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Bevorstehende Rückkehr des Iran belastet Brent

14.01.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Der Brentölpreis ist in der Nacht erstmals seit 12 Jahren unter die Marke von 30 USD je Barrel gefallen. WTI hatte diese Marke bereits am Vortag kurzzeitig unterschritten. Brent handelt aktuell mit einem Preisabschlag zu WTI, was in den letzten fünf Jahren äußerst selten der Fall war, und sich mit der Aussicht auf ein bereits kurzfristig steigendes Ölangebot aus dem Iran erklärt.

Die Internationale Atomenergiebehörde dürfte morgen bekanntgeben, dass der Iran die Bedingungen des Atomabkommens vom Juli letzten Jahres erfüllt hat und somit einer Aufhebung der Sanktionen an diesem Wochenende den Weg bereiten. Der Iran hat mehrfach angekündigt, in diesem Falle unverzüglich seine Ölexporte um 500 Tsd. Barrel pro Tag steigern zu wollen. Innerhalb von sechs Monaten sollen die Öllieferungen um insgesamt 1 Mio. Barrel pro Tag steigen.

Rein psychologisch könnte dies die Preise kurzfristig weiter nach unten drücken. Allerdings stellt eine Rückkehr des Iran keine wirkliche Neuigkeit mehr dar. Zudem hat ein führender Vertreter der staatlichen iranischen Ölgesellschaft NIOC unlängst verlauten lassen, das Angebot mit Rücksicht auf die Preise nur langsam ausweiten zu wollen. Ebenfalls preisbelastend waren die gestern vom US-Energieministerium veröffentlichten Lagerdaten.

Insbesondere der nochmalige kräftige Anstieg der US-Benzin- und Destillatevorräte drückte auf die Stimmung. Die Benzinbestände sind in den letzten zwei Wochen um 19 Mio. Barrel gestiegen, die Destillatebestände um 12,4 Mio. Barrel. Auffällig ist zudem die akute Schwäche der Destillatenachfrage in den USA. Diese fiel in der letzten Woche auf den niedrigsten Wochenwert seit fast 17 Jahren und das in der nachfragestarken Winterzeit.

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Edelmetalle

Gold profitiert von fallenden Aktienmärkten und steigt heute Morgen zeitweise auf 1.095 USD je Feinunze. In Euro gerechnet hat Gold wieder die Marke von 1.000 EUR je Feinunze zurückerobert. Silber wird von Gold mit nach oben gezogen und Platin und Palladium verteidigen ihre gestrigen Gewinne.

Die Präsidenten der US-Notenbank in Boston und in Chicago, Rosengren und Evans, haben sich gestern besorgt über das globale Wirtschaftswachstum geäußert. Demnach könnten die Turbulenzen an Chinas Aktienmärkten, die schwachen Ölpreise und andere Faktoren das Wirtschaftswachstum deutlich verlangsamen. Beide stehen daher einer weiteren Zinserhöhung der Fed skeptisch gegenüber.

Auch der ehemalige US-Finanzminister Summers (Regierung Clinton) hat sich gestern zurückhaltend hinsichtlich Fed-Zinserhöhungen geäußert. Seiner Ansicht nach würde die globale Wirtschaft nicht die von einigen Marktteilnehmern erwarteten vier Zinserhöhungen in diesem Jahr verkraften.

Sollten sich diese Meinungen im Entscheidungsgremium der US-Notenbank durchsetzen und die Fed daraufhin die Zinsen tatsächlich weniger stark anheben - wir erwarten drei Zinserhöhungen in diesem Jahr -, wäre dies unseres Erachtens positiv für den Goldpreis. Denn dann bleiben die Opportunitätskosten für Gold niedrig bzw. steigen nicht ganz so stark.


Industriemetalle

Neben Kupfer (siehe TagesInfo Rohstoffe von gestern) hat China im Dezember auch eine rekordhohe Menge Eisenerz eingeführt. Daten der Zollbehörde zufolge beliefen sich die Importe auf 96,3 Mio. Tonnen. Für das Gesamtjahr wurde mit 952,7 Mio. Tonnen ebenfalls ein Rekordwert verzeichnet. Dies waren 2,2% mehr als im Vorjahr.

Die großen Eisenerzproduzenten wie Vale aus Brasilien sowie die beiden britisch-australischen Unternehmen Rio Tinto und BHP Billiton gewinnen damit offenbar mehr und mehr Marktanteile in China. Ihre Strategie, über eine Mengenausweitung dank niedriger Produktionskosten andere Wettbewerber aus dem Markt zu drängen, ist somit wohl erfolgreich. Denn in China sind die Produktionskosten relativ hoch und die Qualität der Erze gering.

Da China nach wie vor deutlich mehr Stahl aus dem importierten Eisenerz produziert als benötigt, exportiert das Land große Mengen Stahl. Im letzten Jahr waren es 112,4 Mio. Tonnen, 20% mehr als im Vorjahr und mehr als je zuvor. Vergleicht man die Daten der chinesischen Zollbehörde mit den Zahlen zur Stahlnachfrage des Weltstahlverbands, wird ersichtlich, dass China 2015 mehr Stahl exportiert hat, als die USA als weltweit zweitgrößter Stahlkonsument verbraucht haben.

Die hohen Stahlexporte Chinas tragen maßgeblich dazu bei, dass auch der globale Stahlmarkt überversorgt ist. Sollte China die Stahlproduktion drosseln, was dringend notwendig ist, würde dies wohl auch zu einer geringeren Nachfrage nach Eisenerz führen und eine nachhaltige Preiserholung erschweren.


Agrarrohstoffe

Chinas Rohstoffnachfrage straft weiterhin alle Schwarzmaler lügen. Dies gilt auch für die Nachfrage nach Sojabohnen. Laut Zollbehörde importierte China im Dezember 9,12 Mio. Tonnen Sojabohnen, was dem zweithöchsten Monatswert aller Zeiten entsprach. Gegenüber dem Vormonat bedeutet dies einen Anstieg um 23%. Im Kalenderjahr 2015 summieren sich die Sojabohneneinfuhren auf 81,7 Mio. Tonnen. Sie liegen damit 14% höher als im Vorjahr und erreichten ein Rekordniveau.

Für das Erntejahr 2015/16, welches noch bis Ende September läuft, erwarten lokale Marktbeobachter Importe von mehr als 82 Mio. Tonnen. Das US-Landwirtschaftsministerium USDA geht in seiner aktuellen Schätzung von 80,5 Mio. Tonnen aus. An der Nachfrage liegt es somit nicht, dass der Sojabohnenpreis nur knapp über einem 7-Jahrestief notiert. Dafür ist vielmehr das reichliche Angebot verantwortlich.

Das USDA rechnet weiterhin mit einer Rekordernte in Brasilien von 100 Mio. Tonnen. In Argentinien soll die Ernte mit 57 Mio. Tonnen nur knapp unter dem Rekord des Vorjahres liegen. Da gleichzeitig auch die USA eine Rekordernte von 107 Mio. Tonnen eingefahren haben, übertrifft auch das weltweite Angebot den Rekordwert des Vorjahres nochmals leicht. Selbst eine rekordhohe Nachfrage kann nicht verhindern, dass der globale Sojabohnenmarkt 2015/16 laut USDA einen erneuten Angebotsüberschuss von 5 Mio. Tonnen aufweist.





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