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Gold-Selloff: Nur eine Frage ist entscheidend

27.04.2013  |  Presse
Letzten Freitag [12.04] war ich zu Gast bei einer (sehr kurzen) Diskussion im Morgenprogramm von BBC Radio Four, in der es um die zukünftigen Entwicklungen am Goldmarkt ging. Tom Kendall, Chef der Precious Metals Research bei Credit Suisse, meinte, Gold sei jetzt in der Bredouille. Ich argumentierte dagegen. Meine Wenigkeit behauptete also in einer landesweit gesendeten Radiodiskussion - und zwar an jenem Morgen, dem die zwei schlimmsten Handelstage, die Gold seit 30 Jahren hatte, folgten sollten - dass das Edelmetall immer noch eine gute Investition sei.

Ist es das?

Ich bin weiterhin der Meinung, dass das, was ich im Radio sagte, immer noch zutrifft. Auch nach zwei Tagen heftiger Blutverluste am Goldmarkt und nach zwei Tagen tiefgründiger Ursachenforschung glaube ich, dass letztendlich allein die folgende Frage für die zukünftige Entwicklung beim Gold entscheidend ist:

“Hat sich die Ausrichtung der globalen Geldpolitik grundlegend geändert, oder sind solche Änderungen absehbar; und geht die Phase der “quantitativen Lockerungen“ und der extrem niedrigen Zinssätze ihrem Ende zu?“

Falls sich diese Fragen mit "Ja" beantworten lassen, dann hat Gold weiterhin Probleme. Lautet die Antwort “Nein”, dann wird es zurückkommen.


Gründe für Gold

Ich besitze und empfehle Gold als essentielle "Selbstverteidungsanlage“ nicht aufgrund der Chart-Muster des Goldkurses, der Meinung Goldman Sachs‘ oder der Hochzeitssaison in Indien, sondern aufgrund der Diagnose, dass sich die globale Fiat-Geld-Wirtschaft selbst Schachmatt gesetzt hat. Nach 40 Jahren unablässiger Papiergeldexpansion, und insbesondere nach 25 Jahren globalen Bubble-Finanzwesens unter Führung der Federal Reserve, herrschen im Weltfinanzsystem jetzt so massive Verzerrungen, dass kein(e) Mächtige(r) es wagen würde, den Geldhahn abzudrehen und die Marktkräfte ihre Arbeit verrichten zu lassen. Und das würde heißen, dass die Preise für Kredit und Risiken sich am Umfang der realen Ersparnisse sowie am Potential realer Ertragsschöpfung orientieren und nicht an den Wünschen unserer monetären Zentralplaner.

Seit einem halben Jahrzehnt halten alle großen Zentralbanken ihre Zinssätze bei null und drucken gewaltige Mengen Bankenreserven, und zwar aus einem Grund: Das System ist weit aus den Angeln geraten, und niemand möchte, dass sich der Markt an einer Korrektur dieser Zustände versucht.

Es gibt zwei Möglichkeiten (auf die ich genauer in meinem Buch eingehe): 1.) Diese Politik wird beibehalten und sogar noch forciert. Dies wird im Endergebnis zu steigender Inflation und einem Zusammenbruch des Papiergeldsystems führen. 2) Diese Politik wird verworfen und die Auflösung der Ungleichgewichte durch Marktkräfte wird zugelassen.

Gold ist hauptsächlich eine Absicherung gegen Szenario 1) aber auch im Szenario 2) würde es nicht auf null fallen. Bislang sehe ich kaum Hinweise darauf, dass die Zentralbanker vorhaben, von 1) zu 2) zu wechseln. Trotzdem müssen wir immer bedenken, dass der Markt schlauer ist als wir und seine Ohren näher am Boden hat. Wie ist also die Indizienlage? Worauf könnte sich diese Annahme gründen?


Zypern und die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion

Losgelöst betrachtet, waren die Ereignisse in Zypern nicht wirklich günstig für Gold. Was aber nicht daran liegt, dass die Inselnation vielleicht ein ganz klein wenig Gold an den Märkten verkaufen könnte, sondern daran, dass sich die EU-Herrscher anstatt für Bailout und Reflation für Liquidation und Deflation entschieden haben. Die große Bank Zyperns wird liquidiert. Sie wird nicht gerettet oder “rekapitalisiert“, so wie es bei den schlechten Beispielen RBS, Northern Rock und der Commerzbank der Fall war, oder aber indirekter - und zwar durch schamlose Re-Liquifizierung - bei Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citibank sowie zahlreichen anderen Großbanken.

Seit 3 Monaten schrumpft die Bilanz der EZB, sie wächst nicht. Den Einlegern der Banken der Euro-Zone (und sogar der EU) wird zu verstehen gegeben, sie sollten in Zukunft nicht darauf vertrauen, dass der nominale Wert ihrer Bankeneinlagen durch unbegrenztes Gelddrucken oder unbegrenzte Transfers von den Steuereinnahmen anderer Länder geschützt ist. Das ist ein Vorstoß in Richtung monetärer Vernunft und das ist negativ für Gold. Dieser Schritt dürfte den Risikoaufschlag für Papiergeld geringfügig verringern.

Sollte diese Maßnahme wegweisend für die Absichten der globalen monetären Bürokratie sein, dann dürfte Gold in der Tat in der Bredouille sein. Das sehe ich aber nicht kommen. Wie ich schon an anderer Stelle schrieb, halte ich es für viel wahrscheinlicher, dass Japan das neue Vorbild für die zukünftige Geldpolitik der Zentralbanken ist: aggressive Abwertung von Fiat-Geld, ein letzter verzweifelter Versuch, die Wirtschaft mit allen verfügbaren geldpolitischen Hebeln in die Höhe zu prügeln. Auch die EU-Bürokratie wird sich wenig prinzipientreu in der Frage harter oder weicher Währungspolitik zeigen, wenn der auf der Trage eingelieferte Patient eben kein europäischer Winzling wie Zypern oder auch Griechenland ist, sondern einer von den großen Jungs, also Spanien, Italien, Frankreich (das letztere gilt schon seit einiger Zeit als der große zukünftige Krisenherd der Währungsunion). Die Telefondrähte in Draghis Büro werden sofort heiß laufen. Ich habe beim besten Willen nicht den Eindruck, dass gerade in Europa die Tage der “quantitativen Lockerungen" gezählt sein könnten.




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