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EZB drückt aufs Gaspedal - US-Konjunktur positiv

06.10.2014  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.2522 (07.56 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.2501 im Europa- Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109.54. In der Folge notiert EUR-JPY bei 137.12. EUR-CHF oszilliert bei 1.2110.

Mario Draghi verwunderte am Donnerstag nicht mit seiner Ankündigung so genannte ABS/verbriefte Kreditforderungen und gedeckte Schuldverschreibungen zu kaufen. Die Details zu dem Kaufprogramm, das ab Mitte Oktober aufgenommen werden soll, wirbelten die Märkte durcheinander. Das Programm wird sich auf einen Zeitraum von 2 Jahre erstrecken. Es sollen auch Papiere aus Staaten mit schlechter Ratingnote (unterhalb BBB-) angekauft werden. Damit können Banken aus Griechenland und Zypern hoffen, dass die EZB ihnen Papiere abnimmt. Draghi skizziert das mögliche Volumen auf 1 Bio. Euro.

Durch die Käufe wird die EZB ihre Bilanz aufblähen. Bisher hat sie sich deutlich restriktiver gezeigt als die anderen großen Notenbanken. Die Zeit der Zurückhaltung ist aber schon länger vorbei. Nun testet die Notenbank die Grenzen ihres Mandats. Die Kritik ist nicht zu überhören. Auch die Nebenzeile, die schon fast in jedes Statement von Draghi gehört, dass man zur Not auch weitere unkonventionelle Maßnahmen ergreifen wird, ist wieder vertreten und lässt erwarten, dass das Kaufprogramm angepasst wird, falls die gewünschten Erfolge ausbleiben. In letzter Instanz bleibt so die Hoffnung bestehen, dass die EZB auch noch zum Ankauf von Staatsanleihen greifen wird. Davon ist aber nicht vor Jahreswechsel auszugehen.

Während die EZB auf das Gaspedal drückt, werden die Erwartungen an die FED inzwischen deutlicher. Die Zahlen aus der Wirtschaft bestätigen die sich ausweitende Divergenz. Diskontiert wird die Entwicklung im Wechselkurs, der sich an unserem Feiertag auf die Unterseite von 1,2500 entwickelte, dort aber erst einmal einen Boden bilden konnte.

Das positive konjunkturelle Bild in den USA wurde - trotz teils kleiner Rücksetzer gegenüber dem Vormonat - bestätigt.

Auch die wichtigen ISM-Indizes zeigten eine Konsolidierung auf erhöhtem Niveau. Die US-Dienstleister haben etwas abgebaut (-1,0 Punkte) auf 58,6 Zähler. Positive Beimusik war die Nachricht, dass die Dienstleister derzeit so viel Personal einstellen wie zuletzt im August 2005.

Das Bild der Dienstleister zeigt damit eine sehr ähnliche Entwicklung wie der Sektor des verarbeitenden Gewerbes:

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Obwohl die Auftragseingänge in der Industrie sehr schwach ausfielen, ist hier kein Unfall festzustellen. Der Augustwert lag um 10,1 Prozent unter dem Vormonat, wo die Bestellungen aus dem volatilen Flugzeugsektor die Bestellungen auf 10,5 Prozent anschwellen ließen. Wie der Chart verdeutlicht, wurde nun die deutliche Ausweitung aus dem Vormonat lediglich zu einem großen Teil wieder abgebaut. Unter dem Strich bleibt in dem Sektor die gute Entwicklung seit Beginn dieses Jahres hiervon unangetastet.

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Die US-Handelsbilanz fiel mit -40,1 Mrd. USD etwas niedriger aus als im Vormonat. Verantwortlich waren die Exporte, die um +0,2 Prozent stiegen, während die Importe um nur 0,1 Prozent zulegten. Das Defizit in der Handelsbilanz ist schon fast traditionell negativ.

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Abgerundet haben die US-Arbeitsmarktdaten am Donnerstag und Freitag das Bild, das der Arbeitsmarkt bereits seit Wochen zeichnet. Die Anzahl der neu geschaffenen Stellen passt und entwickelt sich in bemerkenswerter Geschwindigkeit hin zu dem von der FED ausgegebenen Zielmarke von 5,5 Prozent. Mehr als Wasser im Wein ist aber die fehlende Qualität der neuen Jobs. In der Krise sind qualitativ hochwertige Jobs verloren gegangen, bei dem Aufbau entstehen in großer Zahl Halbtagsjobs sowie Anstellungen als Selbstständige.

Die Nachfrage nach Lebensmittelmarken bleibt weiterhin - trotz des Jobaufbaus - ungebrochen hoch, weil die Einkommen in der Vergangenheit stetig gesunken sind. Nur noch 62,7 Prozent der Bürger haben einen Job oder suchen einen. Eine solch geringe „Partizipationsrate“ gab es zuletzt in 1978.

In der vergangenen Woche gab es 287.000 neue Anträge auf Arbeitslosenhilfe, was den Schnitt der letzten 4 Wochen auf den niedrigsten Stand (294.750) seit Ende der Krise abbildet.

Weitere Phantasien in Richtung Zinsnormalisierung lieferte der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Der offizielle Stellenaufbau (NFP) lag mit 248.000 neuen Jobs deutlich über der Prognose von 210.000. Die tags zuvor veröffentlichten Daten auf Basis der privaten ADP-Agentur lieferten mit 213.000 neuen Jobs ein etwas vorsichtigeres Bild, aber zeigten wieder einmal ihre genaue Prognosekraft. Ebenfalls unterstützend wirkte die Revision des Vormonats, die mit +47.000 sehr deutliche Akzente setzte.

Vor diesem Hintergrund ist es auch nicht verwunderlich, dass die Arbeitslosenrate dann unvermittelt auf 5,9 Prozent von 6,1 Prozent fiel. Im Vorfeld wurde angesichts der schwächer erwarteten Entwicklung bei den neu geschaffenen Stellen eine stabile Rate prognostiziert. Die Arbeitslosenrate ist damit auf ein 6-Jarhres-Tief seit Juli 2008 gefallen. Im September 2008 brach die Investmentbank Lehman zusammen.

Neu geschaffene Stellen / NFP:

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Weiterhin ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Erst ein Überschreiten des Widerstandsniveaus bei 1.3120-50 dreht den Bias auf "Neutral".

Viel Erfolg!


© Moritz Westerheide
Bremer Landesbank



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