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06.10.2011 07:15  | Dr. Dietmar Siebholz

EFSF- ESM - Deflation - Inflation

Lassen Sie mich nun zu den Auswirkungen dieser EU-Konstruktionen kommen: Es gibt nur eine Erkenntnis, die wichtig ist, und die lautet: Deutschland wird geplündert, denn nur die leistungsfähigen Staaten Österreich, die Niederlande, Finnland und Deutschland werden wohl in der Lage sein, den Kapitaldienst zu vertretbaren Konditionen leisten zu können. Aber beachten Sie, dass diese Leistungen und Transfers auch nicht aus dem Vollen - also dem Überschuss kommen. Der Überschuss aus unserem Bruttosozialprodukt versandet in der EZB und gehört nicht wie einstmals der Bundesbank, die ihn für uns verwaltete.

Wie bereits von Prof. Hankel im August 2008 auf einer Tagung in Kassel (an der ich über das Thema "Historie und Zukunft von Währungsreformen" sprechen durfte) näher erläutert wurde, lagen zur damaligen Zeit die Leistungsüberschüsse der oben genannten Länder kumuliert bei ca. 218 Mrd Euro, die des dann saldierten EU-Raumes aber nur bei ca. 32 Mrd Euro. Was nichts anderes bedeutet, als dass alle anderen Länder ihren negativen Saldo von ca. 186 Mrd Euro mit uns verrechnet hatten. Wie gern würde ich mit der Quandt-Erbin Frau Susanne Klatten auch über einen solchen Deal sprechen, aber ich bin sicher, Frau Klatten, die ich sehr schätze, wird sich auf so etwas nicht einlassen. Eigentlich schade.

Nein, in der Zukunft werden wir nicht nur über unsere Überschüsse nicht mehr verfügen können, sondern uns dazu noch verschulden müssen, um die Transfers nach Brüssel stemmen zu können, sonst könnten die rigorosen Maßnahmen, die im Entwurf der ESM-Satzung enthalten sind, gegen uns gerichtet werden.

Warten wir es einmal ab, wann die Abrufe für EFSF oder ESM kommen, wie wir dann unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Bürgern, vor allem aus dem Sozialhaushalt erfüllen können und wenn nicht, wie diese Bürger dann reagieren werden. Nicht umsonst hat die Bundesregierung in einer Sonderstudie bereits an die 250 Brennpunkte für zu erwartende sozial bedingte Konflikte definiert. Dazu gehören u.a. natürlich Berlin-Neukölln (ich war Tempelhofer und damit fast ein Nachbar zu Neukölln) und viele andere kritische Standorte.

Also wird es wohl nur eine Lösung geben können und die heißt Verschuldung auf Teufel komm' raus, denn eine Ablehnung der Zahlungspflicht an Brüssel werden wir nicht durchsetzen können. Zu viele der EU-Nachbarn profitieren ja von unseren Transferleistungen. Man wird sich auch nicht wagen, zu viele Kürzungen in den Sozialhaushalten durchzusetzen und uns Alte (also die Rentner), zu entsorgen, ist in den christlichen Demokratien auch noch nicht möglich. Was bleibt, ist die weitere Verschuldung.

Und damit gießen wir Kerosin in das schon brennende Gebäude BRD. Denn sich aus der Überschuldung durch extreme Neuverschuldung (auch wenn dies über andere Institutionen vor sich geht und die Schulden eventuell nicht im Bundeshaushalt zu konsolidieren wären - die Bürokraten sind ja da sehr erfinderisch) zu befreien, mutet an wie der Versuch, zwei Männer ein Kind zeugen zu lassen. Die Natur und ihre Weisheit sprechen dagegen.

Fest steht, dass uns die uns nun bevorstehende Neuverschuldungswelle in eine Situation bringen wird, wie sie in den Jahren 1920 bis 1930 herrschte, nämlich die Verschuldungsorgien, mit denen die Kriegsschuldlasten für den ersten Weltkrieg abgetragen werden sollten. Jetzt endlich verstehe ich die Aussage einiger kritischen Betrachter, die sagten, "Brüssel und seine neuen Organisationen seien für Deutschland wie Versailles, nur ohne Krieg…"

Das bringt uns unmittelbar zu der Frage: Droht uns daraus Deflation oder Inflation?

In den letzten Tagen ging es an den Kapitalmärkten zu wie im Tollhaus, alle haben Erklärungen für die enormen Veränderungen an den Devisen- und Edelmetallmärkten und den Aktienbörsen. Viel sprechen von Blasen, die platzen sollen oder auch nicht. Man muss nun auch unter Negierung eigener Engagements etwas von der Bahnsteigkante zurücktreten, tief Luft holen und nachdenken. Dabei sollte man auf jeden Fall mehr seinem eigenen gesunden Menschenverstand vertrauen als der Mainstream-Presse oder den vielen (manchmal auch selbst) ernannten Fachleuten.

Zum Thema Deflation oder Inflation sollte man sich erst einmal über die Bedeutung und die Bedingungen für beide außerordentlich unangenehmen Spannungslagen bewusst werden. Beide Begriffe sind nicht angebracht, um daraus auf einen Preisverfall oder auf Preissteigerungen zu folgern, denn mit der Definition von Inflation oder Deflation ist ausschließlich die übermäßige oder zu knappe Versorgung der Märkte, speziell aber der Finanzmärkte, mit Liquidität gemeint.






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