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Eine stille, aber machtvolle Änderung an den Welt-Goldmärkten

17.03.2015  |  Dr. Dietmar Siebholz
Ich erinnere an dieser Stelle an meine Betrachtung (in meinem Kommentar MM1018 vom Oktober 2004), als ich auf die Eckpunkte der chinesischen Strategie hinwies und meine Überzeugung, dass China sich einmal in der nicht mehr so fernen Zukunft anschicken wird, die USA total herauszufordern. Vieles ist tatsächlich, auch wenn mit zeitlicher Verzögerung, inzwischen eingetreten.

Die Präsentation der von China gehaltenen US-Staatsanleihen am Anleihenmarkt, also der Knock-Out-Schlag für die US-Staatsanleihen hatte ich damals erst für das Endstadium vorgesehen. Dabei bleibe ich auch heute, obwohl ich einen Massenverkauf durch China nicht mehr sehe. Sie werden andere Wege finden, ihren extrem profitablen Bestand an US-Staatsanleihen (damals noch mit hohen Zinsen ausgestattet) zu verwerten.

Ich meine, in der derzeit herrschenden Euphorie über den US-Dollar haben sie genug Chancen, im Markt kaum wahrnehmbar den Bestand an US-Titeln zu reduzieren und sich neue Anlageziele zu suchen. Dass China bei den an der Börse gehandelten Staatsanleihen der USA zusätzlich hohe Profite einfahren kann, wenn sie den Markt langsam verlassen, das dürfte die beste Möglichkeit für China sein.

Und mit ihrem Rückzug in den letzten Monaten bestätigt sich die Richtigkeit meiner Idee über deren Strategie. Sollten aber die Zinsen für die US-Titel in den nächsten Monaten stärker steigen, dann könnte China die nächste Stufe seiner US-Bond-Strategie durchführen. Immerhin können sie im ersten Stadium eines Zinsanstieges noch richtig hohe Kursgewinne aus dem Altbestand realisieren.

Und Chinas Haltung zu Edelmetallen? Damals in 2004 konnte ich mir nicht vorstellen, dass China derartig liberale Regeln für den chinesischen Edelmetallmarkt in Kraft setzen könnte.

Heute muss ich dies konstatieren, in keinem Land der Welt wird auch von Staats wegen so viel Werbung für die Anlagen in Edelmetallen gemacht und so ein freier Markt für Edelmetalle gehalten wie in China. Offenbar hat die kommunistische Staatsführung mehr Erfahrung mit der österreichischen Schule der Ökonomie, mehr und intensiver die Werke von Ludwig von Mises, Mr. Rothbart und Ayn Rand gelesen als alle unsere Volksvertreter. Schade, aber nicht zu ändern. Wir werden ja die Zeche bezahlen dürfen.

In den westlichen Medien ist nichts davon angekommen; man ist allgemein erstaunt über die physischen Metallkäufe aus Asien, ermittelt den Absatz von Gold in China wie gewohnt über die Importe aus/über Hongkong und übersieht dabei rein zufällig, dass sich China schon lange auf eine andere Strategie für die Edelmetallmärkte eingeschossen hat. Darüber und über die unvermeidlichen Folgen will ich Ihnen nun berichten.

Vorab dazu ein wenig Kritik und Anerkennung: Zur Kritik. Ich habe den aktuellen Stil des Journalismus immer schon als "Abschreibungsmodell" bezeichnet. Das Korrekte an dieser Interpretation war und ist, dass das Wort an sich schon negativ besetzt ist, weil es die oft unglücklichen Steuersparmodelle beschrieb.

Aber genauso unglücklich ist die Arbeitsweise der meisten Journalisten weltweit, die sich aus Agenturberichten ihre Meinung entwickeln, keine eigenen Recherchen anstellen oder ihre eigenen Meinungen in den Redaktionsstuben durchsetzen (können) und dann ihre Ergüsse als sorgfältig recherchiert präsentieren. Der Verfall der Absatzzahlen der Papiermedien zeigt, dass meine Meinung nicht falsch sein muss.

Wie sonst kann es möglich sein, dass eine Organisation wie das World Gold Council als Interessengemeinschaft der Gold-Industrie seit mehr als zwei Jahren die realen Platzierungswerte von physischem Gold in China so unprofessionell ermittelt und veröffentlicht? Haben die noch nicht festgestellt, dass China - nach der Erkenntnis, dass die Welt die realen Gold-Transfer-Zahlen an physischem Material aus den Veröffentlichungen der Statistikbehörde in Hongkong entnehmen konnte (was Peking sicherlich nicht gefiel, weil diese Werte einen Teil ihrer Strategie zu früh offenlegten) ganz einfach reagierte?

China öffnete neue Wege, physisches Gold ins Land zu holen; teilweise durch direkte Lieferkontrakte z.B. über Kasachstan, aber im Wesentlichen dadurch, dass sie eine stark aufsteigende Edelmetallbörse in Shanghai, dem früher größten Goldhandelsplatz der Welt, bevor die angloamerikanische Achse London/New York zum Tragen kam, förderten.

Und weiter: Die Höhe dieser Importe wird seitdem nicht mehr in China veröffentlicht. Die Edelmetallmengen, die nun über Shanghai oder auch über Peking ins Land kommen, stellen inzwischen die Mehrheit der Importmengen dar. Sich dann an den Importzahlen aus Hongkong zu orientieren, ist nett ausgedrückt "unprofessionell" und man stellt sich die Frage "cui bono"? Für wen auch sind diese falschen bzw. unvollständigen Zahlen eigentlich gedacht?





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