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Wachstum lahmt, Risiken steigen

25.01.2016  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Zusammenfassung:

  • Die Weltwirtschaft zeigt zwar Schwäche, aber sie wird vermutlich auch in 2016 expandieren.
  • Die wirtschaftliche Entwicklung in China könnte noch zu einer ernsten Störquelle für die Weltkonjunktur werden.
  • Die expansiven Geldpolitiken halten die Konjunkturen in Gang. Sie sorgen dabei jedoch für Fehlentwicklungen, die neue Krisen verursachen werden.
  • Der Verfall der Rohstoffpreise - als Folge von Überkapazitäten - übt einen starken Abwärtsdruck auf die Verbraucherpreise aus ...
  • … und führt zu einer folgenreichen Einkommensumverteilung: Konsumenten-Länder gewinnen, Produzenten-Länder verlieren.
  • Die "Zinswende", auf die viele Anleger hoffen, lässt auf sich warten (wie S. Becketts "Godot"). Die Zentralbanken halten die Zinsen niedrig, …
  • … und es ist sogar damit zu rechnen, dass die Politik des Negativzinses noch aggressiver eingesetzt wird - zum Leid der Sparer.
  • Im globalen Finanz- und Wirtschaftssystem bauen sich weiter Risiken auf. Gold ist eine Versicherung mit Preissteigerungspotential gegen die Folgen.
  • In 2016 schätzen wir den jahresdurchschnittlichen Goldpreis auf 1.145 USD/oz, den jahresdurchschnittlichen Silberpreis auf 14,6 USD/oz.


Herausforderungen für Anleger

Das Jahr 2016 hat für die Anleger mit Paukenschlägen begonnen: Die Rohstoff-preise sind stark rückläufig, und insbesondere die Rohölpreise fallen auf Niveaus, die zuletzt in 2002 zu beobachten waren.(1) Die Regionen im Mittleren und Nahen Osten werden dadurch wirtschaftlich besonders schwer getroffen - und das dürfte die ohnehin instabilen Verhältnisse weiter dramatisieren. Europa - noch arg geschwächt von der schwelenden Eurokrise - sieht sich jetzt mit einer nie dagewesenen Flüchtlingsflut konfrontiert und wird zudem auch noch heimge-sucht von einer neuen Dimension des Terrors. Die Konjunkturverlangsamung in China - der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt - befördert nun die Sorge vor einer weltweiten Wirtschaftsabschwächung.

Es ist also kein einfaches Umfeld für Anleger, die sich ohnehin schon in einem schwierigen Umfeld zurechtfinden müssen, weil die Zentralbanken die Zinsen auf Rekordtiefstände gedrückt haben. Die Folgen sind weitreichend. Traditionelle Sparformen wie Bankeinlagen und kurzlaufende Anleihen werfen de facto keine Rendite mehr ab - beziehungsweise sind nach Abzug der Teuerungsrate vielfach zum Verlustgeschäft geworden. Gleichzeitig verzerrt der künstlich niedrig gedrückte Zins, für den die Zentralbanken sorgen, im Grunde alle Preise in der Volkswirtschaft. Er bläht die Finanzmarktpreise auf. Und er sorgt für einen instabilen "Scheinaufschwung", der Kapitalfehllenkungen bewirkt und früher oder später wieder eine "harte Landung" bringen wird.

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Quelle: Bloomberg. *Ermittelt aus Goldpreis (USD/oz) und handelsgewichtetem Außenwert des US-Dollar. Der September 2011 wurde auf 1.900 indexiert (hier erreichte der US-Dollar-Preis des Goldes seinen bisherigen Höchststand von 1.900 pro Feinunze).


Im Folgenden sollen einige Entwicklungen näher betrachtet und bewertet werden, die - wie wir meinen - für Anleger von besonderer Bedeutung sein werden. Es wird deutlich werden, dass es nicht nur "Schatten", sondern auch "Licht" in der Weltwirtschaft gibt. Unsere Analyse zeigt, dass eine Wiederholung der Krise à la 2008/2009 - ein Rückfall der Weltwirtschaft in einen heftigen "Bust" - nicht sehr wahrscheinlich ist.

Zwar gibt es Zeichen der Konjunkturverlangsamung - nicht nur in China, sondern beispielsweise auch in den Vereinigten Staaten von Amerika -, aber die Niedrigzinspolitiken der Zentralbanken, verbunden mit dem Monetisieren der Schulden, wirken einem Einbruch von Produktion und Beschäftigung entgegen. Die Kehrseite dieses Szenarios ist, dass die Volkswirtschaften unter dieser Politik nicht etwa "gesunden", wie vielfach zu hören ist, sondern dass durch sie notwendige Reformen und Bereinigungen im Wirtschafts- und Finanzsystem abgeschwächt, verschleppt oder sogar verschlimmert werden.

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Quelle: Thomson Financial; eigene Schätzungen. Ab 2015 geschätzt bis 2017


Störfeuer aus China

Chinas Wirtschaft lahmt. Das ist zum einen nicht überraschend. Denn mit dem steigenden Entwicklungsgrad der Volkswirtschaften nimmt meist auch ihr (Trend-)Wachstum ab. Allerdings folgt die Konjunkturverlangsamung, die in China um sich greift, auf einen fulminanten "Kreditboom", in der die Wirtschaft angeheizt wurde durch das starke Vermehren der Kredit- und Geldmengen. Das erhöht wiederum die Gefahr, dass China einer "harten Landung" entgegenläuft. In jedem Falle ist die lahmende Konjunktur in China folgenreich für die Weltwirtschaft. Denn China ist mittlerweile zur weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft aufgestiegen, und zusehends eng in die internationale Arbeitsteilung und den Güterhandel integriert.

Zudem sind die Chinesen die bedeutendsten Nachfrager auf den internationalen Rohstoffmärkten. Die Konjunkturschwäche in China verdunkelt daher Aussichten für alle Regionen, die ihre Waren nach China exportieren. Dazu zählen beispielsweise Autobauer und Produzenten von Investitionsgütern in Deutschland beziehungsweise Europa. Vor allem aber leiden unter der chinesischen Konjunkturschwäche die Rohstoff exportierenden Regionen der Welt: ihnen brechen sprichwörtlich die Einnahmen weg. Bleiben die Rohstoffpreise niedrig, ist ihr "Geschäftsmodell" in Frage gestellt. Doch der Verfall der Rohstoffpreise hat nicht nur negative, sondern auch positive Seiten.

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Quelle: Thomson Financial. *“Li Ke Qiang Index. **In US-Dollar


In den Ländern, die Rohstoffe importieren beziehungsweise die sie verbrauchen, sinken die Kosten: Für Unternehmen und Verbraucher wirken niedrige Rohstoff-preise quasi wie eine Steuersenkung, die die verfügbaren Einkommen steigen lässt. Langfristig gesehen ist der Rohstoffpreisverfall zweifelsohne positiv - der Wohlstand baut darauf auf, dass das Angebot von Gütern steigt und ihre Preise sinken.


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