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Prof. Antal Fekete: Die Wiederauferstehung der Goldbullen

14.03.2016
Professor Antal E. Fekete ist als Autor, Mathematiker und Währungsexperte tätig und geht zudem einer Lehrtätigkeit nach. Er wurde 1932 in Budapest geboren machte seinen Abschluss in Mathematik 1955 an der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest. Im Jahr 1957 emigrierte er nach Kanada, wo er 1958 als Assistenzprofessor an die Memorial University von Neufundland berufen wurde. 1992 ging er nach 35-jähriger Lehrtätigkeit als ordentlicher Professor in den Ruhestand.

Im Jahr 1983 arbeitete Prof. Fekete als ortsansässiger Wissenschaftler für das American Institute for Economic Research in Great Barrington, Massachusetts, und seit 1993 ist er Mitglied der Foundation for Economic Education in Irvington-on-Hudson, New York. 1996 lehrte er als Gastprofessor an der Francisco Marroquín University in Guatemala. Prof. Fekete ist zudem der Gründer und Vorsitzende der New Austrian School of Economics in Ungarn.

Prof. Fekete ist ein Verfechter des Goldstandards und ein scharfer Kritiker des aktuellen, auf nicht einlösbaren Banknoten beruhenden Währungssystems. Seine wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigen sich mit der freien Marktwirtschaft und wurden von Carl Menger inspiriert. Seine Zinstheorie sieht er als Erweiterung zu Mengers Werk, der die Theorie von der Umwandlung des direkten Tauschhandels in indirekte Tauschgeschäfte aufstellte. Analog dazu vertritt Prof. Fekete die Theorie, derzufolge die direkte Umwandlung von Einkommen in Vermögen und von Vermögen in Einkommen (d. h. das Horten und Verkaufen von Gold) zur indirekten Umwandlung wird (d. h. zum Kauf und Verkauf von Goldanleihen). Prof. Fekete ist ein Verfechter der Real Bills Doctrine von Adam Smith, die er auch als Gold Bills Doctrine bezeichnet.


Anthony Wile: Guten Tag, Professor Fekete. Wir scheinen uns auf dem Höhepunkt gewisser wirtschaftlicher Entwicklungen zu befinden, die sich mit Ihren Thesen zu Deflation, Disinflation und Währungszyklen womöglich erklären lassen. Können Sie uns einen Einblick in die aktuellen Ereignisse geben und wie diese sich in Ihre Sichtweise einfügen?

Professor Fekete: Zweifellos befinden wir uns, wie ich schon seit Langem vorhergesagt habe, mittlerweile in einer Phase der Depression und der starken Deflation. Der unmittelbare Grund dafür ist die kontraproduktive Währungspolitik der Federal Reserve und anderer Notenbanken, insbesondere der Bank of England, der EZB und der Bank of Japan. Die Nullzinspolitik, die diese Zentralbanken durchsetzten, hatte die Zerstörung von Kapital innerhalb der gesamten Weltwirtschaft zur Folge, sowohl von Finanzmitteln (einschließlich des Wertes der von ihnen selbst herausgegebenen Währungen), als auch von Realkapital.



Anthony Wile: Wo erkennen Sie vor dem Hintergrund der neusten Entwicklungen die Widerlegung der Vorhersagen von Murray Rothbard und Ludwig von Mises?

Professor Fekete: Die Theorien von Rothbard und Mises gründen sich auf der Quantitätstheorie des Geldes, derzufolge wir nach der wundersamen Vermehrung von Geld, Krediten und Schulden eine erhöhte Inflation beobachten müssten. Das ist offenbar nicht der Fall.


Anthony Wile: Wir müssen unterscheiden zwischen der Preisdeflation und der Deflation, d. h. der Verringerung, der Geldmenge. Derzeit beobachten wir die Disinflation der Preise im Kontext platzender Spekulationsblasen, nicht wahr? Hatte Rothbard dafür eine Erklärung oder haben sie den Eindruck, dass er sich nur auf Deflation im Zusammenhang mit der Geldmenge konzentrierte?

Professor Fekete: Für mich gibt es letztlich nur eine Art der Deflation, und das ist die Deflation der Assets. Was Sie als "Preisdeflation" bezeichnen, ist kein unabhängig davon existierender Zustand der Wirtschaft, sondern ein Symptom. Die vorsätzliche Zerstörung des Wertes der Währungen durch die Zentralbanken hat zur Folge, dass der Welthandel in einer alarmierenden Geschwindigkeit zusammenbricht.


Anthony Wile: In der Auseinandersetzung zwischen Milton Friedman und Rothbard ging es hauptsächlich darum, ob die US-Notenbank Fed die Große Depression ausgelöst hat, nicht wahr? Rothbard war der Ansicht, dass das inflationäre Wachstum der Geldmenge die Wirtschaftssystem derart beeinträchtigt hatte, dass es zu einem Abschwung kommen musste. Friedman dagegen glaubte, dass es die Maßnahmen der Fed im Jahr 1929 waren, die den großen Crash bewirkten. Welchen Standpunkt nehmen Sie ein?

Professor Fekete: Erinnern Sie sich, das Friedman ebenfalls ein Anhänger der Quantitätstheorie des Geldes war. Sein Befund zur deflationären Krise im Jahr 1929 war genauso fehlerhaft wie der von Rothbard. Wie auch Mises ignorierten beide, dass eine sinkende Zinsstruktur zur umfassenden Kapitalzerstörung führt. Diese ist zwar nicht leicht zu erkennen, aber dennoch sehr real. Die Vertreter der Österreichischen Wirtschaftsschule, die in der Tradition von Mises stehen, begehen heute den gleichen Fehler. Sie sind blind gegenüber der fortgesetzten Vernichtung von Finanzmitteln und Realkapital.


Anthony Wile: Kommen wir auf die negativen Zinsen zu sprechen, die es seit einiger Zeit in verschiedenen Ecken der Welt gibt. Sind diese als Teil einer Entwicklung hin zu einer bargeldlosen Gesellschaft zu sehen? Werden negative Zinssätze zwangsläufig dazu führen, dass elektronisches Geld sich durchsetzt?

Professor Fekete: Die Negativzinsen sind nur eine weitere Manifestation der Kapitalzerstörung. Sie sind absurd, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis, genauso wie bargeldlose Währungssysteme und elektronisches Geld.


Anthony Wile: Sie denken also nicht, dass Bargeld überholt ist?


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