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Prof. Fekete über Gold und die Schuldengesellschaft

22.12.2015  |   Claudio Grass
Global Gold: Prof. Fekete, es ist mir eine Freude, die Möglichkeit zu einem Gespräch mit Ihnen zu haben. Sie sind ein scharfer Kritiker des aktuellen Währungssystems und ein überzeugter Verfechter des Goldstandards, vor allem wenn er mit dem Real Bills Doctrine (RBD) von Adam Smith kombiniert wird, auf das wir später zurückkommen werden. Zunächst würden wir gern erfahren, was der Auslöser für Ihr Interesse am Goldstandard war und wie sich Ihr Glaube an Gold und die Österreichische Schule der Volkswirtschaftslehre entwickelt hat.

Prof. Fekete: Ich habe mich ein Leben lang mit Goldwährungen beschäftigt, was mich wiederum zur österreichischen Wirtschaftstheorie gebracht hat. Mir fiel jedoch auf, dass die Werke der österreichischen Autoren wie Hayek und Mises über Gold von Carl Mengers Grundgedanken zur Marktfähigkeit von Gütern abwichen und sich eher an der Quantitätstheorie von Geld orientierten.

Aus diesem Grund bin ich der Ansicht, dass sie die Zusammenhänge zwischen Gold und den Zinsen nicht ausreichend beleuchten. Ich bin stolz darauf, die Pionierarbeit für einen neuen Seitenzweig geleistet und auf Grundlage der Idee der Marktfähigkeit von Gütern (bzw. ihrer Eignung zur Hortung) eine Zinstheorie entwickelt zu haben, die dieses Geflecht in den Mittelpunkt rückt.

Die Tatsache, dass Gold und Silber die einzigen monetären Metalle sind, hat meiner Ansicht nach etwas damit zu tun, dass sie auch die Substanzen dieser Erde sind, die sich am besten horten lassen. Ich glaube außerdem, dass Menger, hätte er länger gelebt, selbst eine solche Zinstheorie entwickelt hätte, etwa über den indirekten Austausch von Einkommen und Vermögen als verbesserte Form des Hortens und erneuten Verteilens der zuvor gehorteten Reserven (direkter Austausch).

Wir sprechen hier über die duale Entwicklungstheorie des direkten Austauschs (Tauschhandel) hin zum indirekten Austausch von Gütern und Dienstleistungen innerhalb eines monetären Wirtschaftssystems. Was wir hier im Grunde genommen beobachten können, ist der Übergang von der direkten Umwandlung von Einkommen in Vermögen (und umgekehrt) hin zur indirekten Umwandlung.

An Stelle des Hortens (direkte Umwandlung des Einkommens in Vermögen) und der Neuverteilung der zuvor gehorteten Gegenstände (direkte Umwandlung von gespartem Vermögen in liquide Mittel) tritt also die indirekte Umwandlung von Einkommen in Vermögen (Verkauf von Schuldverschreibungen) und von Vermögen in liquide mittel (Kauf von Schuldverschreibungen).

Global Gold: In einem Artikel, den Sie im vergangenen Jahr veröffentlicht haben, beschuldigen Sie die USA der betrügerischen Nichterfüllung ihrer in Gold zahlbaren, internationalen Verbindlichkeiten. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Prof. Fekete: Es gab zwei Fälle, in denen die Vereinigten Staaten sich weigerten, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, einmal 1933 unter einem demokratischen Präsidenten und erneut 1971 unter einem republikanischen Präsidenten. Beide Male handelte es sich im Betrug in dem Sinne, dass das US-Finanzministerium das fragliche Gold besaß, das hätte ausgezahlt werden müssen, um die Forderungen zu erfüllen. 1933 stellten die USA die Auszahlung ihrer Goldanleihen ein, d. h. den Menschen wurde die Möglichkeit genommen, durch den Kauf bzw. Verkauf von Goldanleihen Einkommen in Vermögen und Vermögen bei Bedarf wieder in Barmittel zu verwandeln. Das ist bis heute so.

Global Gold: Lassen Sie uns darauf noch einmal auf dieses Thema zurückkommen, wenn wir darüber gesprochen haben, wie zwiegespalten die amerikanischen Entscheidungsträger im Hinblick auf den Goldstandard sind. Meiner Meinung nach ist das ziemlich interessant. In den 1980er Jahren schlossen Sie sich einer Arbeitsgruppe des kalifornischen Kongressabgeordneten William E. Dannemeyer in Washington D.C. an, um an einem Plan zu einer Währungs- und Finanzreform mitzuarbeiten, der der Regierung von George Bush Sr. vorgelegt werden sollte.

Diese Reform beinhaltete auch die Refinanzierung der gesamten Staatsschulden durch die Herausgabe von Goldanleihen (d. h. Anleihen, bei denen sowohl die Zinsen als auch der Nennbetrag in Gold ausgezahlt werden). Können Sie uns vereinfacht erklären, wie das funktionieren sollte? Glauben Sie, dass dieser Vorschlag überhaupt eine Chance hatte, angenommen zu werden?


Prof. Fekete: Eine anständige, rechtschaffene Regierung sollte keine nicht einlösbaren Schuldverschreibungen herausgeben - und Schulden, die höchstens in einer nicht umwandelbaren Währung rückzahlbar sind, sind im Grunde nichts anderes. Der Mechanismus, der hinter der Ausgabe nicht einlösbarer Schuldscheine steht, ist eine Form der Scheckreiterei, also eine Art des Betrugs, und sollte daher wie jedes andere Verbrechen entsprechend der Strafgesetzgebung verfolgt werden.

Es handelt sich dabei um eine Verschwörung des US-Finanzministeriums und der Notenbank Federal Reserven, die dazu dient, die allgemeine Bevölkerung zu hintergehen. Es wird eine sehr lange Zeit vergehen, bis diese Schandtat in Vergessenheit gerät. Die USA haben die restliche Welt ihrer Ersparnisse beraubt. Regierungen sollten keine Schulden aufnehmen, solange sie nicht in der Lage sein, eindeutig die Einnahmen auszumachen, mit deren Hilfe sie wieder getilgt werden können.

Entgegen einer manchmal geäußerten Ansicht ist der Goldstandard nicht dazu bestimmt, die Preise zu stabilisieren, denn das ist weder möglich noch wünschenswert. Es soll vielmehr die Konstanz der Zinsstruktur sicherstellen, was während der fast einhundert Jahre zwischen 1815 und 1913 auch hervorragend funktionierte.

Wenn der Zinssatz auf unberechenbare Weise schwankt, ändern sich auch die Werte der Anleihen willkürlich. Dadurch erhalten manche eine unverdiente Belohnung, während andere ungerechtfertigt bestraft werden. Es ist eine Einladung zur Spekulation mit Anleihen, die sich verselbstständigen wird. Die Finanzierung der Staatsschulden mit Goldanleihen ist nicht nur eine Frage der Ehre. Es handelt sich dabei um eine vernünftige Wirtschaftspolitik, mit der der Teufelskreis der schnellen Schuldenvermehrung vermieden werden kann.

Um die geplanten Goldanleihen vorzustellen, führte Mr. Dannemeyer im Oktober 1989 eine Delegation von zehn republikanischen Kongressabgeordneten ins Büro des Präsidenten im Weißen Haus. Der Finanzminister war bei diesem Treffen ebenfalls anwesend. Mr. Bush verfolgte die Präsentation aufmerksam und wandte sich dann mit dem Vorschlag an den Finanzminister, die Mitarbeiter des Finanzministeriums mögen sich mit der Arbeitsgruppe von Mr. Dannemeyer zusammensetzen, um gemeinsam mögliche Schwachstellen des Entwurfs zu verbessern.

Damals waren wir tatsächlich guter Hoffnung, dass das Finanzministerium nach Treu und Glauben handelte, und dass der Vorschlag in akademischen Kreisen und in der Finanzpresse eine faire Anhörung erhalten würde, vor allem nachdem bekannt würde, dass sich das Finanzministerium ebenfalls damit befasst. Natürlich hatten wir keine Ahnung, dass das Finanzministerium eine "bessere" Idee haben sollte: Es tat sich mit der Federal Reserve zusammen und brütete gemeinsam mit ihr die quantitativen Lockerungen (QE) aus.


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