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Holt unser Gold heim - Der Kampf um das deutsche Staatsgold

07.04.2015  |  Peter Boehringer
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Der Vorstand der Deutschen Bundesbank konnte damals gar nicht wissen, ob, an wen und wie viel der 740 Tonnen aus deutschen Beständen zumindest temporär durch die BIZ weiterverliehen wurden. Die Bilanzierung der BIZ ist sogar noch ungeprüfter als die der Welt-Zentralbanken, mit denen die BIZ ja quasi "im Konzernverbund" gesellschaftsrechtlich verbandelt ist. Unauffällige und undokumentierte gegenseitige Goldleihen und Doppelzählungen von Barren innerhalb dieses Herrenclub-Verbundes mit allseitig intransparenten Bilanzen oder gar Goldtresorräumen waren 1979ff jederzeit möglich - und wären es bis heute, auch wenn inzwischen mit Janet Yellen als Fed-Chefin auch eine Dame mitmischt.

In Kapitel I.3 hatten wir schon aufgezeigt, dass "window dressing" von Goldbilanzen mit (evtl. nur für einen Bilanzstichtag) von der BIZ oder anderen Zentralbanken geliehenem Gold in der halbseidenen Welt der feinen Zentralbanker salonfähige Praxis ist. Die BIZ wird in diesem Buch übrigens noch öfters auftauchen - auch noch bei sehr aktuellen intransparenten Goldtransaktionen der Bundesbank 2013 und 2014: Vgl. Kapitel III.2.9 und V.1.2…

Die bereits gestellte Frage „physischer Übergang oder nicht“ kann hier zwar ausnahmsweise unbeantwortet bleiben, da die Goldverleihung an den EFWZ mit Euro-Einführung 1999 dann beendet war und die 740 Tonnen per Ende 1998 für eine kurze logische Sekunde wieder auf der Bilanz der Bundesbank auftauchten - der Leihevorgang also korrekt beendet wurde und die Bundesbank per Ende 1998 für einen ganz kurzen Moment noch einmal 3700 Tonnen bzw. knapp 120 Millionen Unzen besaß (vgl. Abbildung).

Champagner musste deshalb keiner fließen, denn erstens kostete uns die Euro-Einführung zum 1. Januar 1999 dann sofort wieder einiges an physischem Gold (vgl. Kapitel II.5). Und zweitens war - wie wir seit Oktober 2012 wissen - das deutsche Gold damals nur zu einem winzigen Bruchteil (ca. 80 Tonnen) ohne Gegenparteien- und Lagerrisiko in Deutschland.


Kapitel II.5: Abgaben an die EZB 1999

Am 1. Januar 1999 startete der Euro als (zunächst nur unbar existierende) Buchwährung - und löste so nahtlos den ECU ab. Ebenso wie zuvor 1979 bis 1998 beim EFWZ erhielt die neu geschaffene EZB von den nationalen Zentralbanken der Euro-Mitgliedsstaaten eine Basis-Kapitalisierung in Form einer Übertragung eines Teils von deren Währungsreserven - und damit eben auch der Goldreserven. Der Anteil der Bundesbank an diesen Goldabgaben betrug 232 Tonnen (7,5 Millionen Unzen), wodurch per Ende 1999 auf der Bilanz der Bundesbank dann noch gut 3420 Tonnen (gut 110 Millionen Unzen) im deutschen Buchbesitz verblieben.

Wichtig dabei ist: Im Gegenzug erhielten die nationale Zentralbanken eine Forderung in Euro gegen die EZB. Es besteht also keine Forderung auf physisch zurückzuliefernde 232 Tonnen Gold gegen die EZB. Das Gold ist endgültig weg!

Die Forderung belief sich 1999 übrigens auf etwa zwei Milliarden Euro - heute 2015 wären die 232 Tonnen Gold mehr als acht Milliarden Euro wert. Aber das ist eben nur Theorie: Physisch ist das Gold ohnehin weg - und auch der Geldanspruch der Bundesbank beträgt dauerhaft nur zwei Milliarden Euro - nicht etwa den heutigen Marktwert der 232 Tonnen …


Kapitel II.6 Gegenwart seit 2000: Wo ist unser Gold? Lagerungsgerüchte

… Der leider 2005 verstorbene Schweizer Bankier Ferdinand Lips hatte schon 2002 die Intransparenz der Goldlager der Zentralbanken kritisiert: "Zentralbanken sind weltweit überaus zugeknöpft, wenn es um Informationen über ihre [Gold-]Reserven geht, und geben in der Regel nur wenig Auskunft. Ich würde dies als ein sonderbares Verhalten bezeichnen, denn schlußendlich gehört das Gold dem Volk und nicht den Beamten."

So war es seit 50 Jahren, so war es 2002 - und so war die komplett intransparente Situation beim Staatsgold praktisch ausnahmslos noch bis 2012. In einem solchen Umfeld gab es natürlich massenhaft Gerüchte. Eines davon war etwa eine Vermutung von Experten, die aus einer Umbenennung von Teilen der US-Goldreserven in 2000 von "Gold Bullion" zu "Custodial Gold" folgerten, es müsse Verleihungen und einen Swap amerikanischer Tonnagen mit denen der Bundesbank gegeben haben.

Dieser Deutung wurde mangels Beweisbarkeit und aufgrund einiger widersprüchlicher Indizien zwar später widersprochen. Doch auch weiterhin wurden die häufig sehr erklärungsbedürftigen, immer nur fragmentarischen, oftmals unglaubwürdigen und manchmal sogar offen falschen Aussagen der Zentralbanken zum Staatsgold von kritischen Geistern weiter hinterfragt. Bereits 2001 etwa wurde das US-Gold erneut umbenannt - in "Deep Storage Gold", was natürlich sofort wildeste Gerüchte um das Warum und um die Ausdeutung der neuen Bezeichnung auslöste.

Die Internet-Foren machten sich gerne die Deutung "noch gar nicht gefördertes Gold, noch tief in der Erde gelagert“ zu eigen. Selbstredend war auch das unbeweisbar - immerhin aber war es plausibel genug, dass die US-Fed ihr Gold heute auf der Bilanz wieder schlicht als "US Reserve Assets/Gold Stock" führt, um diese Angriffsfläche nicht länger zu bieten.

… Würde die Bundesbank nicht permanent ihre Nachweispflicht als Treuhänderin öffentlichen Eigentums verletzen - und einfach zu erbringende Belege ihrer Aussagen zum bilanziellen Status und zur Lagerung des Goldes einfach einmal ohne Show vorlegen anstatt permanent die Beweislast gegen Uns-die-Goldeigentümer unbilligerweise umzukehren, dann wären im Handumdrehen auch keine Gerüchte und Theorien mehr im Umlauf - und das vorliegende Buch hätte nie geschrieben werden müssen. Hunderte interessierter Journalisten und Internet-Beobachter müssten sich nicht mehr permanent in seitenlangen halbwahren Vermutungsstücken ergehen.


© Peter Boehringer
www.goldseitenblog.com/peter_boehringer



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