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Bettina Röhl und das Gold

26.10.2014  |  Manfred Gburek
Zuletzt sorgte ein Beitrag von Bettina Röhl in der Online-Ausgabe der Wirtschaftswoche gehörig für Aufregung, besonders unter Goldanlegern. Titel: "Gold ist die Geldanlage von gestern". Mich hat er nicht aufgeregt, eher im Gegenteil. Denn ich kann mich noch gut an eine Unzahl von Artikeln nach der Jahrtausendwende erinnern, bevor der Goldpreis innerhalb von zehn Jahren auf mehr als das Siebenfache stieg (gemessen in US-Dollar, wie international üblich). Solche Artikel haben sich als Kontra-Indikatoren bewährt. Hier folgen zunächst chronologisch Beispiele mit den für die Zeit kurz nach Erreichen der Tiefstpreise typischen Überschriften in einigen führenden Zeitungen und Zeitschriften (heute würde man sie als Mainstream-Medien bezeichnen):

  • Gold als "sicherer Hafen" gilt nur als Wunschdenken (FAZ, 20.04.2001)
  • Glanzloser Mythos (Bilanz 9/2001)
  • Goldoptimisten droht Bullenfalle (Börsen-Zeitung, 07.09.2001)
  • Am Golde hängt nichts mehr (FAZ, 22.09.2001)
  • Gold verliert seinen Nimbus als sicherer Hafen (FTD, 12.10.2001
  • Enttäuschende Gold-Auktion drückt Preise (FTD, 21.01.2002)
  • Der Mythos Gold verblasst (Bilanz 2/2002)
  • Die Bewährungsprobe steht dem Gold noch bevor (Finanz und Wirtschaft, 09.02.2002)
  • Ohne Glanz (Finanztest 3/2002)
  • Der Goldrausch birgt für die Anleger Tücken (Die Welt, 28.03.2003)
  • Auf dem Goldmarkt zeichnet sich ein Preisverfall ab (FAZ, 12.06.2003)
  • Gold glänzt nur noch matt (Börsen-Zeitung, 07.10.2003)
  • Gold-Anlegern drohen herbe Verluste (FTD, 23.02.2004)


Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Auch andere Zeitungen und Zeitschriften lagen in der fraglichen Zeit schief. Dennoch: Was auffällt, sind die häufigen negativen Überschriften in FTD (Financial Times Deutschland, inzwischen eingestellt) und FAZ (vom ehemaligen FAZ-Redakteur Udo Ulfkotte in seinem neuesten Buch schwer angegriffen), auch wenn die jeweils dazu passenden Artikel in einigen Fällen eher ausgewogen waren. Einfach nur Gedankenlosigkeit der für Überschriften zuständigen Redakteure? Oder Absicht mit dem Ziel, "political correctness" im Sinn des auf beliebig vermehrbarem Papiergeld beruhenden Finanzsystems zu demonstrieren? Auf jeden Fall Stoff zum Nachdenken.

Bettina Röhl argumentiert, "in den immer komplexer und immer globaler werdenden Wirtschaftskreisläufen" gebe es eine schier unendliche Zahl von Wertgegenständen, werthaltigen Rechten und "höchst fiktiven Finanzprodukten, in die investiert wird, obwohl es vielleicht besser unterbleiben sollte", um daraus das Fazit zu ziehen: "Für Gold ist kein Raum mehr in diesem ökonomischen Geschehen." Da drängt sich die Frage auf, ob es nicht doch besser wäre, anstelle von Gold erst lieber die höchst fiktiven Finanzprodukte abzuschaffen.

Vorschläge zur alternativen Verwendung von Gold bis zu seiner Abschaffung gibt es zuhauf. Besonders originell in dieser Disziplin war der umtriebige Professor Bert Rürup, Namensgeber für die Rürup-Rente, als er 1993 vorschlug, Erlöse aus dem Gold der Bundesbank „lieber in Form von ostdeutschen Straßen, Flughäfen oder sanierten Städten als in Hochhäusern in Palermo“ anzulegen. Sogar der ehemalige Bundesbank-Präsident Ernst Welteke fiel 2002 mit dem nicht minder originellen Vorschlag auf, Gold in Wertpapiere umzuwandeln. Solche Gedankenspiele sind in der Regel üblich, wenn entweder der Goldpreis ein relativ niedriges Niveau erreicht hat oder wenn es sonst nichts zu berichten gibt.

Ein letztes Mal zurück zu Bettina Röhl, weil sie so herrlich realitätsfern formulieren kann: „Gold muss entzaubert werden, um, wie gesagt, den Gold-Spekulanten den Boden zu entziehen.“ Abrakadabra, die Jahrtausende alte Wertschätzung des Edelmetalls in allen fünf Kontinenten mal eben außer Kraft setzen, um die bösen Spekulanten endlich zur Räson zu bringen - eine wirklich originelle Kausalität.

Es gibt indes noch andere Geldthemen, die gerade jetzt nicht minder Ihre Aufmerksamkeit verdienen. Eines, das der breiten Öffentlichkeit kaum bewusst ist, besteht in der gefährlichen Abhängigkeit deutscher Konzerne vom Ausland zunächst bezüglich ihres Aktienkapitals: Deutsche Anleger, institutionelle (zum Beispiel Fonds und Banken) mehr als private, besitzen nur gut 36 Prozent der im Dax enthaltenen Aktien. Falls Sie sich fragen, was daran so schlimm sei, sollten Sie die Kurve der Dax-Entwicklung mit den Kurven amerikanischer Aktienindizes vergleichen, wie Dow Jones oder S&P 500. Schon beim ersten Blick wird Ihnen dann auffallen, dass der Dax hinterherhinkt. Das heißt, Ausländer trennen sich von Dax-Aktien, und deutsche Anleger können dem zu wenig entgegensetzen.

Das Ganze hat noch einen speziellen Effekt: Das EU-Ausland ohne Deutschland kommt mit fast 34 Prozent Besitz an Dax-Aktien nahe an die Quote deutscher Anleger heran - ausgerechnet das EU-Ausland, dem es überwiegend schlechter geht als Deutschland. Es verkauft Aktien, um die Erlöse daraus in der Heimat für Investitionen und noch mehr zur Linderung der Armut einzusetzen. Wenn also der Dax seit geraumer Zeit relative Schwäche im Vergleich zu amerikanischen Aktienindizes zeigt, ist das nicht allein auf die im Vergleich zu den USA schlechtere deutsche Konjunktur zurückzuführen, sondern auch auf die noch schlechtere europäische außerhalb Deutschlands.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Aspekt: Laut Bundesbank besitzen deutsche Versicherer nur 0,5 Prozent der Dax-Aktien; das Gros ihrer Anlagen besteht aus festverzinslichen Wertpapieren aller Art. Jetzt haben sie nichts zuzusetzen: Erlöse aus Aktienverkäufen entsprächen dem sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein, auslaufende hochverzinsliche Wertpapiere müssen durch extrem niedrigverzinsliche ersetzt werden, und Alternativen wie direkte Immobilienanlagen oder die Finanzierung von Infrastruktur-Investitionen spielen in den Portfolios der Versicherer nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle.

Deutsche Konzerne wie Siemens, BASF, Bayer, Merck und SAP haben zuletzt mit ihren Investitionsvorhaben in den USA für Schlagzeilen gesorgt. Deutsches Kapital wird also dorthin fließen, wo es höhere Renditen zu generieren verspricht. Diese Umbruchphase fällt in eine Zeit, in der amerikanische Internetkonzerne wie Apple, Google, Amazon oder Facebook neben chinesischen wie Alibaba, Baidu oder Tencent auf Big Data setzen, die Dominanz von Milliarden an Daten, die abwechselnd dem Zahlungsverkehr, dem Handel oder der Industriespionage dienen können.

Deutschland wird versuchen, dieser Entwicklung die vierte industrielle Revolution mithilfe der Digitalisierung entgegenzusetzen, bekannt unter dem Schlagwort Industrie 4.0. Bis dieser Versuch erfolgreich ist, werden deutsche Unternehmen eine weitere Abhängigkeit vom Ausland zu spüren bekommen, die von den dominierenden amerikanischen Internetkonzernen. Von daher gesehen, haben Sie als Anleger noch viel Zeit, deutsche Aktien erst einmal in aller Ruhe zu beobachten, ohne sie zu kaufen.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu

Anmerkung Redaktion: Herr Gburek ist Moderator auf der diesjährigen Internationalen Edelmetall- und Rohstoffmesse, die am 7. & 8. November in München stattfindet.



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