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Geldtheoretisches

01.02.2016  |  Christian Vartian
Die Bank of Japan hat überraschend im dritten Tier einen Negativzins eingeführt, um als Begleitung zu ihrem unveränderten QE den Kurs den JPY etwas zu senken. Dies gelang etwa im gleichen Ausmaß wie es der SNB gelang, vorderhand ohne Massnahmen, den Kurs des CHF spürbar zu schwächen:

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Leichte Erholung in der Liquidität, aber ohne echte Zugabe von Liquidität bestimmten die Woche. US-GDP mit 0,7% vs. 0,8% Konsensus. FED hielt die Füsse still und erhöhte Zinsen nicht weiter.

Für Volatilität sorgten andere: Kuweit, Saudi Arabien und Russland trugen mit zuerst vorgetragenen, verschiedenen Gerüchten über eine Drosselung der Ölförderung, worauf Dementis und Abschwächungen folgten, zu einer wilden Volatilität beim Ölpreis bei, welche alle anderen Assets mitriß und Traden zum Glückspiel, Investieren und Hedgen bei Bedarf aber viel ruhiger machte.

Hier Gold und Aktien als Beispiel:

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Es ist daher genug Raum in dieser Publikation um eine öffentlich an mich gestellte Frage zu beantworten, welche in der Folge einer veröffentlichten Diskussion unter meiner Teilnahme gestellt wurde:

Die FRAGE: "Auch ich finde dieses Gespräch überaus lehrreich und interessant. Ein Gleichungssatz jedoch erschliesst sich mir nicht

Monarchie = Goldstandard
Monarchieschaffer = Inflation, da in Sachwerte investiert
Inflationisten kreiieren Anhänger des Goldstandards?"

Die ANTWORT: Man muss hier 4 Dimensionen betrachten:

1) Ein Goldstandard-M0-Geldsystem inflationiert immer* und es inflationiert immer sehr schwach und zwar in etwa um den Zuwachs des oberirdischen Goldes von 1,2% bis 2% pro Jahr. Da Gold als Warengeld Schulden ganz löscht (SEINE NACH MEINER ANSICHT WICHTIGSTE FUNKTION- FORDERUNGSBEREINIGUNG), gibt es in einem solchen System auch kaum "Bilanzgrößenmangel" = Überschuldung und daher wenige Kontraktionsstrecken im Kreditgeld (das gibt es auch im Goldstandard, nur weniger), sodass Deflationsperioden fast ganz ausgeschlossen werden können. Vollkommen ausgeschlossen sind in einem solchen System Starkinflationen.

Ein ideologischer Deflationist ist daher GEGEN den Goldstandard und ein ideologischer Starkinflationist ist auch GEGEN den Goldstandard.

2) Menschliche Eigenschaften:

Der Mensch neigt persönlich und politisch dazu, das abzulehnen, was er übertrieben findet.

In einer völlig homogenen Gesellschaft sehnt man sich nach exotischen Reisen und Filmen (so in den 1950-igern), in einer Situation, wo man Fremdes in hohen Dosen und hoher Geschwindigkeit serviert bekommt, nach Heimat und Homogenität….

Auch beim Geldsystem ist das nicht anders:

a) In einem (wie heute) Forderungsgeldsystem sehnt man sich - FALLS es dauernd stark und störend INFLATIONIERT (wie meistens) nach SOLIDITÄT des Geldes - typischerweise Golddeckung und nach Solidität der Politischen Führung- in Extremis hier Monarchie.

b) In einem (wie heute) Forderungsgeldsystem sehnt man sich - FALLS es stark und störend DEFLATIONIERT (wie gerade jetzt oder 1932…) nach HEGELIANISCH AUTORITÄRER FÜHRUNG und Geldschaffung - typischerweise Mussolini- Stil oder, falls nationaldemokratisch, Keynesianismus mit starken, antikonservativen Führerfiguren, gewählt oder nicht. Hier ist Nachschlagen in der Faschistischen Wirtschaftsgeschichte Italiens ab 1925 unter Giuseppe Volpi empfohlen, um ein Gefühl für den typologischen Extremfall zu erhalten

vereinfacht: https://de.wikipedia.org/wiki/Benito_Mussolini#Wirtschafts-_und_Sozialpolitik

Es ist auch völlig klar, dass wenn Forderungsgeld wie der heutige US-Dollar so stark weltweit steigt gegen Assets wie heute, niemand an dessen Wert zweifelt, daher den Forderungs-USD auch nicht ablösen will, sondern der dringende Bedarf besteht, MEHR davon zu erschaffen. Deflation führt daher selbstverständlich NICHT zum Bedarf nach der Einführung eines Goldstandards (*übrigens zu Unrecht nicht, aber das versteht die Masse nicht: Ein Goldstandard beseitigt nämlich Deflation)

Selbstverständlich ist es so, dass wenn Forderungsgeld wie der US-Dollar 2003-2006, 2011 stark weltweit sinkt gegen Assets, man an dessen Wert zweifelt, und der Bedarf wächst, diesen durch einen Goldstandard abzulösen, weil dieser "Solidität" und "Stabilität" verkörpert; siehe u. a. Goldpreis- ATH in USD in 2011.

3) Soziologisch- regionale Wirkungen von Inflation vs. Deflation:

INFLATION führt zu:

• Anstieg der Preise von Sachwerten
• Anstieg der Preise von Land (oft das Hauptvermögen von Aristokraten)
• Anstieg der Preise von Land-, Vieh-, Forstwirtschaftlichen Produkten (oft oft das Hauptvermögen von Aristokraten)
• Anstieg der Preise von Peripherie versus der Preise im Core, typischerweise messbar an Höchstständen von Aktienindizes der BRICS vs. derer der USA oder Höchstständen der Preise von Villen im Suburb vs. der Preise von Innenstadtwohnungen
• Daher zu Machbarkeit und Attraktivität von DEZENTRALISMUS. Dezentralismus ist wiederrum die Grundlage aller libertären Systeme.

DEFLATION führt zu:

• Sinken der Preise von Sachwerten
• Sinken der Preise von Land (oft das Hauptvermögen von Aristokraten)
• Sinken der Preise von Land-, Vieh-, Forstwirtschaftlichen Produkten (oft das Hauptvermögen von Aristokraten)
• Sinken der Preise von Peripherie versus der Preise im Core, typischerweise messbar an Höchstständen von Aktienindizes der USA vs. derer der BRICS oder Höchstständen der Preise von Innenstadtwohnungen vs. Villen im Suburb.
• Daher zum Zwang zum ZENTRALISMUS. Zentralismus ist wiederrum die Grundlage aller Hegelianischen Systeme (National-demokratische, Faschistische, Kommunistische…)

4) Was braucht man, um den Bedarf nach etwas zu erzeugen?:

a) Wenn man einen Goldstandard ggf. mit Monarchien einführen wollte:

In einem Forderungsgeldsystem neigen Konservative grundsätzlich zu Sachwerten, das können Immobilien sein, Edelmetalle, Sammlungen, Kunst, gewisse Aktien…. Aristokraten sogar überwiegend zu Landwirtschafts- und Landbesitz…

Sie tun dies deshalb, weil sie dem künstlichen Kreditgeldsystem mit über die meisten Zeitstrecken negativer Realverzinsung nicht trauen.

Auch die Erfahrung der letzten 20-30 Jahre weist den Weg in die Sachwerte.

Wollte man in einem (auch M0) Forderungsgeldsystem, also in einem System wie heute daher den Wunsch nach einem Goldstandard und einer Monarchie schüren, wäre das Einfachste, eine starke Inflation (10-25% jährlich) zu erzeugen, damit das Volk nach SOLIDITÄT ruft.

Angenehme Nebenwirkung: Sowohl die Finanzanlagen der Konservativen wie der meisten Aristokraten würden schon auf dem Weg mehr wert, da sie direkt mit der Inflation steigen.

Nach der Einführung eines Goldstandards würde sich die Inflation dann auf 1,2-2% pro Jahr automatisch kalmieren.

b) Wenn man einen Hegelianischen Autoritärstaat einführen wollte:

In einem Forderungsgeldsystem neigen Konservative grundsätzlich zu Sachwerten, das können Immobilien sein, Edelmetalle, Sammlungen, Kunst, gewisse Aktien… .Aristokraten sogar überwiegend zu Landwirtschafts- und Landbesitz…

Deren Macht muß gebrochen werden, also müssen ihre Assets durch Deflation sinken oder crashen.

Arbeitslosigkeit muß zum Problem werden, damit man nach Arbeitsbeschaffungsprogrammen ruft. In Extremis muß am Land die Arbeitslosigkeit enorm hoch sein, um die Massen in die zentralistische Städte zu treiben, wo es noch Arbeit gibt. Einsparwut muß herrschen, damit die Infrastruktur verkommt usw., Kriminalität nützt auch...

So kreiert man die Sehnsucht nach dem Hegelianischen starken Zentralstaat und seinen "Hilfsprogrammen" in Extremis Suppenküche, jedenfalls aber staatliche Arbeitsbeschaffungsprogramme, extreme Sicherheitsgesetze usw.

Nach der Machtergreifung durch den Hegelianischen Zentralstaat druckt dieser immer mehr Geld und geht dann, falls autoritär ungehemmt, zum Staatsgeldsystem über, wo die Inflation hoch und kaschiert ist. (Bsp.: NAZI-Deutschland war 1938 faktisch konkursreif). In der pseudo- marktwirtschaftlichen Variante neigt so ein System dann in weiterer Folge zum Krieg, in der offen planwirtschaftlichen Variante zum Kommunismus.

c) Wenn man einen demokratischen Sozialstaat erhalten will:

Achtet man penibel auf Inflationsraten zwischen 4 und 8% jährlich.


© Mag. Christian Vartian
vartian.hardasset@gmail.com



Das hier Geschriebene ist keinerlei Veranlagungsempfehlung und es wird jede Haftung für daraus abgeleitete Handlungen des Lesers ausgeschlossen. Es dient der ausschließlichen Information des Lesers.



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