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James Turk: Souveränität weltweit bedroht

18.03.2015  |  James Turk
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Daily Bell: China hat auch Gold gekauft. Russland auch. Wie hat sich das auf den Goldmarkt ausgewirkt?

James Turk: China und Russland kaufen physisches Gold und das hat in der Tat Auswirkungen auf den Goldmarkt. Die Tatsache, dass Gold in einer Backwardation ist, ist ein Beweis dafür, dass sich der Papiergoldkurs und der physische Goldpreis trennen. Zwischen beiden gibt es natürlich fundamentale Unterschiede: Papiergold ist eine Finanzanlage mit Ausfallsrisiken; physisches Gold ist eine Sachanlage ohne Ausfallrisiko, was auch der Grund ist, warum es seit Jahrtausenden ein zuverlässiger sicherer Hafen ist.


Daily Bell: Bleiben wir noch bei der Gold-Backwardation. Die hat weiter Bestand?

James Turk: Ja, aber ich kann es nicht beweisen. So wie die London Bullion Market Association vor zwei Jahren die Veröffentlichung der Terminkurse (forward rates) für Silber eingestellt hatte, so hat sie die Veröffentlichung jetzt auch für Gold eingestellt. Die einzige Möglichkeit, eine Backwardation noch festzustellen, führt über das Sammeln von Preisangeboten von Banken, die im Kassa- als auch im Terminmarkt tätig sind. Dann wird verglichen.

Aktuell liegt der Kassakurs für Gold über dem April-Kurs, Kassa-Silber liegt über dem Mai-Kurs. Beide Metalle sind in einer Backwardation, das ist positiv.


Daily Bell: Im letzten Interview empfahlen Sie eine Reihe von Investments. “Sachanlagen wie Agrarland, Waldland, Ölquellen, produktiv genutzte Gebäude und natürlich Edelmetalle - anstelle von Finanzanlagen wie Bankkonten und Anleihen. Meiden Sie Anlagen, die in Landeswährungen denominiert sind.“ Gibt es hier irgendwelche Veränderungen?

James Turk: Ich empfehle weiterhin dieselbe Strategie. Der Schlüssel zur erfolgreichen Portfolioverwaltung ist die Akkumulierung unterbewerteter Anlagen und der Verkauf überbewerteter. Sachanlagen bleiben unterbewertet, Finanzanlagen sind weiterhin überbewertet. Aktien sind ein spezieller Fall, weil einige von ihnen fast Sachanlagestatus haben.

Besitzt man zum Beispiel Anteile eines Unternehmens, das im Agrarbereich, im Bergbau, im Öl- oder Rohstoffbereich tätig ist, dann besitzt man praktisch einen Anteil an einem Unternehmen, das aus Sachanlagen Vermögen schafft. Ich gehe davon aus, dass diese Aktien auch dann noch gut laufen werden, wenn die Zentralbanken die Landeswährungen weiter entwerten.

Aktien von Banken und Finanzunternehmen werden hingegen nicht gut laufen; aber diese Klassifizierung kann heikel sein. Apple hat beispielsweise 180 Milliarden $ Barreserven, also mehr Liquidität als die größten Banken dieser Welt. Haben wir es daher mit einem Finanztitel zu tun? Wahrscheinlich nicht, aber es verdeutlicht mein Argument. Aktien benötigen eine Menge Analyse, bevor man sie kauft, aber auch im Anschluss ist ständige Analyse notwendig, weil sich Grundbedingungen ändern.


Daily Bell: Und Cannabis-Unternehmen? Kennen Sie sich im Sektor aus? Interessiert Sie das?

James Turk: Ich kenne mich nicht im Sektor aus, auch nicht Geschäftschancen. Aber dem nach zu urteilen, was ich in den Zeitungen lese, ist es ein nachgefragtes Produkt. Eines, das wahrscheinlich wachsen wird.


Daily Bell: Viele Veränderungsprozesse auf der Welt sind Folge einer, so nennen wir sie, Internet-Reformation. Sie ermöglicht es den Menschen, ein besseres Verständnis der Welt in der sie leben, zu bekommen. Wie ist Ihre Haltung bezüglich der Regulierung des Internets oder der Netzneutralität?

James Turk: Dazu wären einige Punkte anzumerken: Erstens. Ich vertrete hier die Ansicht der Verfassungsväter, d.h. - was man benutzt, bezahlt man auch. Gebührenpflichtige Straßen waren vielleicht das offensichtlichste Beispiel für dieses Prinzip in der frühen US-amerikanischen Geschichte.

Zweitens: Ich bin für Selbstregulierungskräfte des Marktes. Staatliche Regulierung funktioniert nicht, sie verzerrt nur. Banken gehören heute zu den am stärksten regulierten Institutionen, trotzdem hören sie nicht auf, Bankrott zu gehen. Man denke zudem an alle Bankenskandale der letzten Zeit. Stellen Sie sich vor, wo wir heute wären, wenn Telefone immer noch eine reguliertes Monopol wären, über das Staatsbeamte wachen.


Daily Bell: Geben Sie uns bitte eine kurze Zusammenfassung der globalen Konfliktpunkte. Welches Ende werden die Spannungen in der Ukraine nehmen? Wird man Putin aus dem Amt zwingen?

James Turk: Es wird wahrscheinlich unschön enden. Betrachten Sie es doch mal so: Nehmen wir an, Venezuela hätte eine South Atlantic Treaty Organization (SATO) gegründet, das der Verteidigung Venezuelas und aller anderen Unterzeichnernationen gegen die Aggressionen der Yankees aus dem Norden dienen soll.

Gehen wir nun davon aus, dass die SATO neue Mitglieder aufnimmt und sich langsam nach Norden zur Grenze des Yankee-Aggressoren ausbreitet - und sich nicht damit zufrieden gibt, die Grenze am Rio Grande zu ziehen. Die SATO schickt also Agenten nach Texas, um dort den Status Quo zu brechen und die Regierung vor Ort zu stürzen. In der Folge flüchtet der gewählte Gouverneur um sein Leben.

Die SATO sorgt dann dafür, dass eine neue, ihr wohlgesinnte Regierung die Macht übernimmt - und plötzlich werden Forderungen nach einem Beitritt Texas zur SATO laut. Wie würde Ihrer Meinung nach Washington D.C. reagieren? Dort würde man ganz sicher weniger Zurückhaltung gegenüber solchen Provokationen zeigen, als sie Putin gerade zeigt.



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