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Folgen des unvermeidlichen Zinsanstiegs für Bonds

06.02.2015  |  Dr. Dietmar Siebholz
Nachhilfe in Logik: - Zu erwartende Zinssteigerungen für Staatsanleihen - was erwartet die Bürger? Extreme Steuerhöhungen, Konfiskationen oder unbegrenztes Gelddrucken?

Ich muss zugeben, manchmal ist die extreme Beschäftigung mit den vielen Daten, die uns als Fakten bedrängen, hinderlich, die realen Gefahren und Relationen zu erkennen. Das muss ich vorausschicken, um den Schock zu erklären, der mich erschütterte, als ich mit einem Bankspezialisten kürzlich hier in einer Hotelrezeption in Panama-City das allgemeine Szenario und speziell die Risiken, die uns aus den so zahlreichen vermeintlichen schwarzen Schwänen drohen, diskutierte. (Nur zur generellen Information: Mit "schwarzen Schwänen" werden Ereignisse und extreme Veränderungen bezeichnet, die völlig überraschend und unvorhersehbar Einfluss auf politische und wirtschaftliche Abläufe nehmen).

Meine persönliche Meinung dazu ist: Mit der Definition des Ausnahmebegriffs "schwarze Schwäne" wollen sich die Verantwortlichen für die Fehlentwicklungen ein Entschuldigungspotential schaffen, aber die vermeintlichen schwarzen Schwäne sind aber keine, denn die meisten von ihnen konnte man mit seriöser Analyse schon vor Jahren definieren. Sie sind nämlich kein überraschender Tsunami, sondern klare und zerstörerische Fakten, die man bislang nur geleugnet hat, z.B. Überschuldung, demografische Fehlentwicklungen, Zinsmanipulationen á la LIBOR, von außen oktruiertes Vasallentum etc ...

Mein Gesprächspartner brachte in unsere Fachdiskussion um den Zeitpunkt, wann sich die an sich schon extrem gefährliche Gemengelage in der Finanz und Wirtschaftswelt zu einem unbeherrschbaren Flächenbrand entzünden könnte, einen neuen Gedanken ein, den ich bisher nicht im Fokus und ehrlich gesagt, so nicht durchdacht hatte.

Er fragte mich nämlich, ob mir klar sei, wie sich künftige Erhöhungen des allgemeinen Zinsniveaus für Staatsanleihen auf das Budget eines Landes auswirken werden und mit welcher Relation diese künftigen zusätzlichen Zinsbelastungen zu den erwarteten Steuereinnahmen ständen. Dann legte er mir folgende Werte vor, die aus der Realität gegriffen sind, hierzu beispielshaft die Eckdaten der USA. Er erklärte aber dazu, dass diese Relationen mit unterschiedlichen Hebeln (aber alle dieser Hebel sind letztendlich letal) in ähnlicher Weise für fast alle Volkswirtschaften der Welt gelten.

Er stellte folgende Fakten am Beispiel der USA in die Kalkulation ein:

  • 1. Staatsverschuldung (USA) derzeit 18 Billionen US-$

  • 2. Haushaltsvolumen (USA) für 2014 geschätzt 3,5 Billionen US-$

  • 3. Da dieser Haushalt nur durch 2,8 Bill. $ Steuereinnahmen gedeckt war, hätte ein Ausgleich erst dann geschehen können, wenn die Steuereinnahmen generell um 25% erhöht oder das Budget um 20% reduziert würde. Bei der folgenden Berechnung haben wir aber dennoch diesen negativen Zusatzeffekt außen vor gelassen.

  • 4. Angenommen, die Zinsen würden von einem Durchschnittszinssatz für US-Staatsanleihen von geschätzt 3,0% auf 4,5% (also unterhalb des 25-jährigen Durchschnittszinssatzes für US-Staatsanleihen) steigen, dann stiege der Zinsaufwand im Budget um 270 Mrd. US-Dollar (also um 50%) gegenüber dem bisherigen Ansatz bzw. um knapp 10% der gesamten Steuereinnahmen an.

  • 5. Wenn der US-Haushalt ausgeglichen sein sollte, müssten die Steuern auf der Basis der zuletzt bekannten Werte von 2013 um mehr als 35% steigen. Wenn er nicht ausgeglichen sein sollte, dann lediglich um 10% aber mit der Garantie, dass dann auf die erhöhte Schuldensumme künftig Zinsen zu zahlen sind. Somit wird der ohnehin extrem negative Zinseszinseffekt nochmals potenziert.

  • 6. Wird der US-Bundeshaushalt aber nur durch neue Schuldaufnahmen ausgeglichen werden (was naheliegt), dann ergibt sich ein weiterer negativer Dynamisierungs-faktor, der sich entweder als Zwang zu einer wesentlich höheren Neuverschuldung oder zu erheblichen Steuererhöhungen auswirkt.

Eine Steuererhöhung von 35% zur Deckung von Haushalsdefiziten und Zinskostenanstieg ist in unserem System aber nicht vorstellbar, solange noch Niederlassungsfreiheit und freie Kapitalmärkte nicht nur leere Worthülsen sind. Unmittelbar nach Bekanntgabe solcher exzessiven Steuerlasten würden Firmen und Bürger mit Maßnahmen antworten, die nur noch zu einer neuen Maßnahmen-Eskalation durch die Regierungen führen können. Solange die Globalisierung zumindest im Kapitaltransfer nicht durch gegenläufige Maßnahmen verhindert wird, dürfte diese Reaktion der Politik - wie man so schön sagt - nach hinten losgehen.

Der von mir geschätzte Herr Clemens Schmale hat hierzu kürzlich eine interessante Studie vorgelegt. Um es kurz zu machen. Er sagt mit belegten Zahlen, dass die USA (als Beispiel) durch die starke Zinsdrückung über QE-Maßnahmen (quantitative easing - welch herrliche sachfremde Umschreibung! So könnte man Krebs auch mit "unkontrollierbarem Wachstum" verharmlosen …) über die wesentlich reduzierten Zinssätze für Staatsanleihen Einspareffekte in unvorstellbaren Größenordnungen - für 2014 schätzt er diese auf ca. 670 Mrd. US-$ - genutzt hätten.

Damit wird auch ein Hinweis auf die Bedeutung der Zinsmanipulation gegeben; übersehen wird dabei, dass mit diesen Maßnahmen ein erheblicher Einfluss auf das Sparverhalten der Bürger genommen wird; wenn man bei Berücksichtigung realer Inflationswerte (also die von der Hausfrau gespürte und nicht die von Statistikern schöngerechnete) jährlich bis zu 3,0% seiner Kaufkraft verliert, wird eher darangehen, sein flüssiges Kapital in Sachwerte anzulegen oder höhere Risiken auf sich nehmen. Fehlendes Sparkapital aber reduziert das Kapitalangebot z.B. über Versorgungskassen, Versicherungen etc und steht dann den Staaten nicht mehr für deren weiteren Schuldenorgien zur Verfügung.

Die Ermittlung der detaillierten Risikopotentiale /also die Brisanz der Zinskostenexplosion bei aus Tiefstwerten steigenden Anleihezinsen) für einzelne Staaten gleicht dem Sysiphos-Prinzip, denn man müsste ja jede Anleihe nach deren Laufzeit, deren Zinsbedingungen und ggfl. nach den vereinbarten Kündigungssonderregelungen und in einer Sonderberechnung bewerten.

Das ist kaum möglich; hingewiesen sollte aber auf jeden Fall darauf, dass einige (vor allem südeuropäische Staaten) wegen der niedrigen kurzfristigen Zinsen ihre Kapitalbeschaffung vor allem im extrem kurzfristigen Bereich abgeschlossen haben. Sie verstoßen damit gegen eine Bankenregel, die ich vor mehr als 5o Jahren lernen durfte, nämlich langfristige Investitionen und Kosten nicht kurzfristig zu finanzieren.

Dieser Verstoß gegen allgemeine gültige Bankenregeln, der heute durch Derivatekonstruktionen verschleiert, aber nie ausgelöscht werden kann, hat in der Vergangenheit schon viel Opfer gekostet. Denn die beliebte Bankierslösung in Krisenfällen "aus kurz mach lang" hat sich noch nie dauerhaft durchsetzen können. Auch hier gilt, dass man eherne Gesetze nicht durch irgendwelche Gestaltungen wirkungslos machen kann.



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