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Die Wiederholung der 1970er - zwei Alternativen

15.01.2016  |  Bron Suchecki
Obwohl den Investoren in den Haftungsausschluss-Standardklauseln immer wieder gesagt wird, dass vergangene Kursentwicklungen keine Garantie für zukünftige Kursentwicklungen darstellen, ist es schwer, dem Sirenengesang der historischen Preischarts zu widerstehen. Im Fall von Gold und Silber ist es unmöglich, nicht die Hausse der 1970er Jahre mit den aktuellen Preisbewegungen zu vergleichen, schon allein weil sie so epische Ausmaße hatte und die von Jean-Paul Rodrigue beschriebene Entwicklung von Spekulationsblasen so perfekt widerspiegelt.

Wer auf steigende Goldkurse hofft, würde argumentieren, dass die tiefliegenden Probleme der Wirtschafts- und Finanzsysteme nicht beseitigt wurden und das Goldpreis-Top im Jahr 2011 daher nur ein zwischenzeitliches Hoch darstellt. Somit würde es dem Hoch bei 197,50 USD im Dezember 1975 entsprechen. In Chartform manifestiert sich diese Behauptung folgendermaßen:

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Angesichts der ähnlichen Entwicklung während der ersten Phase des Bullenmarktes scheint diese Annahme gut fundiert zu sein. Die Ausnahme stellt der mit (1) gekennzeichnete Bereich dar, aber das ist nicht weiter schlimm, da es heißt, dass sich die Geschichte reimt, aber nicht wiederholt. Auch die anschließende Korrekturbewegung nach dem Hoch ist mit einem Kursrückgang um 50% und hinsichtlich der relativen Dauer fast identisch.

"Relative Dauer" deutet jedoch auch schon an, wo die Schwäche dieser Analogie liegt: Um die beiden Zeitspannen in einem Chart übereinanderzulegen, muss man die 1970er "ausdehnen", denn der letzte Zyklus dauerte etwa doppelt so lange, wie die vergleichbare Preisentwicklung Mitte der 1970er Jahre. Eine Erklärung dafür könnte das Verhalten der Zentralbanken sein, die mit quantitativen Lockerungen etc. in das Marktgeschehen eingriffen, um eine Korrektur der Finanzmärkte zu verhindern (und damit auch eine entsprechende Reaktion des Goldmarktes auslösten).

Auf Grundlage dieser Chartprojektion ist der Goldmarkt zur Zeit reif für eine neue Hausse, wie der mit (2) markierte Punkt im Chart deutlich macht. Doch während das Verhältnis von 10:1 der aktuellen gegenüber den historischen Kursen und die schwindelerregende rechte Skala von 9.000 USD das Herz der Goldbugs höher schlagen lassen wird, möchte ich darauf hinweisen, dass es im Rahmen dieser Analogie noch fünf Jahre dauern würde, bis Gold irgendwann im Jahr 2020 sein vorheriges Hoch bei 1.900 USD erreicht.

Außerdem will ich an dieser Stelle noch einmal betonen, dass die Geschichte sich nur reimt, aber nicht wiederholt. Die finale Rally gliederte sich in zwei Phasen mit parabolischen Kursentwicklungen, wobei die erste, mit (4) gekennzeichnete Bewegung bei 400 USD endete und die zweite bei 850 USD. Mein Rat ist, zu verkaufen, wenn Sie einen parabolischen Anstieg beobachten, denn es gibt keine Garantie dafür, dass sich alles genauso abspielt, wie beim letzten Mal.

Auf der anderen Seite der Blase ist eine Korrektur von 50% wahrscheinlich. Ihre 4.000 Dollar könnten sich dann ganz schnell in 2.000 Dollar verwandeln, aber nur vielleicht auf 8.000 Dollar anwachsen. Viele von Ihnen werden jetzt hoffentlich weise nicken und denken, dass Sie mit 4.000 Dollar völlig zufrieden wären. Tatsache ist jedoch, dass man zu diesem Zeitpunkt sehr plausibel darlegen wird, warum noch höhere Preise unvermeidlich sind, genau wie damals, als Gold bei 1.900 USD notierte. So ist es nun einmal, wenn eine Blase ihren Höhepunkt erreicht.

Natürlich wäre dies kein typischer, ausbalancierter Blogbeitrag, wenn ich nicht auch die Gegenargumente anführen würde, die den Traum wieder platzen lassen. Betrachten Sie dazu die folgende alternative Analogie.

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Hier ist das zwischenzeitliche Hoch ebenfalls mit (1) gekennzeichnet, doch die Finanzkrise (2) verhinderte eine Korrektur und trieb den Goldpreis auf seinen endgültigen Höchststand. Bei der Abwärtsbewegung können wir nach dem Top eine vergleichbare Bullenfalle bzw. die Leugnung der Trendwende beobachten, bevor der Kurs tatsächlich crasht und seine deprimierende Talfahrt fortsetzt.

In dieser Projektion stimmen die Zeitskalen überein - ein Tag in den 1970ern entspricht einem Tag der 2000er Jahre. Das spricht für diese Art der Darstellung. Demnach müsste Gold 2016 weiter fallen, bevor bei etwa 900 USD ein letztes Tief (3) erreicht wird. Anschließend würde es drei Jahre lang aufwärts gehen, bis auf etwa 1.400 USD (4).

Die Argumentation hinter dieser möglichen Zukunft ist, dass die Probleme des Finanzsystems zwar nicht aus der Welt geschafft wurden und es auch künftig Risiken und Ereignisse geben wird, die dafür sorgen, dass Investmentkapital in den Goldmarkt fließt. Doch die Zentralbanken haben bewiesen, dass sie bereit sind, die Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind, um die Art von wirtschaftlichem Zusammenbruch zu verhindern, der den Goldpreis auf 8.000 USD ansteigen lässt.

Welches dieser Zukunftsszenarien Sie als wahrscheinlicher ansehen, hängt letztlich davon ab, ob Sie glauben, dass die Zentralbanken allmächtig sind. Wenn Sie denken, dass sie die Probleme gelöst haben und/oder das System am Laufen halten können, dann sollten Sie beim kommenden Hoch bei 1.400 USD verkaufen. Wenn Sie der Meinung sind, dass der Kollaps doch noch kommt, dann sollten die beim Tief von 1.000 USD kaufen. Ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Glück, wie auch immer Sie sich entscheiden.


© Bron Suchecki


Der Artikel wurde am 14. Januar 2016 auf research.perthmint.com.au veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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