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Die Gold-Saison

20.11.2012  |  Dimitri Speck
Gibt es eine Gold-Saison? Von den Aktienmärkten sind Sprüche wie "Sell in May and go away“ bekannt und saisonale Muster wie das bessere Winterhalbjahr oder die Jahresendrallye häufiger Gegenstand statistischer Untersuchungen. Wie sieht es bei Gold aus?

Um zu prüfen, ob es Vergleichbares im Goldmarkt gibt, sehen wir uns als erstes einen saisonalen Chart an. Im Unterschied zu üblichen Charts bildet er nicht den Kurs über einen bestimmten Zeitraum ab. Vielmehr zeigt er den mittleren Verlauf über viele Jahre in Abhängigkeit von der Jahreszeit, den typischen saisonalen Verlauf. Hierzu werden aus den Kursen von insgesamt 30 Jahren Mittelwerte gebildet. Auf der horizontalen Achse des Charts ist die Zeit im Jahr eingetragen, auf der vertikalen Achse weist er Preisinformation auf. So kann man direkt im Chart beliebige saisonale Muster präzise ablesen.

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Man erkennt, dass auch Gold im Jahresverlauf zwei Hauptphasen aufweist: Vom 6. Juli bis 17. Januar des Folgejahres stieg Gold im Mittel um 6,23%. In dieser Phase mit einer Länge von etwas mehr als eine Jahreshälfte stieg es mehr als im ganzen Jahr! In 18 von 30 Jahren verteuerte sich Gold während dieser Jahreszeit, nur in 12 wies er Verluste auf. In den Jahren, in denen es währenddessen zu einem Gewinn kam, lag der Ertrag dabei bei durchschnittlich bei 15,77%, in den Verlustjahren bei -6,62%. Während der übrigen Jahreszeit vom 17. Januar bis 6. Juli, immerhin fast ein halbes Jahr, fiel der Goldpreis hingegen im Mittel. Die nachfolgende Tabelle zeigt den prozentualen Ertrag der saisonal günstigen Jahreszeit in Gold.

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Gibt es im Goldmarkt auch eine Herbstrallye? Auch wenn der Dezember im Mittel kein guter Monat war, fällt doch die Performance vom 1. November bis 16. Januar auf. In diesen 52 Handelstagen stieg Gold während der letzten 30 Jahre im Mittel um 3,11%. In weniger als 20% des Jahres erzielte Gold also mehr als 50% seines Ertrages. Erneut kam es zu 18 Jahren mit Gewinn und 12 mit Verlust. In den Gewinnjahren lag der Ertrag dabei bei durchschnittlich bei 7,76%, in den Verlustjahren gab Gold im Mittel während dieser Jahreszeit -3,48% ab.

Wie stabil sind diese saisonalen Phasen, wie wahrscheinlich ist es, dass sich in den kommenden Jahren ein vergleichbarer saisonaler Verlauf einstellt? Das hängt unter anderem von den Gründen ab, die dem saisonal messbaren Verlauf zugrunde liegen. Denn nur wenn es sie jetzt und in Zukunft gibt, können sie auch in Zukunft noch ihre Wirkung entfalten und die Wahrscheinlichkeit einer Kursbewegung erhöhen. Genannt werden hierbei häufig die Festzeiten, angefangen von Weihnachten über das chinesische Neujahrsfest bis zur Hochzeitsaison in Indien. Dieser Schmuckgebrauch scheint saisonal geprägt zu sein. Wie sieht es aber bei der Wertaufbewahrung der reinen Anleger aus? Auch hier sind saisonale Einflüsse denkbar, sei es durch Stimmungen, politische oder bilanzielle Häufungen oder durch Interaktionen von anderen Märkten. Sie sind aber schwerer benennbar und werden bisher kaum diskutiert.

Wer zum Schluss kommt, dass Gold einen hinreichend stabilen saisonalen Verlauf aufweist, kann diesen nicht nur als Trader nutzen, sondern auch als Langfristanleger, indem er sich bei seinem Kaufzeitpunkt (und später einmal Verkaufszeitpunkt) daran orientiert. Er sollte aber beachten, dass es auch bei Vorliegen eines saisonalen Musters zu Ausnahmejahren kommen kann, in denen Gold sich anders als im Mittel entwickelt. Die Jahreszeit kann nur einer von mehreren Faktoren sein, die auf den Preis einwirken.


© Dimitri Speck
www.seasonalcharts.de

Dimitri Speck entwickelt für den Assetmanager Staedel Hanseatic Handelsstrategien. Einen weiteren Themenschwerpunkt seiner Arbeit bilden Gold und Rohstoffe. Er ist Herausgeber der Website www.SeasonalCharts.de, auf der über hundert saisonale Charts gezeigt werden. Im Finanzbuchverlag ist sein Buch "Geheime Goldpolitik" erschienen.



Hinweis: Der Artikel ist ein Auszug aus dem Edelmetall- und Rohstoffmagazin 2012/13.





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