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Euro-Absturz und Goldpreis

16.03.2015  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Seit Jahresanfang ist der Goldpreis in Euro gerechnet um 12 Prozent gestiegen. Gold ist eine "Schutzimpfung" gegen den Wertverfall des Euro.

Von April 2008 bis heute ist der Außenwert des Euro gegenüber dem US-Dollar um etwa 24 Prozent gefallen. Die Einheitswährung hat jedoch nicht nur gegenüber der Weltleitwährung deutlich an Wert verloren.

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Quelle: Thomson Financial. *Indexierte Serie, die erst ab 1993 verfügbar ist.


Der Euro hat auch merklich gegenüber allen anderen Handelspartnerwährungen an Wert verloren: Seit Anfang 2008 bis heute betrug die Euro-Abwertung hier etwa 18 Prozent.

Der Verfall des Euro-Außenwertes lässt sich durch eine Reihe von Gründen erklären. (1) Das Vertrauen in die Erholung der US-Wirtschaft hat zugenommen. Anleger interessieren sich wieder verstärkt für Anlagen im US-Dollar-Raum.

(2) Die US-Zentralbank stellt Zinserhöhungen in Aussicht. Angesichts einer lang anhaltenden Niedrig- oder gar Negativzinsphase im Euroraum erhöht vor allem das die Nachfrage nach US-Dollar.

(3) Die Europäische Zentralbank (EZB) ist auf eine "QE"“-Politik eingestiegen. Sie wird die Euro-Basisgeldmenge drastisch erhöhen, und allein das wird (weil das QE großvolumig ausfallen wird) den Euro-Außenwert unter Druck setzen.

(4) Die EZB wird vermutlich viele Euro-Zinssätze extrem herabdrücken, viele davon in den Negativbereich. Das wird vor allem institutionelle Anleger aus dem Euro vertreiben und in andere Währungen wechseln lassen.


Wirkung der QE-Politik für den Euro-Außenwert

Mit Beginn März 2015 kauft die EZB monatlich Wertpapiere in Höhe von 60 Mrd. Euro. Insgesamt soll dadurch die Euro-Basisgeldmenge um 1,14 Billionen Euro ausgeweitet werden. Welche Wirkungen davon kurzfristig auf den Außenwert des Euro daraus resultieren, lässt sich nicht verlässlich abschätzen.

Es könnte sein, dass die Umsetzung der QE-Politik die Sorgen vor einem Auseinanderbrechen des Euroraums vertreibt - und das würde den Außenwert des Euro begünstigen. Denkbar ist aber auch, dass das Ausweiten der Euro-Basisgeldmenge Fantasien weckt, dass es nachfolgend zu steigenden Preisen auf den Euro-Aktien- und -häusermärkten kommt. Dies wiederum könnte die Euro-Nachfrage des Auslandes erhöhen und Aufwertungsdruck auf die Einheitswährung ausüben.

Nimmt man hingegen eine längerfristige Perspektive ein, gibt es über die Wirkung der QE-Politik auf den EURUSD keine Zweifel: Der Euro-Außenwert wird nachgeben. Der Grund: Die EZB beginnt ihre QE-Politik in einem Umfeld, in dem die Renditen vieler Schuldpapiere bereits auf sehr niedrige Niveaus gefallen sind. Durch die Wertpapierkäufe der EZB werden die Renditen nun noch weiter fallen - und vielfach so-gar negativ werden.

Das wird so manche Sparer und Investoren aus dem Euro vertreiben, und zu Kapitalflucht führen. Die Nachfrage nach Auslandswährungen (wie vor allem US-Dollar) steigt relativ zur Nachfrage nach Euro - und das übt Abwertungsdruck auf den Außenwert der Einheitswährung aus.


Abwertungsstrudel

Doch nicht nur der Euro befindet sich auf Abwertungskurs gegenüber dem US-Dollar. Auch viele andere Währungen - wie Japanischer Yen, Britisches Pfund und Chinesischer Renminbi - geben gegenüber dem Greenback nach.

Wir hatten bereits darauf hingewiesen, dass eine ganze Reihe von Währungen unter Misstrauen leidet, und Sparer und Investoren sich aus diesem Grunde wieder verstärkt dem US-Dollar zuwenden.(1)

Der Euro könnte dabei unter besonders starken Abwärtsdruck geraten. Normalerweise steigen die Zinsen in dem Währungsraum, aus dem das Kapital flieht, und das dämpft die Abwertung der heimischen Währung gegenüber der Wäh-rung, in die das Kapital drängt.

Steigende heimische Zinsen wirken der Kapitalflucht entgegen und mildern den Abwertungsdruck auf den Außenwert der heimischen Währung. Wenn jedoch ein Zinsanstieg durch die EZB verhindert wird, entlädt sich die Kapitalflucht im Verfall des Wechselkurses.

Mit Blick auf eine andauernde extreme Tiefzinspolitik im Euroraum steht die Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro, die bereits gegen Ende 2012 eingesetzt hat, vermutlich erst noch am Anfang.



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