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Gewaltige Umbrüche in der Welt der Finanzen

12.10.2014  |  Manfred Gburek
Die Zeit großer Umbrüche an den Finanzmärkten hat begonnen. Besonders deutlich zeigt sich das an der deutschen Börse, die am Freitag regelrecht abgeschmiert ist, wie Börsianer zu sagen pflegen. Das war absehbar und deshalb hier schon mehrfach ein Thema. Dazu gleich eine aktuelle Warnung: Lassen Sie sich nicht zu übereilten Käufen deutscher Aktien hinreißen, blosß weil sie gefallen sind! Die Zeit für Käufe ist noch nicht reif, weil die Konjunktur - zumal der deutsche Export - Sorgen bereitet. Die Warnung gilt auch für deutsche Aktienfonds, falls es sich nicht um langfristig angelegte Aktiensparpläne handelt.

Nun zu einem umfassenderen Aspekt. Es gibt Zeiten, in denen das Thema Geld eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint. Stattdessen wird über die anstehende Bankenunion so debattiert, als hänge von ihr das Wohl und Wehe zumindest der halben Welt ab. Dabei wird am 4. November nur die Bankenaufsicht auf die EZB übertragen; ob dann gleich eine Union herauskommt, bleibt zweifelhaft. Denn unser Geldsystem ist viel zu marode und viele Banken sind noch viel zu wackelig, als dass die Verlagerung der Bankenaufsicht etwas Substanzielles bewirken könnte. Nehmen wir nur die Erträge der deutschen Banken im vergangenen Jahr: Zinsüberschuss mit minus 5,9 Milliarden auf 86,4 Milliarden Euro rückläufig, Handelsergebnis mit minus 1,3 Milliarden auf 5,9 Milliarden ebenso. Größte Verlierer: die Großbanken.

Hier findet seit Beginn der Finanzkrise ein gewaltiger Umbruch statt. Er wird noch viel weiter gehen. Der Zinsüberschuss als wichtigste Ertragsquelle droht im Zuge der Zinsentwicklung um die Nulllinie weiter zu schrumpfen, das direkte Kreditgeschäft wird wegen der immer schwächer werdenden deutschen Konjunktur leiden, die alternativen Unternehmensanleihen werden wegen zunehmender Insolvenzen weiter im Wochenrhythmus wegbrechen, und ausgerechnet im etablierten Zahlungsverkehr bieten deutsche Banken und Sparkassen den Daten sammelnden Angreifern aus dem Ausland, wie PayPal, Applepay und Alipay, eine breite offene Flanke.

Thomas Mayer, ein allseits anerkannter Volkswirt der alten Schule und aktuell mit der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch verbunden, hielt neulich eine Rede, die es in sich hatte. Was er zu den Banken sagte, war heftig: Er verglich sie mit Atommeilern und setzte noch einen drauf: "In unserem Papiergeldsystem vergeben die Banken Kredite, die durch nichts gedeckt sind." Sein Zwischenfazit: "Es ist allerhöchste Zeit, sich Gedanken über ein neues Geldsystem zu machen."

Die Antwort auf die Frage, wie es aussehen soll, bleibt Mayer zwar nicht schuldig, aber er beschränkt sich weitgehend auf den Vorschlag, das Geldsystem auf Aktivgeld umzustellen. Darunter versteht er vor allem Geld, dem die Bürger vertrauen, zum Beispiel Gold, aber möglicherweise auch elektronisches Geld. Sein abschließendes Fazit hat es dann in sich: "Die Politiker, Zentralbanker und Mainstream-Ökonomen verabreichen den Menschen Beruhigungspillen. Alternative Denkansätze werden als Ammenmärchen und Sektierertum abgetan." Wie gut, dass es goldseiten.de gibt, wo solche Denkansätze immer wieder zu finden sind.

In den USA ticken die Uhren anders als in Europa. Dort wird zwar auch viel über ein neues Geldsystem diskutiert, aber dann steht fast immer der Dollar im Mittelpunkt, etwa ob man ihn derzeit weiter nach oben hieven oder ob man ihn fallen lassen sollte. Wenn daraufhin die Medien, wie in der abgelaufenen Woche, über die Protokolle der Notenbank Fed berichten, geht es fast ausschließlich darum, ob die Zinsen noch länger unten bleiben sollen oder nicht. Was dahintersteckt, bleibt für das breite Publikum in der Regel verborgen, nämlich die zunehmende Uneinigkeit unter den Mitgliedern des maßgebenden Federal Open Market Committee. Einige von ihnen haben längst eine andere Geldpolitik und damit ein neues Geldsystem angemahnt.

Wenn gravierende Systemänderungen zur Debatte stehen, mischen natürlich auch Unternehmen kräftig mit. Das markanteste Beispiel ist das Internet. Es führt dazu, dass den Banken der Zahlungsverkehr wegzubrechen droht (siehe oben), dass der Einzelhandel auf den Kopf gestellt wird, dass Telekomkonzerne fallende Gewinnmargen in Kauf nehmen müssen und dass Daten in falsche Hände geraten. Würde man ins Detail gehen, ließe sich die Aufzählung beliebig verlängern.

Anlass genug, noch ein wenig auf die Internetwirtschaft unter dem Aspekt der Geldanlage einzugehen. Die folgenden zehn Aktien sollten Sie sich merken: Alibaba, Amazon, Apple, Ebay, Baidu, Facebook, Google, Softbank, Tencent und Yahoo. Die amerikanische Dominanz ist hier beachtlich. Außer Alibaba (China), Baidu (China), Softbank (Japan) und Tencent (China) kommen die führenden Internetkonzerne aus den USA. Wobei die eine oder andere Verflechtung die Sache noch spannender macht. So haben Softbank und Yahoo als Alibaba-Großaktionäre vom Börsengang des chinesischen Konzerns profitiert; und als man Alibaba in Hongkong wegen einiger unklarer Formalitäten nicht haben wollte, riss kurzerhand New York den Börsengang an sich.

Dass die Aktienkurse des deutschen Softwarekonzerns SAP raketenartig nach oben schossen, liegt drei Jahrzehnte zurück. Die Hausse der Technologieaktien in den 90er Jahren machte SAP noch mit, danach war Schluss. Heute ist der Konzernchef Chef ein Amerikaner. Und was machen deutsche Medienkonzerne? Sie holen sich mühsam Know-how aus Amerika, von dort, wo sich die Zentralen der US-Internetriesen befinden. Das passt dazu, dass zuletzt deutsche Konzerne wie Bayer, Merck und Siemens einen Schwerpunkt ihrer Investitionen in die USA verlagert haben.

Die Geschäftsmodelle der amerikanischen und der anderen erwähnten Internetkonzerne sind nichts für schwache Anlegernerven. Unternehmertypen wie Jeff Bezos (Amazon) oder Jack Ma (Alibaba) handeln nach dem Motto: Stillstand ist Rückschritt. Folglich kommt das verdiente Geld Investitionen und Innovationen zugute. Der Ertrag der Aktionäre besteht dann nicht aus Dividenden, sondern aus Kursgewinnen, sofern sie realisiert werden. Bisher haben die Geschäftsmodelle und damit die Aktien, von temporären Rücksetzern abgesehen, funktioniert.

Dabei dürfte es zwar bleiben, aber die Nervosität unter den Aktionären nimmt seit einigen Wochen deutlich zu - und damit die Volatilität, also die Intensität der Kursschwankungen. Alles in allem Grund genug, die zehn genannten Aktien auf die Beobachtungsliste zu setzen und seelenruhig abzuwarten, bis ihre Kurse im Zuge einer auch in Amerika zu erwartenden allgemeinen Börsenschwäche ein interessantes Kaufniveau erreicht haben. Am Freitag haben die Kurse an der US-Börse Nasdaq ja schon entsprechende Signale ausgesendet.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu

Herr Gburek ist Fachjournalist und Buchautor. Seine letzten Werke waren: "Das Goldbuch" (2005), das Wörterbuch "Geld und Gold klipp und klar von A bis Z" (2007) und "Die 382 dümmsten Sprüche der Banker" (2008).





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