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Im Gespräch mit Alan Greenspan: Gold, Wirtschaftstheorie und Wirklichkeit

12.11.2014  |  The Gold Report
Als Dr. Alan Greenspan Chef der US Federal Reserve wurde, verließ er die Welt der rhetorischen Ökonomie und stieg in die Welt des Machens und der Taten ein. In seinen jüngst erschienenen Memoiren "The Map and Territory 2.0: Risk "Human Nature, and the Future of Forecasting“ versucht der ehemalige Zentralbankenchef, den Ursachen der Finanzkrise von 2008 auf den Grund zu gehen und Vorschläge zu unterbreiten, wie wir in Zukunft besser Krisen vorhersagen können; Thema ist auch die Rolle des Goldes im globalen Geldsystem.

Es folgt ein Auszug aus Greenspans Auftritt auf der New Orleans Investment Conference - zusammen mit Finanzautor Gary Alexander von Navellier & Associates, dem Herausgeber des Gloom, Boom & Doom Report Marc Faber sowie dem Gründer von Stansberry & Associates Investment Research, Porter Stansberry. Den GoldReport interessierten hierbei die Funktion des Goldes und die Funktion des Fiat-Geldes und die Fragen, warum Zentralbanken so viel Gold besitzen, wenn es tatsächlich “ein barbarisches Relikt“ ist, und warum China aktuell so viel Gold kauft?



Gary Alexander: Mit Blick auf Ihren Amtsantritt als Vorsitzender der Federal Reserve schrieben Sie, Sie hätten die Welt der theoretischen Wirtschaftsphilosophie verlassen und den Bereich der Taten betreten; sie seien aus der Rolle des am Rande stehenden Pamphletschreibers herausgetreten und hätten begonnen, aktiv mitzubestimmen.

Inwieweit war Ihre Umgebung damals von Ihrer Beschäftigung mit den Lehren des ‘Objektivismus‘ aus der Zeit mit Ayn Rand und von Ihrem Glauben an den Goldstandard beeinflusst? Wie haben Sie die Leute um Sie herum davon überzeugt, die Dinge auf Ihre Art und Weise zu betrachten? Oder hatten Sie das Gefühl, dass am Ende Sie deutlich kompromissbereiter sein mussten?


Alan Greenspan: Als ich damals einen Aufsatz darüber schrieb, dass Landwirtschaftssubventionen den Landwirten langfristig betrachtet nichts bringen, brachten mir zwei republikanische Senatoren aus Nebraska bei, dass es im politischen Umfeld wohl eher darum gehe, die eigenen Werte so gut wie möglich durchzusetzen. Ich habe nie meine grundlegenden Ansichten geändert, weil diese rational waren. Präsident Ronald Reagan meinte dazu, dass man außer bei seinen grundlegenden Überzeugungen, die verfassungsrechtlich geschützt seien, manchmal Kompromisse machen müsse. Wir lernten, die Welt Stück für Stück zu verändern.


Gary Alexander: Als im August 1987 ihr Amt antraten, stand der Goldpreis - an Ihrem ersten Amtstag - bei 460 $ pro Unze. Seinen vorläufigen Höchststand erreichte er dann im Dezember 1987. In den folgenden 12 Jahren halbierte er sich, im August 1999 lag er bei 252 $/ oz. Viele sind der Überzeugung, dass die Fed zu dieser Zeit Gold verkauft haben muss, um den Goldpreis irgendwie nach unten zu drücken. Ist tatsächlich etwas Derartiges geschehen?

Alan Greenspan: Nein. Einige Zentralbanken zählten im betreffenden Zeitraum zu den großen Goldverkäufern. Diese Entwicklung hatte uns große Sorgen gemacht. Hätten alle Zentralbanken gleichzeitig Gold verkauft, wäre der Preis wirklich stark gefallen. Also wurde ein Verteilungsprogramm aufgesetzt - das manche auch Kartell nannten, ein System, in dem den verschiedenen Zentralbanken Quoten zugewiesen wurden, wieviel sie in einer bestimmten Zeit verkaufen konnten. Die Vereinigten Staaten hatten sich aus dieser Gruppe herausgehalten.

In meinem neuen Buch schreibe ich auch über die Funktion des Goldes und darüber, warum die USA nicht ihr gesamtes Gold verkaufen. Wenn es ein barbarisches Relikt wäre, wenn es keine Zinserträge abwirft und aufgrund der Lagerung nur Geld kostet, warum sollten die Zentralbanken dann so große Goldmengen halten?


Gary Alexander: Genau diese Frage wollte ich Ihnen gerade stellen. Ron Paul fragte Ben Bernanke, als der zu einer Stellungnahme in Kongress anwesend war, die simple, aus nur drei Worten bestehende Frage: “Ist Gold Geld?“ Darauf bekam er eine Antwort, die aus einem Wort bestand: “Nein“. Was denken Sie?

Alan Greenspan: Natürlich ist es Währung. Gold, und mit Abstrichen Silber, sind die einzigen großen Währungen, die keine Kreditgarantie einer Drittpartei benötigen. Gold ist tief im menschlichen Wesen verwurzelt. Gold ist es etwas Besonderes. Seit mehr als zwei Jahrtausenden hat Gold bei der Abgeltung von Verpflichtungen buchstäblich unhinterfragte Akzeptanz genossen. Man erinnere sich, das Deutschland gegen Ende des Zweiten Weltkriegs überhaupt nur noch Güter gegen Goldzahlung einführen konnte.

China beginnt gerade, einen Teil seiner 4 Billionen $ schweren Devisenreserve in Gold zu konvertieren, um sich gegenüber dem Dollar zu diversifizieren. Ob der Yuan nun goldkonvertibel sein wird oder nicht, der Status der chinesischen Währung könnte im heutigen flexiblen, internationalen Fiat-Finanzsystem unerwartet stark werden. Es wäre sicherlich gewagt, würde China jetzt versuchen, die Vereinigten Staaten durch physische Goldakquise als den größten Halter monetären Goldes, wir sprechen von Beständen im Wert von 328 Mrd. $, zu deplatzieren. Falls China hier falsch liegen sollte, wären die Kosten - hinsichtlich der entgangenen Zinsen und der Lagerkosten - eher moderat.

Falls China eine Goldakquise im großen Stil vorantreibt, werden die globalen Goldpreise steigen, allerdings nur in der Ankaufphase.


Gary Alexander: In Ihrem Buch schreiben Sie auch, dass Sie immer an das theoretische Konzept des Goldstandards glauben, obgleich der Goldstandard nicht praktisch gewesen sei.

Alan Greenspan: Aktuell steht eine Rückkehr zu irgendeiner Form des Goldstandards bei niemandem auf einer greifbaren Agenda.


Gary Alexander: Die US Fed gibt es jetzt seit ca. 100 Jahren. Würden Sie die Fed mit Blick auf die letzten 100 Jahre als erfolgreiche Hüterin des Dollarwertes bezeichnen?

Alan Greenspan: Sie wissen doch, die Fed macht das, was der Kongress von ihr verlangt. Als die Fed ihre Arbeit aufnahm, war die US-Währung noch an den Goldstandard gebunden. Die Schaffung der Fed war zum großen Teil durch die Notwenigkeit einer Refinanzierungsinstanz für den Notfalldeshalb motiviert - hier in Reaktion auf die Panik von 1907.




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