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China löst nächste Verkaufswelle aus

07.01.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Talfahrt bei den Ölpreisen hat sich nochmals beschleunigt. Der Brentölpreis verlor am gestrigen Handelstag 6%, der WTI-Ölpreis 5,6%. Heute waren die Minuszeichen zeitweise ähnlich groß. Beide Ölsorten handelten im Tief nur noch knapp über 32 USD je Barrel. Bei Brent stellt dies das niedrigste Niveau seit April 2004 dar. WTI hat am Morgen das Tief von Dezember 2008 unterschritten und handelt auf dem tiefsten Niveau seit Dezember 2003.

Auslöser für den Preisrutsch waren neue Schocknachrichten aus China und die gestern Nachmittag vom US-Energieministerium veröffentlichten Lagerdaten für die letzte Woche. Diese zeigten einen massiven Anstieg der US-Benzinvorräte um 10,6 Mio. Barrel, was dem stärksten Wochenanstieg seit dem Jahr 1993 entsprach.

Auch die Destillatebestände stiegen kräftig um 6,3 Mio. Barrel. Beides war auf eine deutlich gesunkene Nachfrage zurückzuführen. Bei Benzin ist dies im Winter nicht unüblich, bei den Destillaten dagegen schon. Laut US-Energieministerium war die Destillatenachfrage Ende 2015 so schwach wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr und lag in den letzten vier Wochen 9,3% unter dem Vorjahresniveau. Grund hierfür dürfte das ungewöhnlich milde Wetter gewesen sein.

Der starke Rückgang der Rohöllagerbestände um 5,1 Mio. Barrel konnte dem wenig entgegensetzen, zumal das API am Vortag einen ähnlich großen Lagerabbau berichtet hatte und die Rohölvorräte in Cushing auf ein Rekordniveau von knapp 64 Mio. Barrel stiegen. Die extrem negative Stimmung, die Charttechnik und das Momentum sprechen kurzfristig für eine Fortsetzung des Preisverfalls, auch wenn wir uns bereits in einer spekulativen Übertreibung befinden.


Edelmetalle

Gold ist bislang der große Gewinner der Verwerfungen an den Finanzmärkten und wird damit seiner Rolle als sicherer Hafen weiter gerecht. Heute Morgen steigt Gold zeitweise auf ein 9-Wochenhoch von über 1.100 USD je Feinunze. In Euro gerechnet verteuert sich Gold auf ein 7½-Wochenhoch von 1.020 EUR je Feinunze. Wie erwartet hat das Protokoll der letzten Sitzung der US-Notenbank Fed keine wesentlichen neuen Erkenntnisse über den Verlauf des Zinserhöhungszyklus gebracht.

Allerdings haben die FOMC-Mitglieder auffällig deutlich auf die Abwärtsrisiken für den Inflationsausblick hingewiesen. Je länger die Turbulenzen an den Finanzmärkten andauern, umso stärker dürften die Marktteilnehmer an einer baldigen Fortsetzung des Fed-Zinserhöhungszyklus zweifeln. Dies wäre unseres Erachtens positiv für Gold, da in diesem Szenario die Opportunitätskosten der Goldhaltung niedrig bleiben würden.

Trotz rekordhoher Fahrzeugverkäufe in den USA (siehe TagesInfo Rohstoffe von gestern) gab der Palladiumpreis gestern um 5% nach. Heute Morgen fällt er weiter unter die Marke von 500 USD je Feinunze auf den tiefsten Stand seit August 2010. Der Preisrückgang wird durch das Unterschreiten wichtiger charttechnischer Marken verstärkt. Die ETF-Investoren haben in diesem Jahr dagegen bislang nur 5,7 Tsd. Unzen Palladium verkauft. Mit weiteren Preisverlusten könnte aber auch hier die Dynamik wieder zunehmen.

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Industriemetalle

Die Verkaufswelle an den Rohstoffmärkten setzt sich fort, was auch die Metallpreise belastet. Diese geben heute Morgen teilweise um bis zu 5% nach, nachdem schon gestern mehrheitlich Verluste zu Buche standen. In China wurde der Aktienhandel nach einem weiteren Kurssturz um gut 7% erneut ausgesetzt und der Yuan wertete weiter stark ab, was weitere Verunsicherung über den Zustand der chinesischen Wirtschaft schürt. Zudem werden die Metalle durch die stark fallenden Ölpreise mit nach unten gezogen.

Dagegen zeigt sich der Eisenerzpreis in den ersten Handelstagen des Jahres noch relativ stabil. Gestern fiel er nur leicht auf 42,9 USD je Tonne, trotz einer weiteren Ausweitung des Angebots. Denn wie der Hafenbetreiber von Port Hedland in Australien berichtete, wurden im Dezember 37,55 Mio. Tonnen Eisenerz über das weltweit größte Eisenerzverladeterminal verschifft, etwas mehr als im November und im Vorjahr.

Die Verschiffungen über Port Hedland im Gesamtjahr 2015 beliefen sich auf rund 446 Mio. Tonnen, knapp 8% mehr als im Vorjahr. Sie standen damit für 58% der gesamten australischen Eisenerzexporte im letzten Jahr. Trotz der vermehrten Verschiffungen fallen die Frachtraten weiter. So hat der Baltic Dry Index, der die Frachtraten für Schüttguttransporte auf den wichtigsten Handelsrouten der Welt misst, gestern den tiefsten Stand seit Beginn der Datenreihe Anfang 1985 erreicht.


Agrarrohstoffe

Die Preise für Getreide und Sojabohnen können sich nicht von ihren zu Wochenbeginn verzeichneten Tiefständen lösen. Weizen handelt bei 460 US-Cents je Scheffel nur knapp über einem 5 ½-Jahrestief, Mais mit 350 US-Cents je Scheffel in der Nähe eines 6-Monatstiefs und Sojabohnen mit 860 US-Cents je Scheffel unweit eines 1½-Monatstiefs. Der allgemeine Ausverkauf an den Rohstoffmärkten drückt auch auf die Notierungen bei den Agrarrohstoffen, obwohl hier die Stimmung bereits extrem schlecht ist, wie die letzten Positionierungsdaten zeigten. Zudem waren die jüngsten Nachrichten auch nicht dazu angetan, den Preisen Unterstützung zu geben.

So haben sich die Wachstumsbedingungen in Südamerika nach den jüngsten Regenfällen verbessert. Das Analysehaus Informa Economics hat seine Prognose für die Maisernte in Argentinien um 1 Mio. auf 22 Mio. Tonnen erhöht. Bei Sojabohnen rechnet man unverändert mit 58,5 Mio. Tonnen, was die zweithöchste Ernte aller Zeiten bedeuten würde.

In Brasilien hat die Sojabohnenernte inzwischen begonnen. Für Brasilien rechnet Informa weiterhin mit einer rekordhohen Sojabohnenernte von 101,4 Mio. Tonnen und einer Maisernte von 81,3 Mio. Tonnen. Letztere wäre zwar etwas niedriger als im vorherigen Rekordjahr, aber noch immer eine der höchsten Ernten aller Zeiten. Das US-Landwirtschaftsministerium gibt seine neuen Ernteschätzungen in der nächsten Woche bekannt.





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