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Erfrischende SNB - EZB sorgt für Euro-Schwäche

22.01.2016  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.0830 (06.50 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0776 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 118.10. In der Folge notiert EUR-JPY bei 127.90. EUR-CHF oszilliert bei 1.0925.

EZB-Präsident Draghi hat die Tür für eine weitere Lockerung der Geldpolitik im März geöffnet. In der Folge brach der Euro gegenüber dem USD auf bis zu 1.0776 ein. Draghi betonte, dass die EZB keine Devisenpolitik betreibe. Faktisch mag man zu einem anderen Urteil kommen.

Der EZB-Rat macht sich wegen des Ölpreis-Verfalls, der Konjunkturschwäche einiger Schwellenländer und der Schwankungen an den Finanzmärkten, die Draghi selbst letztes Jahr prognostizierte und auch Folgen der westlichen Zentralbankpolitik sind, Sorgen. "Mit dem Start des neuen Jahres haben sich die Risiken noch einmal verstärkt, dennoch setze sich der Aufschwung der Eurozone fort", sagte Draghi.

Fakt ist, dass die EZB den Aufschwung der Eurozone seit 2013 latent unterschätzte und von Risiken sprach. Der Begriff Chance in Verbindung mit den umgesetzten Reformen (Aristoteles) fehlte latent. Das nehmen wir zur Kenntnis und wenden uns einem anderen Zentralbanker zu, der mit der Thematik Ölpreisverfall sachlich vollkommen anders umgeht.

"Ich sehe im Moment kein wirkliches Deflationsrisiko", sagte SNB-Chef Jordan. Gründe für die negative Inflation in der Schweiz seien vielmehr der niedrige Ölpreis und die sinkenden Preise für Importgüter, sagte Jordan. Diese Einflussfaktoren könne die Notenbank mit ihren geldpolitischen Maßnahmen nicht kurzfristig ausgleichen. "Es braucht über die Zeit dann eine Korrektur, so dass die Inflation wieder in den positiven Bereich zurückkehrt", sagte Jordan.

Wir stimmen Herrn Jordan zu. Weder Herr Jordan noch der EZB-Rat wird durch Aufkäufe von Anleihen und anderen Aktive den Öl- oder Kupferpreis bewegen können. Wir empfehlen darüber hinaus, dass man analysieren sollte, ob der Ölpreisverfall durch steigendes Angebot und/oder sinkende Nachfrage ausgelöst wurde.

• Fakt ist, dass die Nachfrage nach Öl 2015 stieg und weiter steigt. Würde die Nachfrage sinken, würden Sorgen auf ersten Blick begründet sein.

• Fakt ist, dass neue Technologien immer energieeffizienter werden und fossile Energieträger durch Alternativen ersetzt werden. Damit verliert der Ölpreis als Konjunkturindikator auch seine Aussagefähigkeit im Zeitreihenvergleich! Das ist der 2. Blick und der ist extrem wichtig!

• Fakt ist, dass der niedrige Ölpreis gerade für die Eurozone eine Stimulanz für den Binnensektor darstellt.

• Fakt ist, dass die Produzenten ihre Förderung in dieser Preiskrise prozyklisch und damit die Krise verschärfend erhöhten, um in der Lage zu sein, Cash-Flows zu generieren, die es ermöglichen Kredite zu bedienen (u.a. Fracking/Shale). Das ist ein endliches Spiel. Je länger dieses Preisniveau anhält, desto mehr Player werden ausscheiden mit der Folge von Angebotsverkürzungen (= Schwäche hat keine nachhaltige Trendfähigkeit!).

• Fakt ist, dass nur der arabische Raum und Russland mit operativen Kosten unter 20 USD pro Fass Öl, dieses Niveau dauerhaft ertragen können.

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• Fakt ist, dass vor diesem Hintergrund der Preisverfall am Ölmarkt ein temporäres Phänomen darstellen wird.

• Fakt ist, dass der Blick auf aktuelle Öl-Lagerdaten bezüglich des potentiell nachhaltigen Trends als maßgebliche Einflussgröße mehr irritiert als leitet.

Wir hoffen sehr, dass wir mit diesen Einlassungen der sachlichen und Ziel orientierten Diskussion in allen Zirkeln auf die Sprünge helfen konnten und sind grundsätzlich massiv von den Debatten und Analysen der jüngsten Zeit irritiert.

Das Verbrauchervertrauen sank in der Eurozone laut Erstschätzung der EU-Kommission von -5,7 auf -6,3 Punkte. Die globale Unsicherheit und die Flüchtlingskrise sind die Katalysatoren. Der Chart belegt, dass dieses Niveau im Zeitreihenvergleich nicht prekär ist.

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© Reuters


Die US-Arbeitslosenerstanträge legten in der letzten Berichtswoche unerwartet von 283.000 auf 293.000 zu und markierten damit den höchsten Stand seit März 2015. Wir verweisen darauf, dass ein Vergleich mit historischen Daten ambitioniert ist, da unter anderem zu großen Teilen in den letzten Jahren Anspruchsgrundlagen verfallen sind.

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© Reuters


Der Philadelphia Fed Business Index legte per Januar von zuvor -10,2 auf -3,5 Punkte zu. Die Prognose lag bei -5,0 Zählern. Damit hat die Dynamik des Konjunktureinbruchs abgenommen. Fakt ist, dass dieser Index den fünften Monat in Folge fortgesetzte Kontraktion impliziert.

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© Reuters


Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.0520 - 50 neutralisiert den positiven Bias.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank



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