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Gibt es noch weitere PIGS im Euro?

01.05.2006  |  Walter K. Eichelburg
Im Londoner Bank-Jargon gibt es den Begriff PIGS (Schweine) für die Euro-Länder Portugal, Italien, Griechenland und Spanien. PIGS ist natürlich abwertend gemeint, in der Form, dass diese Länder "wirtschaftliche Schweinereien" aufführen und eigentlich nicht in den Euro gehören. Leider gibt es nicht nur diese Länder, die reformunwillig sind und hohe Budgetdefizite produzieren. Dieser Artikel geht auf die finanzpolitischen "Schweinereien" auch der Kern-Euro-Länder ein.

Über die legendären Probleme von Portugal, das 3% Neuverschuldungs-Limit nach den Maastricht-Verträgen einzuhalten, braucht man nicht zu reden. Zusätzlich kam 2005 an die Öffentlichkeit, dass Griechenland und Italien ihre eigenen 3% Neuverschuldungsgrenzen beim Eintritt in den Euro schlicht und einfach erschwindelt haben. In Griechenland folgt ein Generalstreik dem anderen, weil die Regierung versucht, die übermässigen Staatsausgaben zur Vorbereitung der Olympiade 2004 wieder hereinzutreiben und dazu die Sozialleistungen reduzieren will.


Italien

In Italien ist Silvio Berlusconi angetreten, das Land durchgreifend zu reformieren. Unter anderem wollte er den Kündigungsschutz aufweichen und das Pensions-Eintrittsalter anheben, das in Italien sehr niedrig ist. Nach den ersten Generalstreiks hat er gleich wieder davon abgelassen.

Desmond Lachman beschreibt in "Europe´s Economic Fantasy" die Situation recht genau, dass eben Italien gegenüber Deutschland einen Kostennachteil von etwa 15% hat. Die Italiener können jetzt im Euro nicht mehr wie früher üblich abwerten, aber die internen Mechanismen wurden nicht geändert.

Auszug: The daunting challenges to the euro experiment are perhaps best exemplified by the response I got from a former Salomon Brothers" emerging-market trader when I asked him where the next emerging market debt crisis would occur. Without missing a beat, he replied that it would take place in Greece, Italy or Portugal. All three of these countries suffer from government deficit levels and public debt ratios that would make any emerging market debt trader feel distinctly at home. These traders would also get the distinct feeling that they had already been to this movie before about a country unsuccessfully struggling with the rigors of a fixed exchange rate system.

Übersetzung: Die grossen Herausforderungen an das Euro-Experiment kann man am besten durch die Aussage eines Salomon Brothers Emerging-Market-Händlers erklären. Ich fragte ihn, wo die nächste 3. Welt-Schuldenkrise auftreten wird: Er antwortete sofort, diese würde in Griechenland, Italien oder Portugal ausbrechen. Alle drei Länder haben Staatsdefizite und Staatsverschuldungen, wo sich jeder Emerging-Market Anleihen-Händler zu Hause fühlen würde. Diese Händler würden auch sofort erkennen, dass sie diesen Film bereits gesehen haben - über ein Land, das am Kampf mit einem fixen Wechelskurssystem scheitert.

Das klingt stark nach Argentinien. Und dann will man die Euro-Zone noch erweitern, zunächst 2007 um Slovenien.
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Hier der Beweis: Die Arbeitskosten sind in Italien und Spanien enorm gestiegen, in Deutschland aber gesunken.


Spanien

Büso schreibt in "Finanzsystem ähnlich marode wie ehemalige DDR": Unterdessen nehmen die Ungleichgewichte in der Eurozone dramatisch zu. Nach Angaben der Zentralbank hat sich in Spanien das Zahlungsbilanzdefizit in den ersten elf Monaten des Jahres 2005 explosionsartig um 60% ausgeweitet und erreichte 60,7 Mrd. Euro, was 7,3% des BIP entspricht. Damit hat Spanien prozentual gesehen sogar die notorischen angelsächsischen Defizitländer (Australien 5,9%, USA 5,8%, England 3,4%) noch überholt und weist das höchste Defizit unter allen OECD-Ländern auf. ... Das gesamte Finanzsystem sei vergleichbar mit der "ehemaligen DDR. Jeder wußte, daß der Staat marode war. Dann kam der Zusammenbruch viel schneller als gedacht."

Ich bin zwar kein Freund der politischen Linie von LaRouche (BÜSO ist der deutsche Ableger davon), aber die wirtschaftspolitischen Nachrichten und Analysen auf dieser Website sind ganz gut.

Spanien hat eine der schlimmsten Immobilien-Bubbles der Welt. Das Land wird buchstäblich mit Wohnungen und Häusern zubetoniert. Und ein grosser Teil des Zahlungsbilanz-Defizits fliesst dort hinein. Wird eine schöne Implosion, wenn die Bubble platzt. Das Defizit wird sich ausgleichen - brutal.

Einfach gesagt, vor der Einführung des Euro in Spanien war eine so grosse Bubble nicht möglich, weil die Zinsen in Pesetas zu hoch waren.

Noch ein Auszug aus dem BÜSO-Artikel: "Der Kreditboom und die entsprechende Ausweitung der Geldmenge in der spanischen Wirtschaft bedeuten, daß Spanien quasi Euronoten druckt, um kostenlos Güter aus anderen Euro-Ländern aufzukaufen. Ein hochrangiger deutscher Ökonom bemerkte dazu, diese Lage sei "absolut unhaltbar".


Wo sind die anderen "PIGS"?

Wie die Statistik (Österreichische Nationalbank) zeigt, gibt es genügend davon:

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Ein Grossteil der Euro-12-Länder gehört mit einer Staatsverschuldung von 60% (Masstricht-Kriterium) oder mehr eindeutig zu den PIGS. Normalerweise hätten Länder mit über 60% gar nicht aufgenommen werden dürfen. Einige Länder (Griechenland, Italien) stechen mit über 100% heraus. Zu diesen Zahlen muss gesagt werden, dass sie sowieso manipuliert sind. Sie rechnen langfristige Belastungen, wie etwa die Pensionen, nicht ein. Dazu gibt es überall noch Mengen von Tricks und "Sondertöpfen". Sehen Sie meinen Artikel: Triple-A - wie lange noch.

Japan ist eine Schulden-Katastrophe in Staatsform, aber zum Glück nicht Teil der Eurozone.

Hier die "laufenden Sünden": Budget-Defizite, siehe Seite D-120
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Ungefähr die Hälfte der Euro-12 Länder überschreitet das Mastricht-Kriterium von 3%. Nachdem auch die „Leaders“ Deutschland und Frankreich das machen, gibt es offenbar kein Problem. Man muss nur wichtig genug sein.






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