublijana, als er den folgenden süffisanten Satz vom Stapel ließ: "Falls es die Tradition der Bundesbank ist, Preisstabilität sicherzustellen, dann steht die EZB voll im Einklang mit der Tradition.“ Ein Bekenntnis zur Stabilität ist das gewiss nicht.

Was lernen wir daraus? Ganz einfach: In Sachen Geldpolitik bleibt bis auf Weiteres alles beim Alten. Bis auf Weiteres, das bedeutet zunächst: Solange die EZB Anleihen maroder Staaten des Euroraums aufkaufen und damit indirekt Fiskalpolitik betreiben darf, solange außerdem nicht feststeht, zu welchen Ergebnissen die Juristen der EZB und der Bundesbank in dieser Angelegenheit kommen und ob daraus eventuell ein Fall für den Europäischen Gerichtshof wird, bleiben Zinsen und Anleiherenditen gedrückt, strömt Geld in großem Umfang weiterhin in die Märkte und gehören Sachwerte zu den Favoriten der Anleger.

Womit wir wieder beim Thema Gold sind, dessen Preis sich ja - mit kleinen Unterbrechungen wie am Freitag - beachtlich aufwärts schwingt. Dahinter stecken Profikäufer, die ihre Aufträge sofort stoppen, sobald der Preis nach oben auszureißen droht. Dabei imponiert, dass der Silberpreis noch stärker steigt, was ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass die Hausse beider Edelmetalle intakt bleibt. Platin und Palladium, die eher zu den Industriemetallen gehören, machen den Aufschwung mit, wenn auch aus anderen Gründen: Die Streiks in Südafrika führen zu Lieferengpässen, denen zwangsläufig ein Preisauftrieb folgt.

Von Streiks sind inzwischen auch Südafrikas Goldminen betroffen und damit deren Aktienkurse. Das sieht im Einzelnen so aus: AngloGold macht einfach nur die Goldhausse nicht mit, Gold Fields hinkt hinterher, Harmony Gold noch mehr und DRDGold bleibt ein Sonderfall, jetzt im positiven Sinn. Was auffällt, ist die Entwicklung der Börsenumsätze dieser vier Aktien in New York, wo viele umgehen und deshalb den Trend vorgeben: Während die Umsätze von DRDGold in den vergangenen Monaten leicht gefallen sind, haben sie bei Harmony Gold weitgehend stagniert, bei AngloGold etwas und bei Gold Fields stark zugelegt, und zwar gerade auf dem zuletzt niedrigen Kursniveau.

Das lässt sich so interpretieren: DRDGold und Harmony Gold werden ihrer Rolle als Zykliker gerecht, wohingegen bei AngloGold und erst recht bei Gold Fields ein reger Austausch unter Anlegern stattfindet. Was ist davon zu halten? Zunächst grundsätzlich: Südafrikas Währung Rand verliert gegenüber dem Dollar zurzeit stark an Wert. Das ist für die Unternehmen und ihre Aktien positiv, soweit es um die Bezahlung von Arbeitern in Rand geht, weil Goldverkäufe in Dollar abgerechnet werden. Aber negativ, was die Beschaffung und Bezahlung von jeglichem Material in Dollar betrifft. Aus der ganzen hier beschriebenen Konstellation ergibt sich eine große Hebelwirkung zugunsten der vier Aktien unter Führung von AngloGold und vor allem Gold Fields, sobald der Goldpreis den nächsten großen Sprung nach oben macht. Entsprechende Engagements sind allerdings nur für spekulative Anleger mit starken Nerven geeignet.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu

Herr Gburek ist Fachjournalist und Buchautor. Seine letzten Werke waren: "Das Goldbuch" (2005), das Wörterbuch "Geld und Gold klipp und klar von A bis Z" (2007) und "Die 382 dümmsten Sprüche der Banker" (2008).





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