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John Butler: Der Umbruch im Währungssystem und die Remonetarisierung von Gold

19.10.2015  |  Redaktion
"Macht korrumpiert, und absolute Macht korrumpiert absolut." - Lord Acton

"Finanzielle Macht korrumpiert, und absolute finanzielle Macht korrumpiert absolut." - Zusatz des Autors


Der Economist und die kognitive Dissonanz des Dollarsystems

Vor zwei Jahren, kurz bevor ich anlässlich einer Präsentation zum Annual Precious Metal Symposium nach Sydney reiste, verfasste ich für das Journal des Gold Standard Institute einen Artikel mit dem Titel "Why a Global De-Leveraging Requires the De-Rating of the Dollar and the Remonetisation of Gold" ("Warum ein weltweiter Schuldenabbau der Herabstufung des Dollar und der Remonetarisierung von Gold bedarf"). Dieser Artikel unterstrich die zunehmende Inkonsistenz zwischen dem Argument, dass der Dollar im internationalen Finanz- und Handelsgeflecht eindeutig an Bedeutung verliert einerseits, und der Leugnung einer Gefahr für den seit den 1940er Jahren bestehenden, exklusiven Status des Dollars als Reservewährung andererseits.

Dieses offenbar widersprüchliche aber weit verbreitete Denken bezüglich der Zukunft des globalen Währungssystems hält bis heute an. Sogar der Economist brachte in diesem Monat einen Sonderbeitrag zum schwindenden Einfluss der USA auf die Weltwirtschaft, der vor Dollar-Dissonanz nur so strotzte. Die zitierten Experten weisen auf den zunehmenden Trend zur bilateralen Abwicklung von Handelsgeschäften hin, beispielsweise zwischen China und Russland. Diese beiden Staaten planen die Finanzierung ihrer zahlreichen Infrastrukturprojekte entlang der neuen "Seidenstraße" mit Hilfe ihrer eigenen Währungen und ihrer eigenen Entwicklungsbank, der Asiatischen Infrastruktur-Investmentbank (AIIB).

Die Experten beobachten zudem, dass Russland, China und die anderen BRICS-Länder nicht länger Dollarreserven anhäufen (wobei sie seltsamerweise übersehen, dass sie stattdessen ihre Goldreserven aufstocken). Sie bestätigen ebenfalls, dass nicht nur die BRICS-Staaten, sondern auch viele andere Länder den Wunsch nach einer Umstrukturierung des derzeitigen Währungssystems geäußert haben, auch wenn deren jeweiligen Vorlieben nicht immer ganz klar sind.

Bemerken Sie den scharfen Kontrast zwischen den folgenden beiden Absätzen, die im Economist beide auf der selben Seite des Sonderbeitrags stehen?

"Dieser Sonderbericht wird darlegen, dass der derzeitige Kurs zu einer Reihe von Problemen führen wird. Das globale Währungssystem wird krisenanfälliger und es wird den Vereinigten Staaten nicht gelingen, sich von den potentiellen Auswirkungen abzuschirmen. Angeführt von China werden andere Länder ihre eigenen Schutzmechanismen errichten und so die Balkanisierung der Technologie, des Handels und der Finanzwelt herbeiführen. Die Herausforderung besteht in der Schaffung einer Struktur, die den Status der USA als unflexible Supermacht mit einbezieht."

Und:

"Die Welt ist heute abhängig von einem immens gewachsenen Komplex der Handels- und Finanzbeziehungen, die eine gewisse Kontinuität benötigen. Das Handelsvolumen und der Umfang internationaler Vermögenswerte und Verbindlichkeiten sind fünf- bis zehnmal so hoch wie noch in den 1970er Jahren und übertreffen ihre kurz vor dem ersten Weltkrieg erreichten Spitzenwerte bei Weitem. [...] China und die USA sind keine Verbündeten. Der erhöhte Aufwand und die gestiegenen Risiken einer Erneuerung der heutigen globalen Ordnung stellen für die derzeitigen Machthaber einen starken Anreiz dar, alles beim Alten zu belassen."

Bemerkt sonst noch jemand die Dissonanz, ja gar Verwirrung? Auf der einen Seite haben wir dieses komplexe System, anfällig gegenüber Schulden- und Währungskrisen, die zunehmend mangelhafte Kooperation zwischen den beiden größten Akteuren und die Notwendigkeit einer neuen "Struktur". Doch auf der anderen Seite sollen wir akzeptieren, dass es genügend Bereitschaft zur Zusammenarbeit in Währungsfragen gibt? Wirklich?

Betrachten wir den globalen wirtschaftlichen Kontext. Der Mainstream schweigt sich zu diesen Themen zwar meist aus, es kann ihm aber dennoch nicht entgangen sein, dass sieben Jahre nach der Finanzkrise von 2008 und trotz beispielloser staatlicher Eingriffe in die Wirtschafts- und Währungspolitik

  • die Zinssätze in Dollar noch immer bei Null liegen,
  • die quantitativen Lockerungen ihr erklärtes Ziel nicht erreicht haben,
  • das globale Ungleichgewicht größer ist als je zuvor,
  • die Bilanzkrisen an den Schwellenmärkten wie Pilze aus dem Boden schießen,
  • die Hauptindikatoren der weltweit wichtigsten Ökonomien eine Trendwende anzeigen,
  • die Finanz- und vor allem die Kreditmärkte signalisieren, dass in naher Zukunft eine weitere bedeutende Krise bevorstehen könnte.

Es ist daher vollkommen vernünftig, wenn auch nicht unbedingt schick, die Ansicht zu vertreten, dass das auf dem Dollar beruhende Reservewährungssystem instabil geworden ist und einer längst überfälligen, fundamentalen Umstrukturierung oder Neuordnung bedarf. Niemand anderes als die geschäftsführende Direktorin des IWF, Christine Lagarde, hat das in den letzten beiden Jahren in verschiedenen Reden wiederholt angedeutet.



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