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Vorübergehende Marktberuhigung dank China

08.01.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Talfahrt bei den Ölpreisen ist zunächst zum Stoppen gekommen. Brent und WTI konnten von den gestern verzeichneten mehrjährigen Tiefständen um mehr als 2 USD zulegen. Brent handelt am Morgen bei 34,5 USD je Barrel, WTI bei 34 USD je Barrel. Ob daraus mehr wird als nur eine kurze Gegenbewegung nach dem massiven Preisverfall der vorherigen Tage, wird sich zeigen müssen.

Das niedrige Ölpreisniveau zeigt inzwischen immer deutlichere Bremsspuren beim größten OPEC-Produzenten Saudi-Arabien. Dieser erwägt deswegen offenbar, seinen staatlichen Ölkonzern Saudi Aramco an die Börse zu bringen, um das immer größer werdende Loch bei den Staatseinnahmen zu stopfen. Im letzten Jahr verzeichnete Saudi-Arabien ein Rekordhaushaltsdefizit von fast 100 Mrd. US-Dollar. Als Folge hat die Regierung bereits Steuererhöhungen und Subventionskürzungen angekündigt und die staatlich festgesetzten Benzinpreise deutlich erhöht.

Im EU-Emissionshandel konnten sich die Preise im letzten Jahr dem Abwärtssog des Energiesektors noch entziehen, doch seit Jahresbeginn sind auch hier die Preise unter Druck. Der milde Winter, der Vormarsch der Erneuerbaren Energien, die dunkleren Konjunkturperspektiven und die hohe Risikoaversion sind zwar belastend, einen Preisrutsch um 70 Cents auf 7,60 EUR je Tonne CO2 können sie aber nicht erklären. Vielmehr dürfte der Preisrückgang auch spekulativ getrieben sein. Wir sind optimistisch, dass der (politisch gewollte) Aufwärtstrend mittelfristig wieder aufgenommen wird.


Edelmetalle

Nachdem Gold heute im frühen Handel noch ein neues 9-Wochenhoch von 1.113 USD je Feinunze markierte, fiel es anschließend zeitweise unter die Marke von 1.100 USD zurück. Damit wurde zumindest vorübergehend die viertägige Phase steigender Preise beendet, im Zuge derer sich Gold um 50 USD verteuerte. In Euro gerechnet handelt Gold mit 1.010 EUR je Feinunze etwa 10 EUR unter seinem gestern verzeichneten Mehrwochenhoch.

Die höheren Preise haben offenbar wieder einige Finanzinvestoren angelockt. Denn die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs verzeichneten gestern Zuflüsse von 8 Tonnen. Wie aus den Daten der chinesischen Zentralbank (PBoC) hervorgeht, hat China im Dezember den sechsten Monat in Folge seine Goldreserven aufgestockt. Demnach hat die PBoC im letzten Monat rund 610 Tsd. Unzen bzw. 19 Tonnen Gold gekauft. Dies ist auch deswegen bemerkenswert, weil die Währungsreserven der PBoC im selben Monat um mehr als 100 Mrd. US-Dollar fielen.

Zum Jahresende beliefen sich die offiziellen Goldreserven damit auf rund 1.762 Tonnen. Dies entspricht aber nach wie vor nur etwa 1,8% der chinesischen Währungsreserven, so dass die PBoC unseres Erachtens auch im neuen Jahr ihre Goldreserven weiter aufbauen wird.

Im Fahrwasser von Gold legte Silber spürbar zu und erreichte gestern mit 14,4 USD je Feinunze ein 3-Wochenhoch. Heute Morgen gibt es allerdings einen Großteil seiner Gewinne der letzten Tage wieder ab.


Industriemetalle

Nach CBOT-Weizen, Brent-Öl, Palladium und WTI-Öl haben gestern nun auch die Zink- und Kupferpreise neue mehrjährige Tiefstände erreicht. Zink fiel vorübergehend auf 1.470 USD je Tonne und markierte damit den tiefsten Stand seit Juli 2009. Kurze Zeit später verzeichnete Kupfer mit 4.430 USD je Tonne das niedrigste Niveau seit Mai 2009. Nickel stand kurz davor, ein neues Mehrjahrestief zu markieren. Belastet wurden die Preise von den Turbulenzen an Chinas Finanzmärkten.

Im späteren Handelsverlauf holten die Metalle einen Teil ihrer zeitweise hohen Verluste wieder auf. Denn die chinesische Regulierungsbehörde hat den erst kürzlich eingeführten Notmechanismus, der den Aktienhandel unter anderem bei einem Minus von 7% automatisch komplett beendet, bereits wieder abgeschafft. Dieser sorgte unter den Investoren offenbar für massive Verunsicherung. Die vor allem dank staatlicher Interventionen wieder etwas steigenden chinesischen Aktienmärkte und der festere Yuan sorgen dafür, dass es bei den Metallen heute Morgen kaum zu weiteren Verlusten kommt.

Aluminium beendete den gestrigen Handel unverändert bei 1.475 USD je Tonne. Alcoa, der größte US-Aluminiumproduzent, hat angekündigt, wegen des schwachen Marktumfelds seine Schmelze im US-Bundesstaat Indiana bis zum Ende des zweiten Quartals zu schließen. Die Schmelze hat eine Produktionskapazität von 269 Tsd. Tonnen p.a. Damit werden in den USA kaum noch Aluminiumschmelzen betrieben.

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Agrarrohstoffe

Auch die Kakaopreise haben einen rabenschwarzen Start in das neue Jahr erlebt. Der in London gehandelte Kakao-Terminkontrakt hat seit Jahresbeginn knapp 7% verloren und fiel gestern mit 2.060 GBP je Tonne auf das niedrigste Niveau seit Ende August 2015. Der Terminkontrakt in New York verzeichnete einen Rückgang um knapp 8% und notiert erstmals seit acht Monaten wieder unter der Marke von 3.000 USD je Tonne. Kakao war einer der wenigen Rohstoffe, welche das abgelaufene Jahr mit einem Plus abschlossen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Rohstoffen erreichte Kakao im letzten Jahr zudem mehrjährige Höchststände. Von daher überrascht es nicht, dass Marktteilnehmer auch angesichts der allgemeinen Verkaufswelle an den Rohstoffmärkten zu Jahresbeginn Gewinne mitnehmen. Der Preisrückgang kann durchaus noch anhalten, da das Angebot aus der Elfenbeinküste zuletzt positiv überrascht hat und die Nachfrage durch die zuletzt hohen Preise gebremst werden dürfte.

Das Angebotsdefizit in der laufenden Saison 2015/16 könnte daher geringer ausfallen als vom Markt erwartet. Vertreter der Internationalen Kakaoorganisation bezifferten das zu erwartende Defizit auf bis zu 100 Tsd. Tonnen. Im Erntejahr 2014/15 betrug der Fehlbetrag lediglich 15 Tsd. Tonnen. Für das Jahresende erwarten wir wieder einen höheren Kakaopreis von 2.150 GBP je Tonne. Denn auf der Angebotsseite drohen im Laufe des Jahres Enttäuschungen.





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