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16.06.2003 08:23  | Andreas Rühl

Warum physisches Gold?

Nachfolgender Text ist ein Auszug aus dem Goldbuch von Andreas Rühl - Erscheinungsdatum und -titel noch nicht bekannt. Stand: 07/2003


15.1 Warum physisches Gold?

Der Aufbau einer gesunden Vermögensstruktur - die Streuung der Vermögenswerte auf verschiedene Anlageformen, wie Aktien, Renten, Immobilien und Gold - resultiert auf den Erfahrungswerten die im Lauf von Jahrhunderten bei der Vermögensbildung und -vernichtung gemacht wurden.

Aufgrund dieser Erfahrungen nutzen die wirklich erfolgreichen Vermögensverwalter dieser Welt, stets sämtliche Anlageklassen. Die Mischung sorgt für eine optimale Risikostreuung, welche für einen nachhaltigen Kapitalerhalt und interessante Erträge notwendig ist. Auf unterschiedliche Wirtschafts- und Kapitalmarktzyklen wird mit einer flexiblen Gewichtung der einzelnen Anlageklassen reagiert. Dabei wird die Vermögensklasse Gold als strategische Position zu jeder Zeit berücksichtigt. Je nach Wirtschaftszyklus wird lediglich in den vielen Möglichkeiten der Goldinvestition (siehe Kapitel 3) variiert. Die Anlage in physisches Gold - also in effektiv vor einem liegende Goldmünzen und -barren - wird jedoch immer berücksichtigt. Wenn die erfolgreichsten Vermögensverwalter und die reichsten dieser Welt hier nie darauf verzichten, dann stellt sich die Frage, warum es für uns ebenfalls ratsam ist?


In welchen Fällen können wir vom Kauf physischem Gold profitieren?

In den meisten Fällen beabsichtigt der Käufer von steigenden Goldpreisen zu profitieren. Mit diesem Kaufgrund spekulieren Sie darauf, dass Sie Ihre in der Vergangenheit erworbenen Münzen und Barren zu einem höheren Preis wieder verkaufen können. Hierbei sollten Sie berücksichtigen, dass die Kosten für Prägung, Transport und Verwahrung zu einem Aufschlag auf den reinen Goldpreis führen. Bei Münzen ist dieser Kostenaufschlag größer als bei Barren. Je kleiner das Gewicht von Münzen oder Barren, desto größer wird der prozentuale Aufschlag. Wenn Sie keine Befürchtungen haben, dass alternative Kaufmöglichkeiten - wie beispielsweise der Erwerb über Goldzertifikate - dem Bonitätsrisiko des Zertifikate-Ausstellers unterliegen, können Sie sich die Kosten - die durch die oben genannten Aufschläge entstehen - sparen. Die reine Spekulation auf einen steigenden Goldpreis könnte somit kostengünstiger und mit den gleichen Schwankungen wie beim physischen Gold erreicht werden.

Handelt es sich um eine strategische Beimischung von Goldmünzen und -barren, steht der mögliche Anstieg des Goldpreises gar nicht im Vordergrund. Erinnern Sie sich an das Kapitel "1.1. Die Geschichte des Geldes"? Gold ist das Ursprungsgeld, seine Bedeutung, kommt immer dann vermehrt zu tragen, wenn das Vertrauen in die Papierwährungen nachlässt oder im schlimmsten Fall vernichtet wird. Beim strategischen Münzen- und/oder Barrenkauf sind es eher die Erfahrungen der letzten Jahrhunderte, die Tatsache, dass letztlich jedes Währungssystem über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt ist und entweder durch Hyperinflation oder Staatspleite zur Vernichtung von Papiergeld führt. Wenn das der Grund für eine Beimischung in Ihre Vermögensstruktur ist, ist es weniger die Spekulation auf steigende Goldpreise, sondern eine finanzielle Absicherung für die denkbaren und in den letzten Jahrhunderten mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder erlebten "worst-case" Szenarien.

"Worst-case" Szenarien - was ist das? Um eine kleine Vorstellung zu bekommen wann physisches Gold seiner strategischen Bedeutung gerecht wird, brauchen wir nicht einmal weit in die Wirtschaftshistorie zurück gehen. Es reicht ein Blick nach Argentinien. Ein Land, dass sich im Lauf der Zeit mehr und mehr verschuldete. Dies führte zu einem immer größer werdenden Vertrauensschwund. Befürchtungen der Staat könnte seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, führte mehr und mehr zum Vertrauensverlust in die eigene Währung.

Die Bevölkerung fing an, ihre Ersparnisse bei den Banken abzuheben um sie schnell noch zu verkonsumieren, solange das Geld noch als Zahlungsmittel akzeptiert wurde. Der Run auf die Banken nahm solange zu, bis deren liquide Mittel aufgebraucht waren. Die Bankenschalter wurden geschlossen! Das Vertrauen in die eigene Währung war vernichtet. Anleger die glaubten, sich mit Anlagekonten in "harten" Währungen vor dem Kollaps schützen zu können, wurden durch einen staatlich angeordneten Zwangsumtausch quasi enteignet. Beim Einkauf für das tägliche Leben zählte alles andere nur nicht die eigene Währung. Unter anderem entwickelten sich Warentauschmärkte.

In Deutschland war es nach dem zweiten Weltkrieg die Zigarettenwährung, die durch Warentausch, die Reichsmark ersetzte. Wer solch extreme Finanzkollapse mit erlebt, wird schnell erkennen, dass selbst sachwertorientierte Vermögensteile, die ihm während eines intakten Finanzsystems den Status eines Wohlhabenden geben, keine Lösung sind. Schließlich steht kein Tauschmittel bzw. Wertaufbewahrungsmittel zur Verfügung das akzeptable Verkaufserlöse für Immobilien oder substanzhaltige Unternehmen ermöglicht. In solchen "worst-case" Situationen profitieren Sie von Ihrem physischen Gold. Im täglichen Leben hilft es Waren zu kaufen, die schwer zu erhalten sind. Für die Zeit nach dem Finanzkollaps - jeder Zusammenbruch von Finanzsystemen führt zu neuen Finanzsystemen - können Sie verfallene Immobilien- oder Unternehmenspreise nutzen, um sich mit Ihrem Ursprunggeld Gold Vermögensvorteile in der Zukunft zu schaffen.

Schaurige Zeilen! Nicht wahr? Ist es denn überhaupt realistisch, dass wir solche Horrorsituationen erleben? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Allerdings kann ich es mir sehr gut vorstellen. Wer will uns letztlich garantieren, dass unsere heutigen Finanzsysteme - die sowohl in Europa, wie auch in den USA allein auf Vertrauen aufgebaut sind - auf immer und ewig erhalten bleiben? Der Staat? - die Vergangenheit lässt grüßen! Die Notenbanker Greenspan oder Duisenberg? - für wie viele Bürger reicht deren Goldbesitz?

In Deutschland gehen Lebensversicherungsgesellschaften nur nicht pleite, weil man sie in kurz zuvor gegründete Auffanggesellschaften unterbringt. Die Vorstände der großen Banken diskutieren mit der Bundesregierung ebenfalls über Auffanggesellschaften. Sind das Indizien für ein gesundes Finanzsystem?

Wenn man die Verschuldung der Kommunen, Länder und des Staates addiert - ob in vielen Ländern Europas oder auch der USA - ist eine expotentiale Entwicklung erkennbar. Das Gesetz über den Zins- und Zinseszinses lehrt uns, das expotential entwickelnde Zahlen nicht mehr umzudrehen sind.

Die Wahrscheinlichkeit eines möglichen Finanzkollaps ist in den letzten Jahren jedenfalls ein vielfaches größer geworden. Das spricht in jedem Fall für die Strategie der erfolgreichen Vermögensverwalter - die Beimischung von physischem Gold.


Welche Münz- oder Barrengröße ist für eine strategische Investition die richtige Wahl?

Diskussionen zu dieser Frage finden oft keinen Konsens. Um den geringsten Kostenaufschlag zu haben, dürfte man nur Barren ab 500 g Gewicht kaufen. Ob diese "großen" Barren für die Lebenshaltung in den oben geschilderten "worst-case" - Szenarien geeignet sind, kann ich mir schwerlich vorstellen. Ob das Argument, man könne sich ja dann Scheiben von einem Goldschmied abtrennen lassen, zieht? Wegen ein paar Euro Kostenersparnis scheint das für eine strategische Ausrichtung kein schlagendes Argument. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Goldschmied seine Arbeit in Gold aufwiegen lässt und der vermeintliche Abnehmer solchen Scheiben eher misstrauisch gegenübersteht, dürfte relativ hoch sein. Wenn Sie sich ernsthaft für die Möglichkeit eines Finanzkollaps absichern wollen, dürfte die Aufteilung auf unterschiedliche Münzen (Krügerrand, Maple Leaf und Golden Nugget) und Barren, jeweils in verschiedenen Gewichtsgrößen, die bessere Lösung sein.


Welche Form der Verwahrung sollten Sie wählen?

Auch hier scheiden sich die Geister! Effektiv ausgeliefertes Gold ist einerseits schön anzusehen und wenn Sie es in der Hand halten sehr faszinierend, andererseits ist es immer mit dem Risiko des Abhandenkommens verbunden. Eine sichere Aufbewahrung ist daher wesentlich, für eine erfolgreiche Absicherung gegenüber den "worst-case" - Szenarien.

Was ist sicher? Für den einen ist es die Küchenschublade, der eigene Tresor oder das Vergraben im Gartenbeet - für die meisten kommt nur der Banksafe in Frage. Um die Eingangsfrage sinnvoll zu beantworten, greife ich auf die Geschichte zurück. Wenn das Vertrauen in bestehende Währungen zerrüttet ist und die Banken ihre Tore schließen, haben Sie bei der Verwahrung in einem Banksafe auch keinen Zugang mehr zu Ihren Münzen und Barren!

In den USA wurde während der Weltwirtschaftskrise, im April 1933, der Besitz von Gold verboten. Innerhalb eines Monats mussten sämtliche Münzen und Barren bei der amerikanischen Notenbank abgegeben werden. Wer freiwillig abgab wurde unter dem Marktpreis liegend zwangsentschädigt. Wurde Gold bei staatlich angeordneten Durchsuchungen gefunden, wurde ersatzlos enteignet. Hierzu wurden unter anderem Bankschließfächer systematisch durchsucht.

In der Denke von "worst-case" - Szenarien scheint es also sinnvoll zu sein, Aufbewahrungsorte zu wählen die unabhängig von irgendwelchen Schalteröffnungszeiten und oder gar nachvollziehbaren Schließfächern sind.


Generell gilt für den strategischen Besitz von physischem Gold:

Im Notfall sollten Sie 24 Stunden am Tag darauf zurückgreifen können. In der Hoffnung das dies nie notwendig sein wird.

Wer auf die Absicherung durch Gold verzichtet macht nichts anderes als mit seinem gesamten Vermögen zu garantieren, dass zu Lebzeiten kein Finanzchaos eintreten wird. Eine ziemlich große Garantie.


© Andreas Rühl
IFL® Rühl GmbH





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