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Oh großer König Salman, gepriesen seien deine Mega-Ölkavernen

06.01.2016  |  Prof. Dr. Hans J. Bocker
Noch ein halbes Jahrhundert

Trotz aller widersprüchlichen Prognosen und Prophezeiungen einigten sich alle führenden Experten, Institutionen und Ölgesellschafts-Gurus auf eine gemeinsame Aussage: Geht die heutige Weltölförderung im heutigen Tempo weiter, dann halten die derzeit bekannten, bestätigten und förderbaren Ölvorräte noch mit Sicherheit 45 Jahre.

Diese Zahl schließt den Einsatz und die Umwandlung von Kohle in Treibstoff, nach dem deutschen Fischer-Tropsch-Verfahren, womit Deutschland in WK II und Südafrika seit Jahrzehnten große Teile des Eigenbedarfs deck(t)en - genau wie die Bestätigung und Erschließung neuer Riesenfelder - vorläufig noch aus. Erdgas sollte, bei heutigem Verbrauch, global noch weit über 100 Jahre reichen, Kohle noch über 300 Jahre.

Als gut situierter Ölprophet hat man es heute schwer. Streng genommen und genau betrachtet entsprechen alle Aussagen der hoch intelligenten Bauernregel mit hoch entwickelter Gabe der Prophetie: "Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich der Ölpreis, oder er bleibt wie er ist."


Ob long, ob short, Geld und Reserven sind fort

Dass er so bleibt, wie er ist - daran haben vor allem zwei wichtige machtpolitische Figuren absolut kein Interesse: Der bisher ungekrönte König Putin sowie sein gekrönter Kollege und Schicksalsgenosse im Ölmarkt - Salman.

Letzterer muss nämlich befürchten, bei gleich bleibender Politik und heutigen Preisverhältnissen in 5 Jahren bankrott zu sein. Die Reserven seines Landes werden nämlich - dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge - bei aktuellen Preisen und heutiger unveränderter Finanzpolitik, in etwa 5 Jahren erschöpft sein. Ob die IWF-Analysten die Situation in ihrem Bericht absolut realistisch darstellten, oder ein wenig zu düster malen, bleibt eine offene Frage.

Es könnte politische Absicht dahinter stecken, denn schließlich wird der IWF von Washington dominiert und die berüchtigten ehemaligen Goldman Sachs - Mitarbeiter sind auch im IWF reichlich vertreten. Andererseits mag es auch an den in ihrer Gesamtheit und ihren Wirkungen sehr schwierig einzuschätzenden zahlreichen Variablen (siehe oben) liegen, die jede präzise Prognose verunmöglichen.

Dennoch kann davon ausgegangen werden, und die führenden Analysten sind sich hier einig, dass die IWF-Analyse der Wahrheitsfindung recht nahe kommt. Trotz aller Beteuerungen Rhiads bezüglich der Stabilität der saudischen Wirtschaft, ist das Sicherheitspolster erschöpft: Das rekordhohe Haushaltsdefizit von 20% des BIP führte bereits zu einer sehr spürbaren Krise der staatlichen Finanzierung.

Die IWF-Experten schätzen, dass die von ihren saudiarabischen Ökonomen geplanten Maßnahmen "dem Ziel einer kurz- und mittelfristigen Haushaltskonsolidierung absolut nicht gerecht werden". 2016 würde sich das Defizit der königlichen Staatskasse lediglich um klägliche 0,4 Prozent verringern und immerhin wiederum auf 19,8% des BIP aufschaukeln. Bei einem Jahresdefizit von rund 20% wäre man also in 5 Jahren bei 5x20 = 100% der ehemaligen Reserven.

Dann heißt es schon bald: Ob Bohrung gerade, oder Bohrung quer, die Öl-Konten sind absolut leer.

Doch der König denkt an die große Führerin Deutschlands, die weitsichtig und alternativlos die soziale, wirtschaftliche und finanzielle Welt um die wunderbare Doppel-Aussage bereicherte, und spricht ihr nach: "Wir schaffen das", und wenn nicht, "dann ist das nicht mein Land"!


Drei Alternativen, alle schmerzhaft

Rhiad bleiben also nur drei Alternativen: Entweder die Ausgaben drastisch kürzen oder den Riyal entwerten, oder aber beides. Bei gleich bleibender Gemengelage von aktueller Politik und Preisgefüge werde das Sicherheitspolster des saudischen Finanzbettes in nicht einmal 5 Jahren bis auf die Sprungfedern abgewetzt sein, heißt es in dem von Bloomberg zitierten Bericht. Einem theoretischen Haushaltsausgleich wirkt zudem der Beschluss des Königs entgegen, seinen Beamten anlässlich seiner Inthronisierung Anfang Jahr generöse Boni auszahlen zu lassen. Zusätzliche Belastungen bringt der Militäreinsatz im Jemen.

Die Zahlen sprechen für sich: Vom höchsten Stand aller Zeiten, sprich 750 Mrd. $ im Jahre 2014, sanken die internationalen Reserven des Landes allein während Juli und August 2015 um rund 90 Mrd. $ auf ein Drei-Jahres-Tief von 660 Mrd. $ Dollar. Den Schätzungen des US-Finanzministeriums zufolge hatte das Land allein im ersten Halbjahr 2015 wegen der gesunkenen Ölpreise Mindereinnahmen in Höhe von 160 Mrd. $ zu verkraften.

Dem IWF zufolge braucht Salman einen Ölpreisanstieg bis auf 108 $ pro Fass, um seinen Haushalt auch nur auszugleichen zu können.


Schulden mit mehr Schulden und Ölschwemme mit mehr Ölförderung bekämpfen

Inmitten dieser Misere der staatlichen Finanzen, die zu 82% aus Ölexporten stammen, sieht Salman den ersten Rettungsanker darin, die Politik der Überproduktion nicht aufzugeben. Sein Ölminister Ali al-Naimi erklärte dementsprechend, dass zusätzliche massive Investitionen in neue Explorationen und Bohrungen angelaufen seien. Man wird die Hähne weiter und weiter aufdrehen. Allein in den ersten drei Quartalen von 2015 wurde die Produktion im Vorjahresvergleich um 7%, also um 700.000 Fass pro Tag gesteigert.

In den westlichen Ländern, allen voran in den USA, wird das überdimensionale Schuldenproblem mit noch mehr Schulden "gelöst". So wurde in Washington gerade die Schuldenobergrenze des Staates zum 21. Male angehoben, diesmal von 18,1 auf 19,6 Billionen $. Zur Beachtung: Die Schuldenkurve steigt wegen der fundamentalen Zinseszinsformel), im Gegensatz zur Wirtschaftsleistung, nicht linear sondern exponentiell.

Bedenkt man, dass zu diesen verzinslichen Schulden, noch unverzinsliche Verpflichtungen in etwa 6-facher Höhe hinzukommen, und sich hierzu weitere Privat-, Bundesländer-, Gemeinde-, städtische-, Studenten- und Unternehmens-Schulden addieren, ergeben sich rote Zahlen in der erklecklichen Höhe von ungefähr 190 Billionen $, die niemals, auch nur annähernd, rückzahlbar sind.

Und in Saudi Arabien, wie auch in anderen Ölförderländern, wird das überdimensionale Problem der Ölschwemme mit einer Verstärkung eben dieser Überschwemmung gelöst. Man folgt also allenthalben der klugen Strategie: Bekämpfe Schmerz und Leiden mit noch mehr Schmerz und Leiden. Wie lang wird dieser Irrsinn uns alle noch begleiten?

Diverse Publikationen, insbesondere im englischsprachigen Raum, titelten wiederholt (auf der Basis einer Citigroup-Studie): "Saudi Arabien könnte bis 2030 zum Öl-Importeur werden".

Das mag übertrieben klingen, wird jedoch durch bedenkliche Fakten gestützt. Geht man nämlich von einer Fortschreibung der aktuellen Wachstumsraten des Eigenverbrauchs aus, zeigt sich "wahrhaft Erschröckliches":



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