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Schwacher US-Dollar gibt Rohstoffpreisen Auftrieb

04.02.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die kurzfristigen Ölpreisbewegungen zu prognostizieren, ist derzeit nahezu unmöglich. Gestern schossen die Preise auf Tagesschlussbasis um 7% im Falle von Brent bzw. 8% im Falle von WTI nach oben, nachdem sie im frühen Handel noch im Minus lagen. Marktbeobachter machen die deutliche Abwertung des US-Dollar nach schwachen US-Konjunkturdaten für den Preisanstieg verantwortlich (siehe Edelmetalle unten).

Allerdings setzte der Ölpreisanstieg erst 30 Minuten später ein und fiel zeitlich zusammen mit der Veröffentlichung der US-Lagerdaten durch das US-Energieministerium, welche eher für fallende Ölpreise gesprochen hätten. So kam es sowohl bei Rohöl als auch bei Benzin in der letzten Woche zu einem deutlich stärker als erwartet ausgefallenen Lageraufbau. In beiden Fällen liegen die Vorräte auf einem Rekordniveau von mehr als 500 Mio. Barrel bei Rohöl bzw. mehr als 250 Mio. Barrel bei Benzin.

Deutlich höhere Importe waren für den Lageraufbau bei Rohöl hauptverantwortlich. Am Abend und damit mehrere Stunden nach dem Preisanstieg gab es dann noch Meldungen, wonach sich sechs Ölproduzentenländer, darunter Russland, Iran und Irak, auf ein außerordentliches Treffen verständigt hätten. Skeptisch macht dabei, dass diese Nachricht von Venezuela verbreitet wurde. Außerdem fehlt Saudi-Arabien, ohne das ein Treffen wenig Sinn macht. Der Iran hatte unlängst zudem verlauten lassen, dass ein Treffen nur dann Sinn macht, wenn am Ende eine Einigung über Produktionskürzungen steht, will sich selber daran aber nicht beteiligen.

Wir sind daher skeptisch, ob es zu einer derartigen Einigung kommt.


Edelmetalle

Angetrieben durch schwache US-Konjunkturdaten überwand Gold gestern die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie, was zu technisch bedingten Anschlusskäufen führte. In der Spitze stieg Gold auf ein neues 3-Monatshoch von 1.145 USD je Feinunze. Heute Morgen handelt es nur knapp darunter. Der Einkaufsmanagerindex für den US-Dienstleistungssektor ging im Januar überraschend deutlich zurück, womit sich die Schwäche der Industrie möglicherweise jetzt auch auf den bislang robusten Servicebereich überwälzt.

In Folge dessen schwanden die Zinserwartungen weiter und der US-Dollar wertete deutlich ab, was Gold zusätzlichen Auftrieb verlieh. Gestern flossen zudem weitere 10 Tonnen in die Gold-ETFs. Im Fahrwasser von Gold legte Silber deutlich auf in der Spitze 14,8 USD je Feinunze zu, ebenfalls ein 3-Monatshoch.

Laut Angaben des Verbands der chinesischen Goldproduzenten ist die chinesische Goldnachfrage 2015 im Jahresvergleich um 3,7% auf 985,9 Tonnen gestiegen. Zur höheren Nachfrage trugen demnach die gefallenen Preise und der Charakter von Gold als sicherer Hafen bei.

Besonders deutlich legte die Münz- und Barrennachfrage zu (+78% bzw. +4,8%), während die Schmucknachfrage um 2,1% stieg und die industrielle Nachfrage ein Plus von 3,5% verzeichnete. Die Goldproduktion ging dagegen um 0,4% auf 450 Tonnen zurück, da einige kleine private Produzenten schließen mussten. Aus Hongkong hatte China im letzten Jahr netto 862 Tonnen Gold importiert. Der Differenzbetrag zwischen Angebot und Nachfrage dürfte von der Zentralbank absorbiert worden sein.

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Industriemetalle

Unbeeindruckt von den schwachen US-Konjunkturdaten und unterstützt durch den abwertenden US-Dollar legen die Metallpreise weiter spürbar zu. Angeführt von Blei und Kupfer steigt der LME-Industriemetallindex auf ein 5-Wochenhoch von 2.200 Punkten. Damit hat er zugleich sämtliche Verluste seit Jahresbeginn wieder aufgeholt. Die chinesische Regierung hat gestern offiziell verkündet, in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von 6,5-7% erreichen zu wollen. Dies ist etwas mehr als vom Markt erwartet.

Unsere Volkswirte gehen davon aus, dass die Zentralbank und die Regierung umfangreiche monetäre und fiskalpolitische Lockerungsmaßnahmen ergreifen werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Dies sollte mit einer robusten Nachfrage nach Rohstoffen im Allgemeinen und Metallen im Speziellen einhergehen. Das Wachstumsziel für 2016 und der neue 5-Jahresplan der Regierung werden Anfang März auf dem Nationalen Volkskongress bekannt gegeben.

In Europa sind die physischen Aluminiumprämien zuletzt wieder gefallen. Sie liegen gemäß Daten von Metal Bulletin aktuell bei 95 USD je Tonne (exklusive Zölle) und haben damit das niedrigste Niveau seit Ende Oktober erreicht. Handelskreisen zufolge zeigt sich derzeit die Nachfrage nach Aluminium verhalten. Zudem besteht die Gefahr, dass mehr Material aus den Lagerhäusern zur Verfügung gestellt wird, da sich der Contango in der Terminkurve abgeflacht hat. Dies macht Finanztransaktionen unattraktiver.


Agrarrohstoffe

Die drei wichtigsten kautschukproduzierenden Länder Thailand, Indonesien und Malaysia haben sich heute auf eine Kürzung der Kautschukexporte um 615 Tsd. Tonnen im Zeitraum zwischen März und August verständigt. Ziel dieser Maßnahme ist es, den anhaltenden Preisverfall der Kautschukpreise zu stoppen. Diese fielen im letzten Monat auf das niedrigste Niveau seit dem Jahreswechsel 2008/09. Die drei genannten Länder stehen für 70% der weltweiten Produktion von Naturkautschuk und die im Raum stehende Menge für 6% des weltweiten Angebots.

Marktteilnehmer sind allerdings skeptisch, was die Erfolgsaussichten der Maßnahme angeht. Dafür müssten mindestens 1 Mio. Tonnen Kautschuk vom Markt genommen werden. Zudem müsste bei der Produktion angesetzt werden und nicht bei den Exporten. Denn bei letzteren besteht immer die Möglichkeit, dass sie später doch in den Markt gegeben werden. Die thailändische Regierung versucht stattdessen, mit staatlichen Aufkäufen zu Preisen deutlich über dem Weltmarktniveau die heimischen Produzenten zu unterstützen.

Dadurch wird die dringend notwendige Marktbereinigung behindert und ein falscher Anreiz zur Überproduktion gesetzt. Die in den vergangenen Jahren durchgeführten Exportkürzungen haben nicht zu der beabsichtigten dauerhaften Preiserholung geführt, sondern lediglich zu kurzzeitigen Preisanstiegen, welche recht schnell wieder verpufften. Ähnlich könnte es auch diesmal laufen.



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