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Manchmal ist es teuer, die Weltleitwährung als Zahlungsmittel zu nutzen, wie attraktiv ist der USD als Leitwährung für Drittländer?

01.07.2014  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.3685 (07.52 Uhr), nachdem im europäischen Handel Tiefstkurse der letzten 24 Handelsstunden bei 1.3641 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 101.47. In der Folge notiert EUR-JPY bei 138.85. EUR-CHF oszilliert bei 1.2145.

Wir nehmen heute bewusst nur kurz zum Thema Ukraine Stellung. In diesem Konflikt geht es so sehr um Freiheit und Demokratie, wie in Afghanistan, dem Irak oder in Libyen.

Ob diese Politikansätze des Westens, die ganze Länder ins Chaos führen und in Schutt und Asche legen, unsere westliche Agenda attraktiv machen, sei dahin gestellt.

Primär geht es um Machtpolitik der USA auf dem Rücken dieser Länder und damit auch der Ukraine. Letzteres hat direkte Folgen für Europa. Ist das wirklich unsere Agenda?

Damit kommen wir zum Titel des heutigen Kommentars:

BNP Paribas hat sich mit den USA auf eine Strafzahlung von 8,8 Mrd. USD geeinigt. Hätte BNP nicht den USD als Zahlungsmittel für die Geschäfte, die in Frage stehen genutzt, sähe es anders aus.

Jeder, der USD Transaktionen macht, unterwirft sich damit der Politik der USA. Wenn die USA Sanktionen verhängen, gilt das für alle USD-Nutzer. Argentinien lernt gerade, dass es riskant sein kann, Staatsanleihen auf Basis des US-Rechts aufzulegen. Man gibt damit nationale Souveränität auf.

Ergo wird die Welt, die den USD nutzt, US-Recht und US-Machtpoliitk unterworfen. Das ist eine Form der Gleichschaltung.

Diese Zusammenhänge sind von größter Bedeutung für zwei Abkommen, die derzeit zwischen den USA und der EU verhandelt werden. Dabei geht es um das Freihandelsabkommen und das Dienstleistungsabkommen.

Gerade die aktuellen Entwicklungen, ob BNP Paribas oder Argentinen nebst den Erfahrungen Kanadas im Rahmen von NAFTA mahnen, dass diese Abkommen auf keinen Fall zur Implementierung US-Rechts in der EU werden dürfen. Ansonsten würden die EU-Länder wesentliche Teile ihrer Souveränität im Rahmen ihres Rechtsstatuts riskieren.

Auch ist hier ein Zusammenhang zu den NSA-Ausspähungen zu sehen. Der Informationsvorteil seitens der USA ist imposant.

Dass ein solcher Vorteil nicht genutzt würde, um wirtschaftliche Interessen durchzusetzen, wäre im höchsten Maße naiv. Dass diesbezüglich maßgeblich Unternehmen außerhalb der USA wegen Kartellfragen vor den Kadi kommen, ist interessant. US-Unternehmen haben selbstverständlich ein völlig weiße Weste. Das gilt vor allen Dingen bei der Geschäftsnanbahnung in den Regionen, die bei Transparancy International auf den hinteren Rängen stehen …

Die Tendenzen auf globaler Ebene sind klar und eindeutig. Große Teile der Weltwirtschaft emanzipieren sich von den USA durch bilaterale Währungsabkommen (vor allen Dingen Schwellenländer).

Dahinter stehen die Erfahrungen insbesondere der letzten gut 13 Jahre. Internationales Recht wurde sehr einseitig gebeugt und gebrochen. Der Trackrecord des "Westens" hat bezüglich unserer Werte keine Authentizität. Die Eurozone hat in der Krise gelernt, dass die USA Partner für Zwecke, aber nicht notwendig auch Freunde sind.

Wir haben hier immer wieder auf die strukturellen Unterschiede bezüglich öffentlichem Haushalt und Handelsbilanz der Eurozone zu den USA hingewiesen.

Die Divergenz der Zukunftsfähigkeit ist ausgeprägter als 2008 bei einem Eurokurs von 1,60. Nur der Blick auf die Quantität des Wachstums leitet fehl. Die Qualität ist der entscheidende Punkt, der Auskunft über Zukunftsfähigkeit gibt.

Die USA sind gerade dabei, das Geschäftsmodell, das zur Krise 2007/2008 führte, zu kopieren, ganz im Gegensatz zur strukturellen Erneuerung der Eurozone. Für die Jahre 2014/15 funktioniert das Modell USA voraussichtlich. Ab 2016 sieht es nach unserer Analyse kritisch aus (siehe Charts und Slides am Ende des Kommentars). Damit ist aber auch die Herausforderung der USA durch die Eurozone im Machtanspruch größer als 2008.

Das gilt es bezüglich der Verhandlungen der aktuellen Abkommen mit den USA als Hintergrundwissen zu berücksichtigen.

Die USA bestehen auf ihrem Recht im Rahmen ihres Machtanspruchs. Recht gegen die USA kann man international nicht einklagen, auch wenn man es sachlich hat.


Ist das unseren Verhandlungsführern in der EU bewusst? Nachhaltige Sorgen sind berechtigt!

Ob diese Politik der USA dem Status des USD als Leitwährung bekommt, ist mehr als fraglich. Die Absatzbewegungen sind recht dynamisch.

Da hilft ultimativ dann auch keine Repression in der Parität Gold (Währung ohne Fehl und Tadel) gegen USD. Ganz im Gegenteil wird sie seitens smarter Schwellenländer genutzt …

Wegen der Inhaltsschwere des heutigen Kommentars verzichte ich auf eine inhaltlich angemessene Darstellung der gestern veröffentlichten Wirtschaftsdaten.

Eurozone:

  • Geldmenge M3 per Mai +1,0% nach +0,7% im Jahresvergleich (JV)
  • Kredite an Privatsektor per Mai -1,4% nach zuvor -1,6% (JV)
  • Vorläufige Verbraucherpreise per Juni +0,5% nach +0,5% (JV)

USA:

  • Anhängige Hausverkäufe per Mai +6,1% im Monatsvergleich

Welt:

  • Moody’s Business Confidence per 27. Juni 36,5 nach 33,2 Punkten

Keine Sorgen an der Konjunkturfront!

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Nachhaltige Trendsignale sind derzeit unausgeprägt.

Viel Erfolg!


Status USA bezüglich Qualität:

USA Rückblick 2013:

  • Input: Neuverschuldung circa 7,3 % des BIP
  • QE in Höhe von 6,0 % des BIP = 13,3 % des BIP
  • Output: BIP-Wachstum circa 2 % des BIP


Dazu IWF: Wachstum gegen Neuverschuldung

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Divergenz Absatz neuer US-Wohnimmobilien zu Hypothekenanträgen:

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Privatverschuldung gegenüber Beschäftigung

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Das sollte genügend "Food for thought" sein.


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank



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