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Silber wird stärker performen als Gold

16.01.2016  |  Martina Fischer
US-Leitzins prägt die Weltkonjunktur in 2016

Erwartete Fed Maßnahmen von 2016 sind weitgehend eingepreist

In 2015 war wie im Vorjahr das erwartete Auseinanderdriften der Politik der Zentralbanken und Volkswirtschaften zwischen USA und EU das dominierende Thema. Die rasche Aufwertung des USD und Abwertung des EUR vollzog sich vor allem im ersten Quartal, in dem ursprünglich bereits die erste Zinserhöhung der Fed erwartet wurde.

Der EUR markierte im März den tiefsten Stand seit 13 Jahren bei 1,0456 EUR/USD. Die Wirtschaft in den USA erholte sich deutlich langsamer als in der Vergangenheit nach Rezessionen. Nicht zuletzt wird sie die Auswirkungen höherer US-Leitzinsen auf die Weltkonjunktur im Auge behalten. Höhere US-Zinsen in Verbindung mit niedrigeren Zinsen in anderen Volkswirtschaften führen zunächst einmal zu einer Aufwertung des US-Dollars.

Während dies positiv für exportorientierte Nationen ist, erhöht es den Teil der Staatsschulden dieser Länder, der in US-Dollar läuft. Bei einer zu starken und schnellen Aufwertung der US-Währung könnte es hier zu Verwerfungen kommen. Zudem häufen der öffentliche und private Sektor immense Schulden an, welche weit über europäischem Niveau liegen.

Aufgrund dieser beiden Aspekte werden für 2016 lediglich vier kleine Zinserhöhungen der Fed von je ca. 0,25% erwartet. Zwar steht dem in Europa eine EZB entgegen, welche ihre Geldpolitik durch außergewöhnliche Maßnahmen noch weiterhin lockert und voraussichtlich noch bis März 2017 im großen Stil Anleihen kaufen wird. Dennoch sind diese Maßnahmen unseres Erachtens bereits im EUR/USD Kurs eingepreist.

Aus den genannten Gründen besteht eine größere Wahrscheinlichkeit, dass die Fed langsamer als erwartet die Zinsen erhöht. Wir sehen daher im ersten Halbjahr 2016 bei 1,05 EUR/USD gute Unterstützung und den Euro in 2016 seitwärts bis höher notieren.


Knapperes Angebot, Belebung der Nachfrage

Verhaltener Optimismus für die Goldpreis-Entwicklung

Traditionell übt der Dollar den größten Einfluss auf das Gold aus. Auf der Angebotsseite werden sich zunehmend die Auswirkungen des niedrigen Goldpreises zeigen: Während das Angebot von Altgold schon seit einigen Jahren zurückgeht, war die Minenproduktion bislang noch stabil. Einige Analysten schließen hier sogar für 2015 einen neuen Rekord nicht aus. Die Jahre fallender Preise führten dazu, dass viele Goldförderer nicht mehr kostendeckend produzieren können. Minenschließungen und die Einstellung neuer Förderprojekte waren die Folge. Wir erwarten daher 2016 einen leichten Rückgang auf der Angebotsseite.

Auf der Nachfrageseite dominieren unverändert die Schmuckindustrie, Investment und Zentralbanken. Auch wenn die Schmucknachfrage in 2015 rückläufig war, erwarten wir für 2016 eine Belebung: In China, wo zuletzt eher in Aktienmärkte investiert wurde, sehen wir eine Stärkung der chinesischen Schmucknachfrage, da sich die Konjunktur im Reich der Mitte im Lauf des Jahres leicht erholen dürfte. In Indien steigt wohl die Goldnachfrage aufgrund der Reduzierung der Importbeschränkungen. Durch den niedrigeren Ölpreis wird insgesamt Kaufkraft von Volkswirtschaften für das Edelmetall frei.

Bei der Investmentnachfrage sehen wir hinge-gen unter dem Strich eine Seitwärtsbewegung: Auch wenn sich die ETF (Exchange Traded Fund)-Verkäufe verlangsamen sollten, wird das Interesse an Münzen und Barren abhängig vom Preis stark schwanken. Wie zum Jahresende 2015 beobachtet, steigt das Investoreninteresse mit physischer Hinterlegung bei sinkenden Preisen deutlich an. In Seitwärtsphasen oder wenn der Preis steigt, verhalten sich Anleger hingegen zurückhaltend.

Zentralbanken werden auch in 2016 unter dem Strich als Käufer auftreten – im siebten Jahr in Folge. Hierfür verantwortlich sind hauptsächlich die russische und die chinesische Zentralbank gefolgt von den Notenbanken anderer wirtschaftlich aufstrebender Nationen, die ihre Reserven weiter diversifizieren.

Zusammenfassend sind wir für den Goldpreis in 2016 verhalten positiv gestimmt. Vorübergehende Preiseinbrüche könnten den Preis zwar unter die magische 1.000 $/oz - Marke drücken. Dennoch sollte ein Großteil der Preiskorrektur inzwischen hinter uns liegen. Für das erste Halbjahr 2016 erwarten wir eine Handelsspanne zwischen 970 $/oz und 1.250 $/oz.



Silber wird stärker performen als Gold

Gute Nachfrage bei stagnierender Minenförderung

Das vergangene Jahr war für Silber sehr wechselhaft mit einer Eröffnung bei 15,65 $/oz und Schwankungen auf Intradaybasis zwischen 13,65 und 18,50 $/oz, jedoch mit einer Gesamtperformance von minus 11,6%. Die für Silber entscheidende Phase in 2015 lag zwischen Mitte Mai und Ende Juli, als Silber von Kursen über 17 $/oz auf 14,50 $/oz abwertete. Während dieser Zeit hellte sich das konjunkturelle Bild der USA auf und die erwartete restriktivere Geldpolitik in den USA wurde eingepreist.

Wie so oft überzeichnete dabei Silber die negative Performance vom größeren Bruder Gold. Auf Jahressicht jedoch ist das Verhältnis von Gold zu Silber nahezu unverändert, wobei Silber um 1,9% marginal schwächer performte. Das Silver Institute und GFMS erwarteten für 2015 eine stagnierende Minenförderung und zum dritten Mal in Folge ein physisches Angebot-Nachfrage Defizit. Das Thrifting (Reduktion des Silberanteils) im Solarpastenbereich hält weiter an, wird jedoch überkompensiert durch weltweit deutlich höhere Solarzellennachfrage.

Der Verbrauch im Elektroniksektor und in der verarbeitenden Industrie wird vor allem von der konjunkturellen Entwicklung in China abhängen. Insgesamt gehen wir aber von einer weltweit weiter steigenden industriellen Nachfrage aus. Auch in Bezug auf die Schmucknachfrage erwarten wir eine Fortsetzung des positiven Trends. Begründet in der weltweiten konjunkturellen Erholung und einem Soft Landing Szenario für China, sehen wir bei Silber eine etwas bessere Entwicklung als bei Gold. Zudem erwarten wir wieder zunehmendes Investmentinteresse.

Während das Interesse von Privatinvestoren an Barren und vor allem Münzen in 2015 durchweg hoch war und zu Rekordabsätzen führte, erwarten wir in 2016, dass auch das Interesse von Großinvestoren zurückkommt. So gab es in 2015 erstmals seit Bestehen der ETFs deutliche Abflüsse über ca. 16 Mio. Unzen, jedoch zeichnete sich im November eine Bodenbildung ab und mit dem tiefen Preis um 14 $/oz wurden Bestände zunächst wieder deutlich aufgestockt.

Bereits in vergangenen Zinserhöhungszyklen notierten Gold und Silber sechs Monate nach dem ersten Zinsschritt oft höher als zu Beginn des Zyklus‘. Nach der Mitteilung am 16. Dezember besteht nun ein klares Bild und mehr Sicherheit über den Zinspfad der Fed in 2016. Danach ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Fed dosiert mit Zinserhöhungen agiert. Das dürfte zusätzlich dazu beitragen, dass Silber wieder höher notieren kann. Im ersten Halbjahr erwarten wir für Silber Kurse zwischen 12,50 $/oz und 17,00 $/oz, im Durchschnitt bei 15,25 $/oz.


Platin mit 7 Jahrestief in 2015

Weiter niedrige Platinpreise in Aussicht

2015 war kein gutes Jahr für Platin: Das Metall startete mit 1.210 $/oz und verlor im Laufe des Jahres ganze 31% an Wert. Für diese schwache Entwicklung waren bekannte Treiber im vergangenen Jahr verantwortlich: Stagnierender Bedarf, hohe Vorräte, Auflösung von ETF Beständen, zu erwartende Zinsentscheidungen sowie der sich abschwächende chinesische Markt und der starke USD. Diese werden auch 2016 für die Richtung des Metalls maßgeblich sein.

Dagegen waren VW und der Emissionsskandal bestimmendes Thema im 3. Quartal 2015, wobei die Auswirkungen auf den Markt eher unklar sind. Die Meinungen bewegten sich zwischen Abgesang auf die Dieseltechnologie mit sinkendem Platinbedarf und höherem Platinbedarf aufgrund künftig höherer Edelmetallbeladung zur Einhaltung der Abgasgrenzwerte. Nach der Erholung vom Streik 2014 steht die Minenindustrie in Südafrika seit letztem Jahr aufgrund fallender Platinpreise unter Druck.

Allen voran leiteten Anglo, Impala und Lonmin Maßnahmen zur Existenzsicherung ein, die von Umstrukturierungen über Schachtschließungen mit Entlassungen bis zu Kapitalerhöhungen reichen und auch 2016 wirksam werden. Ein erhöhtes Angebot der Minen mit erwarteten 4,3 Mio. oz in diesem Jahr wäre zugleich die höchste Produktionsmenge seit 2011, welche auf eine ähnliche Nachfrage wie 2015 treffen wird.

Der Markt befindet sich daher nicht in einem Defizit, sondern in einem Angebotsüberschuss. Da zur Zeit 80% der südafrikanischen Minen aufgrund des Preisniveaus Geld verlieren, versucht man, die Mineneinnahmen auf niedrigem Preisniveau zu sichern. Dagegen reduzierte sich das Platin Recyclingvolumen um 13%. Interessant für die weiteren Kostenstrukturen der südafrikanischen Minen bleibt der Wechselkurs USD/ZAR.




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