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Der Mythos langfristig steigender Aktienkurse und die Wirkung der Finanztransaktionssteuer auf die Altersvorsorge

22.10.2012  |  Markus Blaschzok
Die Finanztransaktionssteuer, deren Idee wir nie ganz begraben glaubten, trat in der letzten Woche aus dem Nichts wieder in Erscheinung. Elf Euro-Länder haben sich darauf geeinigt eine entsprechende Steuer einzuführen. Gibt es bei dieser Steuer im kommenden Jahr eine Einigung, dann könnte diese bereits in 2014 eingeführt werden. Bei dieser Steuer handelt es sich um eine Vermögensabgabe, ungleich der Abgeltungssteuer, die bekanntlich "nur“ mindestens 25% der nominalen Gewinne für den Staat konfisziert.

Der Wegezoll der Transaktionssteuer in Höhe von 0,1% auf Aktien und Anleihen sowie 0,01% auf Derivate wird jedes Mal fällig, wenn ein Bürger ein Wertpapier erwirbt oder veräußert. Somit entreisst der Staat dem Sparer bei jedem Aktiendeal 0,2% seines Vermögens, ganz gleich ob er dabei einen nominalen Gewinn oder Verlust verbuchen konnte. In den Medien wird propagiert, dass die Folgen für Kleinanleger überschaubar wären, was eine völlig falsche Einschätzung ist. Die Unterscheidung zwischen der nominalen und realen Kursentwicklung der Aktienmärkte ist dabei die Krux, die oft nicht deutlich genug oder zumeist gar nicht gesehen wird, da man grundsätzlich von falschen realen Steigerungsraten der Aktienmärkte und der Wirtschaft ausgeht, da diese durch die Inflation der Geldmenge verzerrt werden.

Wenn ich früher schrieb, dass nach Einführung der Transaktionssteuer die Kapitalbildung zur Altersvorsorge kaum mehr möglich sein wird, dürfte sich manch einer gefragt haben, ob ich dabei nicht etwas übertreiben würde, da die jährliche durchschnittliche Rendite am Aktienmarkt viel höher wäre, als das, was die Transaktionssteuer nähme. Entgegen dem allgemeinen Irrglauben steigen die Aktienmärkte langfristig real nicht mehr als 1% bis 2% im Jahr, wenn man eine Transaktionssteuer und eine Abgeltungssteuer unberücksichtigt lässt. Bezieht man diese Steuern jedoch mit ein, so sind reale Gewinne kaum mehr möglich und Lieschen Müller verliert in den meisten Fällen langfristig an der Börse ihr angespartes Kapital.

Der folgende Chart zeigt den ältesten Aktienindex, den Dow Jones Industrial Average, der einmal um die Preissteigerungsrate nach der Berechnung des US-Consumer-Price-Index (grüner Kursverlauf) und einmal um die Abwertung des Dollars zur Unze Gold (blauer Kursverlauf) deflationiert wurde. Berücksichtigt man die offiziell ausgewiesene Preissteigerungsrate, so stand der Dow Jones zum Ende September 2012 erst bei 556 anstatt bei 13.000 Zählern, wobei dieser 1913 schon bei 61,33 Zählern stand. Mit der "Buy and Hold“ Strategie waren also nur 2,25% per annum in einem Jahrhundert zu erzielen. Deflationiert man den Dow Jones mit der Preisveränderung von Gold, so stünde der Index heute nur bei 159 Zählern, was einer mageren Rendite von 0,97% pro anno entspricht. Bildet man einen gleitenden Durchschnitt über 40 Jahre, so beträgt die aktuelle Kursrendite 1,46% im Jahr.

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Während aus einem Investment von 10.000 USD im Jahr 1913 nach dem nominalen Dow Jones stattliche 1.898.020 USD wurden, so sind es inflationsbereinigt um den CPI nur noch 82.423 USD und deflationiert um die Preisveränderung von Gold nur noch 26.319 USD auf 99 Jahre. Die Abwertung des US-Dollars zum Gold dürfte dabei dem realen Kaufkraftverlust des US-Dollars am nahesten kommen. Nimmt man nun an, dass man durchschnittlich lediglich zwei Aktiendeals für sein Portfolio im Jahr macht, so fällt eine jährliche Finanztransaktionssteuer in Höhe von 0,4% des Vermögens an.

Mit dieser Steuer wären aus 10.000 USD in 1913 im Dow Jones CPI nur 55.389 USD und deflationiert um Gold nur mikrige 17.491 USD nach fast 100 Jahren geworden. Dies entspricht einer Jahresrendite von nur 1,7% (CPI deflationiert) oder 0,56% (Gold deflationiert). Berücksichtigt man nun noch die Abgeltungssteuer auf nominale Kursgewinne von mindestens 25%, so ergibt sich nach der CPI-Berechnung eine Rendite von 0,35% und nach der Deflationierung um die Preisveränderung von Gold eine durchschnittliche Minusrendite von -1,14%!

Damit verliert Lieschen Müller auf 99 Jahre real sogar mit nur noch 2.476 USD, die ihr übrig bleiben, rund 75% ihres Vermögens, da der Rest vom Staat konfisziert wurde. Sieht man sich noch einmal den Chart an, so wird klar, dass Lieschen Müller meist auch nicht zum Tief in den Aktienmarkt einsteigt, sondern ihr mit der Masse der Bevölkerung jeweils zum Top der Aktienmarkt schmackhaft gemacht wird, mit dem sie dann in den finanziellen Abgrund fährt.

Die Transaktionssteuer in Verbindung mit der Abgeltungssteuer bildet ein Umfeld, in dem die Akkumulation von Kapital zur Altersvorsorge über die Aktienmärkte für den Normalbürger extrem schwer oder fast unmöglich geworden ist. Auch wenn man Dividendenzahlungen und deren Thesaurierung berücksichtigen würde, so dürfte eine durchschnittliche Dividendenrendite von 1% bis 1,5% vor Abzug der Steuern im besten Fall die Auswirkungen der Besteuerung der Kursgewinne ausgleichen. Mehr als 0,5% bis 1% Rendite per annum sind unter extrem langfristigen Betrachtungen nicht realistisch. Da dies die reale Marktperformance ist und der Großteil der Fonds und Investoren den Markt nicht schlagen, dürfte der reale Kapitalerhalt schon das "Best-Case-Szenario“ für die Masse sein.




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