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EZB mit Ratssitzung - Märkte nervös

21.01.2016  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.00904 (08.06Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0867 im asiatischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 116.70. In der Folge notiert EUR-JPY bei 127.20. EUR-CHF oszilliert bei 1.0940.

Kleine Aufwärtsbewegungen werden aktuell an den Anleihe- und Aktienmärkten dazu genutzt, um Positionen abzubauen. Dies war auch gestern wieder der Fall.

Gesamtökonomische Sorgen, ausgelöst von China und immer weiter fallenden Rohstoffpreisen - insbesondere Öl - schüren Ängste vor einem schwachen Jahr 2016, weshalb Risiken global in allen Anlageklassen abgebaut werden. Zuletzt kamen auch noch Peripherie-Anleihen aus Europa dazu. Italiens Banken schlagen sich mit zweifelhaften Krediten herum, während in Spanien und Portugal die zukünftige Ausrichtung der Politik Sorgen bereitet.

Dazu kommen von deutscher Seite weiter keine Zeichen, dass sich in der Handhabe der Flüchtlingsströme etwas geändert wird, während Österreich gestern ab sofort einen deutlich strikteren Umgang mit Flüchtlingen ankündigte und den Dialog mit der Europäischen Union suchte. Auch diese Thematik spielt in einen ohnehin angeschlagenen Markt hinein.

Dabei zeigen sich EU-Daten weiterhin robust. Im Jahr 2015 ist die PKW-Produktion im Vereinigten Königreich um 3,9 Prozent größer als im Vorjahr ausgefallen und insgesamt so stark wie seit 2005 nicht mehr. Wenn auch die gesamte Industrie in UK nicht wieder auf das Vorkrisenniveau gekommen ist, ist die Autoindustrie ein Leuchtturm dieses Sektors auf der Insel. Die Nachfrage aus der restlichen EU stieg dabei um über 11 Prozent stark an. Hoffentlich vergessen die Briten bei dem anstehenden "Brexit-Referendum" nicht, mit wem die Insel engen bilateralen Handel treibt und wer für Wachstum sorgt …

Auch Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas, zeigt sich mit einer robusten Industrie. Das INSEE-Barometer für das Geschäftsklima verharrte im Januar den dritten Monat in Folge bei 102 Punkten, wie heute Morgen mitgeteilt wurde. Das Barometer liegt damit weiter über seinem langfristigen Durchschnittswert von 100 Punkten.

Während Europas Länder wieder langsam aber sicher durch Reformen zu Stärke zurückfinden, wächst die Sorge um Länder mit starker Ausrichtung auf Ölexporte beachtlich.

Während Saudi-Arabien seine Haushalsdefizite mindestens ein halbes Jahrzehnt aus Währungsreserven ausgleichen kann, sieht es für viele andere ölexportierende Länder düster aus. In Venezuela, dem Land mit der höchsten Inflation weltweit und in Nigeria, das ebenfalls keine Kontrolle über den Außenwert seiner Währung mehr hat, spitzt sich die Lage zu.

Venezuela versucht verzweifelt die OPEC-Größen durch Anberaumung eines außerordentlichen Treffens zu beeinflussen. Nur wenn die Ölpreise bald wieder steigen sollten, besteht die Chance, dass diese Länder einen Ausweg finden. Aber danach sieht es wohl nicht aus. Die OPEC wird von den Saudis dominiert, die aktuell nicht die Fördermengen ändern werden, während gleichzeitig mit Iran ein big Player an den Ölmarkt zurückkehrt.

Trotz des Verfalls des schwarzen Goldes haben Brasiliens und Canadas Notenbank ihre Leitzinsen nicht weiter gesenkt.

Davon gehen wir auch heute nicht auf der anstehenden EZB-Ratssitzung aus. Zwar werden sich auch hier Spuren des Preisverfalls im Wording von Mr. Draghi bemerkbar machen, aber expansive Maßnahmen sind nicht zu erwarten. Dafür ist der Widerstand im EZB-Rat (noch) zu groß. Die Wahrscheinlichkeit für ebensolche Maßnahmen ist aber in den vergangenen Wochen erneut angestiegen und wird demnächst durch voraussichtlich rückläufige Inflationsraten begleitet. Auf der heute um 14.30 Uhr anstehenden Pressekonferenz dürfe es trotzdem wieder turbulent zugehen, wir rechnen mit heftigen Marktschwankungen.

Die Daten aus den USA zeigten keinen klaren Pfad.

Der US-Wohnungsmarkt zeigte zum Jahresende 2015 ein gemischtes Bild. Auch im vergangenen Jahr zeigte sich, dass der Trend in den USA stärker zu Mehrfamilienhäusern hingeht. Während Einfamilienhäuser um 6,1 Prozent zulegten, steigerten sich die Baubeginne von Mehrfamilieneinheiten um über 8,6 Prozent.

Neubaubeginne gaben um -2,5% auf annualisierte 1,149 Mio. nach.

Baugenehmigungen nahmen um -3,9% auf 1,232 Mio. ab.

Als prosperierende Region zeigte sich im Dezember der Nordosten wo die Bauprojekte um 24,4 Prozent zulegten und deutlich um 44,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr lagen. Als Gesamtfazit bleibt für den US-Immobilienmarkt festzuhalten, dass der Markt die Dynamik aus der ersten Jahreshälfte in den zweiten 6 Monaten nicht mehr halten konnte. Aber Dank 1,11 Millionen Wohnungsbauobjekten im Gesamtjahr fiel die Zahl so gut aus wie seit 2007 nicht mehr.

Im Berichtsmonat November waren die US-Verbraucherpreise überraschend mit -0,1 Prozent rückläufig, während sich zum Vorjahr eine Zunahme von 0,7 Prozent einstellte. Da mit einem Preiswachstum von 0,8 Prozent gerechnet wurde, sind die Daten als leichte Enttäuschung zu bewerten.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.0520 - 50 neutralisiert den positiven Bias.

Viel Erfolg!


© Moritz Westerheide
Bremer Landesbank



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