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Erleichterung nach China-Daten

19.01.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Ölpreise legen nach besser als befürchtet ausgefallenen chinesischen Konjunkturzahlen (siehe Industriemetalle) deutlich zu. Brent steigt um 3% auf 29,5 USD je Barrel, WTI um gut 1% auf 29,8 USD je Barrel. Der deutlich geringere Anstieg bei WTI erklärt sich mit dem gestrigen Feiertag in den USA, weshalb der Preisrückgang von gestern noch nicht im Preis berücksichtigt war. Reuters-Berechnungen zufolge stieg die implizite Ölnachfrage Chinas (Rohölverarbeitung plus Netto-Importe von Ölprodukten) im letzten Jahr um 2,5% auf ein Rekordniveau von 10,32 Mio. Barrel pro Tag.

Allerdings kam es im Dezember trotz kräftig gestiegener Rohölimporte zu einem Rückgang um 1,3% auf 10,46 Mio. Barrel pro Tag. Dies lässt darauf schließen, dass ein Teil des importierten Rohöls in den Lageraufbau gegangen ist bzw. in Form von verarbeiteten Ölprodukten wieder exportiert wurde. Der Iran hat erwartungsgemäß angekündigt, seine Ölproduktion um 500 Tsd. Barrel pro Tag zu erhöhen. Das Überangebot wird dadurch kurzfristig noch größer.

Die OPEC erwartet für dieses Jahr allerdings einen Rückgang des Nicht-OPEC-Angebots um 660 Tsd. Barrel pro Tag, die Internationale Energieagentur um 600 Tsd. Barrel pro Tag. Dies würde zumindest etwas Raum für iranisches Öl geben, da die globale Ölnachfrage in diesem Jahr laut IEA um 1,2 Mio. Barrel pro Tag steigen soll. Das Überangebot auf dem nordamerikanischen Markt hat einige lokale Ölpreise auf absurd niedrige Niveaus fallen lassen.

Wie das deutsche Onlineportal Spiegel Online berichtet, wurde für eine saure Ölsorte in Nord-Dakota von einer Raffinerie am Freitag nur noch 1,5 USD je Barrel bezahlt. Kanadischer Bitumen handelt bei weniger als 10 USD je Barrel.


Edelmetalle

Gold steigt am Morgen trotz eines etwas festeren US-Dollars auf rund 1.095 USD bzw. gut 1.000 EUR je Feinunze. Im Fahrwasser von Gold legt Silber auf knapp 14,2 USD je Feinunze zu. Die schwächere Wirtschaftsdynamik in China (siehe Industriemetalle) trägt offenbar zu einem anhaltend hohen Interesse an Gold bei. Dies spiegelt sich neben hohen ETF-Zuflüssen seit Jahresbeginn auch in robusten Münzverkäufen wider.

Die US-Münzanstalt hat im Januar bislang 75 Tsd. Unzen Goldmünzen und 4 Mio. Unzen Silbermünzen verkauft. Im Falle von Gold entspricht dies fast dem gesamten Januar-Wert des letzten Jahres. Allerdings scheint das Goldinteresse nicht allerorten so hoch. Denn wie Daten der Istanbuler Goldbörse zeigen, hat die Türkei 2015 lediglich 48,7 Tonnen Gold importiert. Dies waren 63% weniger als im Vorjahr. Die Silberimporte stiegen dagegen im Jahresvergleich um fast 15% auf 260,9 Tonnen.

Platin und Palladium erholen sich etwas von ihren vorangegangenen deutlichen Verlusten. Platin legt heute Morgen wieder auf 830 USD je Feinunze zu, nachdem gestern mit 818 USD der tiefste Stand seit Dezember 2008 verzeichnet wurde. Palladium erobert zumindest vorerst wieder die Marke von 500 USD je Feinunze zurück. Die starken Fahrzeugverkaufszahlen in allen wesentlichen Absatzregionen rechtfertigen unseres Erachtens deutlich höhere Preise.

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Industriemetalle

Unterstützt durch feste chinesische Aktienmärkte setzen die Metallpreise ihre gestrige Erholungsbewegung fort und legen heute Morgen allesamt zu. Mit einem Plus von zeitweise 2% auf 4.480 USD je Tonne ist Kupfer dabei der größte Gewinner. Wie das Nationale Statistikbüro heute berichtete, ist die chinesische Wirtschaft im Gesamtjahr 2015 wie erwartet um 6,9% gegenüber Vorjahr gewachsen. Dies war zwar das geringste BIP-Wachstum seit dem Jahr 1990 und die Dynamik hat zudem das fünfte Jahr in Folge merklich nachgelassen.

Offenbar haben einige Marktteilnehmer aber Schlimmeres befürchtet, so dass die nun veröffentlichten Daten ausreichen, um zu Preissteigerungen zu führen. Unsere Volkswirte gehen davon aus, dass sich die chinesische Wirtschaft 2016 weiter abkühlt - sie erwarten ein BIP-Wachstum von 6,3% -, es wird aber nicht zu einem Crash kommen. Gründe für die weitere Abkühlung sind die noch steigenden Schulden der Industrieunternehmen, der hohe Überhang an unverkauften Immobilien und Finanzmarktrisiken.

Aber auch ein Wachstum von "nur" 6,3% sollte zu einer soliden Nachfrage nach Rohstoffen im Allgemeinen und Metallen im Speziellen beitragen. Wir sind daher von steigenden Preisen überzeugt, zumal das Angebot von vielen Metallen in diesem Jahr wohl deutlich eingeschränkt wird. Für nachhaltig höhere Preise bedarf es allerdings auch eines Stimmungsumschwungs der Finanzinvestoren. Diese waren bis zuletzt noch äußerst pessimistisch positioniert.


Agrarrohstoffe

Unerwartet gute Verarbeitungszahlen aus Europa geben den Kakaopreisen neuen Schwung. Diese waren zuvor in London auf ein 4½-Monatstief und in New York auf ein 8-Monatstief gefallen. Nach Angaben der Europäischen Kakaovereinigung ECA wurden im vierten Quartal 2015 6% mehr Kakaobohnen verarbeitet als im selben Quartal des Vorjahres und mit 342,4 Tsd. Tonnen die höchste Menge seit dem ersten Quartal 2014.

Besonders stark war der Anstieg in Deutschland mit +21,6%. Damit stieg Deutschlands Verarbeitung im Gesamtjahr 2015 um gut 10%, die europäische Verarbeitung um 1,7%. Und dies trotz des hohen Preisniveaus, nachdem die Preise zwischen Anfang 2013 und Ende 2015 um 60% auf über 2.300 GBP je Tonne gestiegen waren und erst zu Beginn des neuen Jahres einbrachen. Die Verarbeitung von Kakaobohnen ist allerdings nicht mit der Endnachfrage nach Kakao(produkten) gleichzusetzen.

Es bleibt zudem abzuwarten, ob die noch anstehenden Verarbeitungsdaten aus Nordamerika und Asien ähnlich robust ausfallen. Die hohe Kakaoverarbeitung in Deutschland ist nicht nur angesichts der hohen Preise bemerkenswert. Denn die Verarbeitung findet vermehrt in den Produktionsländern statt, und die Elfenbeinküste hat die Niederlande als größten Verarbeiter abgelöst. Es ist unwahrscheinlich, dass die Preise auf die alten Höhen zurückkehren. Denn obwohl 2015/16 mit einem Defizit am Kakaomarkt gerechnet wird, ist der Blick auf 2016/17 nach dem Abklingen des Wetterphänomens El Nino entspannter.




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