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40 Jahre danach: Noch immer sind "die Spekulanten" schuld

15.08.2011  |  Peter Boehringer
Hinweis GoldSeiten.de: Dieser Beitrag erschien bereits am Freitag im GoldSeiten-Blog.com

Farbige Titelseite des Handelsblatts am heutigen 12. August 2011: "Die Stunde der Spekulanten". Gleich dreimal wird diese so griffige Formel dann noch wortgleich in Überschriften wiederholt. Sinngemäß heute auch in vielen anderen Blättern. Und natürlich wird dabei nicht - was noch nachvollziehbar wäre - eine seit vielen Jahren andauernde aggressiv-spekulative angelsächsische Kampagne gegen Europa (ungleich EUropa!) thematisiert, sondern eine nebulöse, anonyme und natürlich irrationale "Unvernunft".

Ein massenhaftes Versagen der Marktlogik sozusagen, für das "die Spekulanten" aber trotz ihres Versagens irgendwie nie mit Verlusten bestraft werden, sondern trotz "fehlerhaften" Anlageverhaltens sogar ständig noch Gewinne scheffeln... ( Dass sich das Handelsblatt dabei nicht einmal entblödet, auf derselben Titelseite [Sprechblasen-Kommentare im Bild von mir] ganz groß positive Werbung für das eigene 14-seitige HB-Geld-Spezial zu machen, mit dem auch "Der Spekulative" Anlegertyp über Hebelzertifikate viel Geld verdienen soll, spricht für sich selbst. Aber innere Widersprüche fechten den Mainstream nicht an. Hauptsache, das Blatt wird jeden Tag gefüllt.

Wie auch immer: Anonymes Spekulantenbashing war schon seit sehr langer Zeit ein bequemes Mittel der Politiker, um sowohl von eigenem Versagen in der planwirtschaftlichen keynesianischen Steuerung der heutigen Wirtschaftswelt abzulenken - als auch von grundlegenden Systemfehlern selbst. Machen wir zum Beleg dessen eine Rückblende um ganz genau 40 Jahre zu Richard Nixons berühmter Fernsehansprache, in der - o Wunder - ebenfalls "die Geldspekulanten" sehr scharf und explizit als Staatsfeinde adressiert wurden. Wobei damals natürlich ganz offiziell die "Goldspekulanten" gemeint waren, denn bis zu eben jenem 15. August 1971 war Gold noch ganz offiziell Welt-Geld sowie fixer Maßstab für alle Währungen - und eben diese Tatsache war Nixons dringend zu beseitigendes Problem:

15. August 1971, Washington D.C.: Vor exakt 40 Jahren beendete US-Präsident Nixon per einseitigem Dekret und Fernseh-Ansprache das Bretton Woods System der seit 1944 festen Wechselkurse der Währungen. Und damit insbesondere - und am folgenreichsten - auch die fixe Einlösbarkeit des Dollars gegen die wahre Welt-Leitwährung Gold im Verhältnis 0,89 Goldgramm pro Dollar. Bzw. eben 35 Dollar pro Gold-Unze, was zwar die bis heute geläufigere - aber in historischer Geldbetrachtung verkehrte Betrachtungsweise ist, denn über Tausende von Jahren wurden Waren und Währungseinheiten in Goldgewicht denominiert und nicht etwa umgekehrt. Warum auch hätten Papiergeldscheine (= Goldderivate) zum Maßstab des Basiswerts Gold gemacht werden sollen?

Vor sieben Jahren schrieb ich zum Vorgang der gewaltsamen De-Monetisierung von Gold folgendes:

"Dem Offenbarungseid [eines leeren Staatsgold-Tresors] kam Präsident Nixon am 15. August 1971 zuvor und "schloss das Goldfenster", wie es noch heute euphemistisch heißt! Diese einseitige Aufkündigung von Bretton Woods und dem 1944 der Welt gegebenen Versprechen zur Goldeinlösung aller Dollars ist wohl eine der bedeutendsten Zäsuren in der neueren Geschichte. Wir leben seitdem alle ungewollt und praktisch ohne mediale Warnung in einem riesigen Papiergeldexperiment, in dem das (Geld)vermögen der Welt aus nichts als Schulden besteht, die niemals zurückgezahlt werden können."

Was hat sich in diesen sieben Jahren geändert? Abgesehen von einem seit der 2008 offen ausgebrochenen Finanz- und Schuldenkrise langsam und widerwillig angestiegenen Problembewusstsein der Mainstream-Medien gar nicht so viel: Noch immer lebt ein Großteil der westlichen Welt in der kollektiven Psychose des Falschgeldexperiments:

In einer Schulden-finanzierten Schönwetter-Matrix, aus der die Menschen zwar eines Tages erwachen müssen, falls sie nicht warten wollen, bis der umfassende Schulden-Default sie gewaltsam herausreißt; aus der sie aber bislang partout nicht erwachen wollen. Seit 40 Jahren wird praktisch ohne Unterbrechung und scheinbar ohne Grenze aufgeschuldet, seitdem der einzige unbestechliche und physikalisch greifende goldene Anker der Geldmengen auf den vorläufigen Schrottplatz der Geschichte verbannt wurde.

Der Verbannungsakt durch Nixon wurde schon damals 1971 nur von sehr wenigen Menschen als das erkannt, was er war: der größte Vertragsbruch der Geschichte und der Startschuss in ein finanziell, politisch, gesellschaftlich und sozial unverantwortliches und auf globaler Basis präzedenzloses Geldexperiment, das wie jedes Ponzi-Spiel eines Tages im Kollaps der unvermeidlichen Schuldenpyramiden würde enden müssen.

Für die Masse der US-Bürger war Nixons Fernsehansprache ein Non-Event. Am Abend des 15.8.1971 beschwerten sich viele Menschen nicht etwa über Nixons Statement, sondern vielmehr darüber, dass (beinahe) die beliebte TV-Sendung des Sonntag-Abends "Bonanza" wegen der Ansprache verschoben wurde und dass Lorne Greenes Adonis-Kopf dann von Richard N´s Beamtenschädel verdrängt worden wäre. [Was Nixon dann aus Gründen wohlverstandener Wählermotivation aber vermieden hat und erst später sprach].






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