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James Turk: Souveränität weltweit bedroht

18.03.2015  |  James Turk
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Daily Bell: Yellen behauptet, sie werden die Zinssätze erhöhen, Sie sagen hingegen, Yellen werden das nicht tun. Bislang lagen Sie richtig. Wie konnten Sie das wissen?

James Turk: Die Fed kann die Zinssätze nicht erhöhen, weil die US-Regierung nicht die Mittel hat, einen fairen Zinssatz für ihren Schuldenberg zu bezahlen. Der hat sich inzwischen zu unglaublichen 18,1 Billionen aufgetürmt - und er wächst weiter. Ganz nützlich ist in diesem Zusammenhang ein Blick auf das Verhältnis zwischen aufgetürmten Schuldenlasten und den Jahreseinnahmen der US-Bundesregierung, die bei ungefähr 3 Billionen $ liegen.

Nun könnte man sich vorstellen, was passiert, wenn die Bundesregierung vernünftige Zinssätze zahlen würde - sagen wir 5%, also 5% mehr als die T-Bills gerade bringen. Würde die Regierung 5% auf 18,1 Billionen $ zahlen, müsste sie pro Jahr rund 900 Mrd. $ an zusätzlichen Zinszahlungen schultern. In der Folge würde Haushaltsdefizit steigen, die Bundesregierung müsste daher noch mehr Geld leihen. Diese neuen Kredite würden die Zinssätze dann noch weiter in die Höhe treiben, weil diese Kredite ein Indikator dafür wären, dass die Bundesregierung völlig überschuldet ist und ihre Schulden wahrscheinlich nie zurückzahlen könnte.

Hier beschreibe ich im Grunde nur, wie Währungen in eine hyperinflationäre Spirale geraten und letztendlich zerstört werden, da sich ihre Kaufkraft auflöst. Sprich: Zentralbanken verwandeln Staatsschulden in Währung. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs wurden auf diese Weise schon dutzende Währungen zerstört. Auch der Dollar ist dorthin unterwegs. Früher oder später wird auch er dort ankommen und dann abstürzen, so wie es schon der alten kontinentalen Währung erging.


Daily Bell: Der Chef von Gallup meinte kürzlich erst, die Arbeitslosenzahlen seien falsch. Ihre Reaktion?

James Turk: Zustimmung. Der Arbeitslosenbericht ist nur eine von vielen Lügen, die seit einigen Jahrzehnten aus Washington kommen. Diese Lügen gehen über parteipolitische Grenzen hinweg. In The Money Bubble schrieben John und ich über verzerrte und irreführende Statistiken der Politiker und Bürokraten: Im Zentrum ihres Interesses steht nicht die Wahrheit, sondern die Fortführung eines Systems, das ihnen nützt.


Daily Bell: Im letzten Interview nannten Sie Obamacare Zeitverschwendung auf Staatskosten. Sind Sie immer noch derselben Meinung? Gibt es etwas hinzuzufügen?

James Turk: Ja. Ich warte noch auf jenes staatliche Programm, das im Vergleich zu alternativen Programmen des Privatsektors kosteneffektiv betrieben wird. Noch schlimmer ist, dass es zur Durchsetzung staatlicher Programme dann noch mehr staatlichen Zwang braucht.


Daily Bell: Was passiert in Europa? Was denken Sie über den Grexit?

James Turk: Griechenland folgt dem Weg Zyperns, das wirtschaftlich nach wie vor ein hoffnungsloser Fall ist. Die EZB stoppt die Kreditvergabe an griechische Banken, die griechische Staatsanleihen als Schuldensicherheiten benutzen. Genauso hat es die EZB mit den zyprischen Banken gemacht.

Der nächste Schritt war, dass Zypern der Zugang zur Notfallliquiditätshilfe (ELA) abgeschnitten wurde, dort können Eurozone-Banken Geld aufnehmen, um weiterhin liquide zu bleiben und nicht schließen zu müssen. Das ELA-Programm war die letzte Rettungsleine, an der die zyprischen Banken noch hingen. Wenn die EZB Griechenland diese Leine aus der Hand reißt, werden die griechischen Banken untergehen, so wie es in Zypern passierte.

Der folgende Zusammenbruch im Bankenwesen führte dann zu den berüchtigten "Bail-Ins", bei denen Einleger zyprischer Banken ihr Geld verloren. Die EZB nahm deren Geld, um die Kredite jener Banken zurückzuzahlen, die bei der EZB geliehen hatten. Griechenland ist dorthin unterwegs, es sitzt auf Messers Schneide.

Die griechische Regierung versucht, ihr laufendes Rettungsprogramm um weitere vier Monate zu verlängern. Nach Meinung einiger Kommentatoren will die griechische Regierung die EZB hinhalten, damit die Griechen noch etwas mehr Geld abheben können, da ihre Einlagen verfallen. Die griechischen Banken sind, wie auch viele andere Banken weltweit, insolvent. Sie werden allein durch das ELA-Programm liquide gehalten. Übrigen wäre es noch erwähnenswert, dass letztes Wochenende eine österreichische Bank scheiterte; nach den vorläufigen Aussagen der Regierung wird es einen Bail-In geben, so wie in Zypern.


Daily Bell: Als wir das letzte Mal miteinander sprachen, meinten Sie, dass China wirtschaftlich instabil sei. Wie denken Sie heute darüber?

James Turk: Die Probleme in China werden jetzt immer offensichtlicher, vor allen das riesige Schwert, das über ihren Köpfen hängt, gemeint ist natürlich der chinesische Immobiliensektor. In dieser Hinsicht sieht es in China aus wie in Irland oder Spanien im Jahr 2007, bevor die Immobiliensektoren beider Länder zusammenbrachen.

In China bricht der Immobiliensektor praktisch schon jetzt ein. Seit Monaten sinken die Immobilienpreise, im Januar war der bislang größte monatliche Rückgang zu verzeichnen. Hier wurde derart überbaut und derart viele Spekulativkredite auf Immobilien vergeben, dass man durchaus davon ausgehen kann, dass in China wieder das passieren wird, was in Spanien und Irland passierte.



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