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06.10.2011 07:15  | Dr. Dietmar Siebholz

EFSF- ESM - Deflation - Inflation

Zur Inflation: Dass sich die übermäßige Zurverfügungstellung von Liquidität durch die Notenbanken dann, wenn es keine sinnvolle Verwendung für diese Liquidität gibt, in einer Preissteigerung niederschlägt, ist eine Folge, die jedoch noch keine allgemeine Inflation mit sich bringen muss. In den letzten Jahren haben wir nämlich primär Assetpreissteigerungen erlebt, die sich aus der Unmenge an neu geschaffener Liquidität ergaben. Diese Liquidität haben die Notenbanken weltweit zur Verfügung gestellt (d.h. neues Geld gegen Schulden geschöpft), um die teils darniederliegende Wirtschaft zu beleben. Ob diese Art der Geldschöpfung Aufgabe einer Notenbank ist, darf zwar bezweifelt werden, aber mit dem "Pensionierung" der Bundesbank hat sich wohl der Typus der US-Notenbank gegen das Relikt aus der Zeit, in der eine Notenbank namens "Bundesbank" vorrangig für die Geldwertstabilität zuständig und verantwortlich war, durchgesetzt.

Jetzt wurde neues Geld auf Biegen und Brechen gegen immer neue Schulden und damit neues Inflationspotential geschaffen und in Assets investiert. So weltweit geschehen in den Immobilienmärkten, teilweise auch bei Rohstoffen. Auf den ersten Blick hat diese Geldschwemme aber keine Inflation gezeitigt; üblicherweise kommt diese dann jedoch auf leisen Sohlen hinterher, nämlich über die Kostensteigerungen bei den auf die Rohstoffe angewiesenen Produkten und über die Mietkostensteigerungen der erheblich verteuerten Immobilien etc ... Wenn jedoch die Lohnkosten selbst aufgrund der der oben bezeichneten Kostenerhöhungen nicht ansteigen, sei es als Folge höherer Effizienz, sei es als Druck auf die Arbeitnehmer, fehlt der zusätzliche Impetus, der für eine wahrnehmbare Inflation erforderlich ist.

Ein weiteres Hilfsmittel für die "Vernebelung" der realen Inflationswahrnehmung ist die permanente Anpassung an die Bedingungen der staatlichen Statistiken über die Lebenshaltungskosten. Nehmen Sie nur zur Kenntnis, dass es hier so viele Manipulationsfaktoren gibt, dass es eines ganzen Kommentars bedürfte, um alle Varianten der Beeinflussung dieser wichtigen Daten zu erläutern. Ein Kollege aus dem USA (John Williams) führt die "alten" Statistiken aus der Zeit, wo noch Mathematik und gesunder Menschenverstand die Grundlagen für die Ermittlung der realen Erhöhung der Lebenshaltungskosten bestimmten und nicht das staatliche Wunschdenken, die Bürger nicht mit zu erdrückenden Fakten zu belasten. Kurz gesagt, wenn man die alten und meiner Meinung nach richtigen und korrekten Werte zugrundelegt, dann ist die US-Teuerung nicht bei ca. 3,2% (Core-Rate = Kernrate ohne Energie und Lebensmittel!!) sondern eher bei 8% angesiedelt. Im Übrigen gilt für Deutschland das Gleiche, denn man hat ja vor Jahren beschlossen "aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit" ähnliche Sonderfaktoren in die Ermittlung der Lebenshaltungs-kostenindices zu berücksichtigen.

Also ist eine reale Inflation garantiert nicht aus den Statistiken abzuleiten, was inzwischen ja jede Hausfrau und jeder Verbraucher erkennt.

Was kann man aber an Inflation akzeptieren? Im Prinzip ist es ganz einfach: Geldmengenausweitung dürfte unter dem Postulat eines stabilen Geldwertes nur dann erfolgen, wenn gleichzeitig damit eine Steigerung des Bruttosozialproduktes stattfindet oder stattgefunden hat. Dann würde die Geldmenge nur in dem Umfange steigen, wie sich das BSP erhöht, also eine stabile Lage.

Nur leider ist diese Theorie nicht umzusetzen, weil zur Bedienung der Zinsen aus der Staatsverschuldung nicht die Steuern erhöht (also Liquidität zugunsten des Staates abgeschöpft wird) sondern neue Schulden aufgenommen werden. Und hier beginnt der tödliche Kreislauf der Überschuldung der Staaten, die ihre Ausgaben nicht über Abgaben und Steuern, sondern durch Neuverschuldung finanzieren.

Der Staat bringt neue Liquidität in Umlauf (in jüngster Zeit, um marode aus meiner Sicht nicht sanierungsfähige Banken zu retten, weil sie systemimmanent sprich: für den Staat so wichtig sind) gegen neue Schuldaufnahmen, die dann von allen Bürgern verzinst und getilgt werden müssen. Hier kommen dann die Mathematik und die Unausweichlichkeit der Folgen der Zinseszinsrechnung zum leider immer letalen Tragen. Niemand kann der Schulden(todes)spirale entkommen.

Da der Staat ja - um nicht in die aktuelle Lage Griechenlands zu kommen - immer seine Zinsen bedienen muss, entsteht bei den Gläubigern der Staatsanleihen ein erheblicher Liquiditätszufluss, der seinerseits erhebliche Auswirkung auf den Geldumlauf und damit auf die Inflation nimmt.

Um eine nicht mehr beherrschbare Inflation zu generieren, muss ein zweiter Faktor wirken, das ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, denn nur beide Faktoren zusammen entwickeln dieses explosive Gemisch. Durch die weltweit verbreiteten Ängste in die Zukunft wird die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes gebremst: Man spart, legt sein Geld in sicheren Staatsanleihen, in Lebensversicherungen und in die Riester-Renten-Konzepten an und bremst damit die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Trotz erheblicher Kostensteigerungen kann man derzeit nicht von einer starken Inflation sprechen.

Was ist denn nun aber an den ängstlichen Diskussionen über die Deflation dran? Wirtschaftsrückgänge sind keine Anzeichen einer Deflation; Deflation findet statt, wenn den Märkten Liquidität entzogen wird. Dies ist derzeit sicherlich nicht der Fall, wenn man die reinen Geldflüsse beurteilt. Dennoch droht die Deflation, sich immer stärker ins Bewusstsein der Menschen zu drängen. Warum dies so ist? Trotz großer Zuflüsse aus den staatlichen Geldschöpfungsprogrammen muss man bei genauer Prüfung alle die Beträge gegenrechnen, die sich aus Bankenpleiten, Wertverlusten oder aus den abgewerteten Assetklassen wie Aktien, Immobilien und evtl. Rohstoffen ergeben, denn diese "Verluste" vermindern ja die disponierbare Geldmenge der Bürger und der Körperschaften bzw. Institutionen ...






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