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Ölpreise erneut auf Talfahrt

10.02.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die Ölpreise sind gestern Abend regelrecht abgestürzt. Brent verlor in den letzten Handelsstunden fast 8%. Etwas besser hielt sich WTI mit einem Verlust von 6%. Marktbeobachter machen die Monatsberichte der Internationalen Energieagentur (IEA) und der US-Energiebehörde EIA dafür verantwortlich. Die IEA sprach davon, dass der Markt derzeit mit Öl überflutet sei und eine kurzfristige Preiserholung daher kaum zu erwarten ist.

Der weltweite Lageraufbau dürfte der IEA zufolge für die meiste Zeit des Jahres andauern, da der Rückgang der US-Ölproduktion Zeit benötigen würde und eine Einigung der OPEC mit anderen Produzentenländern auf Angebotskürzungen unwahrscheinlich sei.

An den Angebots- und Nachfrageprognosen für 2016 nahm die IEA keine Änderungen vor. Sie erwartet weiterhin einen Anstieg der globalen Ölnachfrage um 1,2 Mio. Barrel pro Tag und einen Rückgang des Nicht-OPEC-Angebots um 600 Tsd. Barrel pro Tag. Entsprechend blieb auch der Bedarf an OPEC-Öl bei 31,7 Mio. Barrel pro Tag, was deutlich unter der aktuellen OPEC-Produktion von 32,6 Mio. Barrel pro Tag liegt und somit auf einen überversorgten Markt hindeutet.

Dagegen hat die EIA ihre Nachfrageprognose für 2016 gesenkt. Diese soll nun ebenfalls um 1,2 Mio. Barrel pro Tag steigen. Bislang lag die Prognose bei einem Anstieg um 1,4 Mio. Barrel pro Tag. Allerdings senkte die EIA auch die Prognose für die US-Rohölproduktion in diesem Jahr um gut 40 Tsd. Barrel pro Tag, was angesichts der deutlichen Aufwärtsrevision der Schieferölproduktion am Vortag so nicht zu erwarten war.


Edelmetalle

Nach einem kurzzeitigen Ausflug über die Marke von 1.200 USD je Feinunze zu Wochenbeginn zeigt sich Gold auch weiter stark und hält sich in der Nähe dieses psychologisch wichtigen Niveaus. Im aktuellen von hoher Unsicherheit und Volatilität geprägten Marktumfeld bleibt Gold als sicherer Hafen offenbar gefragt. Auch in Euro gerechnet verzeichnete Gold am Montag bei 1.076 EUR je Feinunze ein 7½-Monatshoch, konnte dieses Niveau wegen eines erneut schwachen US-Dollars - dieser wertete gestern gegenüber dem Euro auf ein 3½-Monatstief ab - aber nicht halten.

Heute Morgen notiert Gold daher gut 20 EUR je Feinunze tiefer. Gestern ist die Serie der ETF-Zuflüsse gerissen. Nach 16 Handelstagen in Folge mit Zuflüssen - die Bestände der von Bloomberg erfassten Gold-ETFs wurden in dieser Zeit um 78,6 Tonnen aufgestockt - gab es gestern einen Abfluss von 1,5 Tonnen aus dem SPDR Gold Trust.

Heute Nachmittag findet die halbjährliche Anhörung der Fed-Vorsitzenden Yellen vor dem Bankenausschuss des US-Senats statt. Neue Erkenntnisse hinsichtlich der Geldpolitik der US-Notenbank erwarten wir aber nicht. Morgen früh veröffentlicht der World Gold Council die Goldnachfragetrends für das vierte Quartal und damit auch das Gesamtjahr 2015.

Silber wurde in den letzten Wochen von Gold mit nach oben gezogen und erreichte bei 15,5 USD je Feinunze ein 3-Monatshoch. Silber legte allerdings nicht wie eigentlich üblich überproportional zu, wie das Gold/Silber-Verhältnis zeigt, was mit 78 in der Nähe eines Mehrjahreshochs liegt. Anders als Gold verzeichnete Silber in diesem Jahr auch keine ETF-Zuflüsse, sondern sogar Abflüsse.


Industriemetalle

Schwache asiatische Aktienmärkte, welche die erhöhte Risikoaversion der Marktteilnehmer ausdrücken, halten heute Morgen die Metallpreise in Schach, so dass sich deren Erholungstrend zunächst nicht weiter fortsetzt. Kupfer verlor bereits gestern gut 2% und handelt wieder unter der Marke von 4.500 USD je Tonne. Die Abwesenheit der chinesischen Händler hat somit bislang noch nicht zu steigenden Preisen beigetragen.

Der Preisanstieg in den letzten drei Wochen war teilweise auf die spekulativen Finanzinvestoren zurückzuführen. Dies zeigen die Statistiken zur Marktpositionierung der CFTC und der LME. Während es zuletzt an der Comex in New York bei Kupfer zu Short-Eindeckungen gekommen war, wurden an der LME bei den meisten Metallen die Netto-Long-Positionen wieder ausgeweitet. Im Kongo, dem größten afrikanischen Kupferproduzenten, ist die Kupferminenproduktion laut Angaben des Verbands der Minenproduzenten 2015 im Vergleich zum Vorjahr um gut 3% auf rund 996 Tsd. Tonnen gesunken.

Gründe hierfür waren demnach Unterbrechungen bei der Stromversorgung und die niedrigen Kupferpreise. Letztere haben dazu geführt, dass zum Beispiel Glencore die Produktion im Kongo vorübergehend eingestellt hat. Im laufenden Jahr dürfte sich die Produktion dort daher wohl kaum erholen. Dies trägt zur Anspannung der Angebots-Nachfrage-Situation am globalen Kupfermarkt bei.


Agrarrohstoffe

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA hat in seinen jüngsten Prognosen die weltweiten Endbestände 2015/16 an Weizen überraschend deutlich um 6,8 Mio. Tonnen auf ein neues Rekordniveau von 238,9 Mio. Tonnen angehoben. Allerdings geht dies fast vollständig auf China zurück, welches im Weizenhandel kaum eine Rolle spielt, was somit den Markt nicht schreckte. Mit einem kleinen Abschlag reagierte der Markt auf die weitere Reduktion der US-Exporte, die der starken Konkurrenz aus Kanada und Argentinien geschuldet ist. Dies reichte aus, um den Weizenpreis an der CBOT auf ein neues 5½-Jahrestief zu drücken.

Bei Mais hob das USDA die Schätzungen für die südamerikanischen Ernten an. Mit 84 Mio. Tonnen für Brasilien und 27 Mio. Tonnen für Argentinien übertreffen die neuen Prognosen nun die der meisten anderen Beobachter. Auch die Exporte der beiden Länder wurden angehoben und dies wiederum auf Kosten der USA.

Entsprechend gaben gestern auch die Maisnotierungen in Chicago nach. Bei Sojabohnen hob das USDA nach den Regenfällen in Argentinien die erwartete Produktion des Landes an. Zwar sind es bei Sojabohnen nicht höhere Exporte der Konkurrenten, wohl aber eine niedriger angesetzte heimische Verarbeitung, die zu einer Anhebung der US-Endbestände führt. Die Änderungen waren aber zu klein, um eine merkliche Preisreaktion auszulösen.

Bei Baumwolle dürften vor allem die in zahlreichen Ländern schwächer gesehene Nachfrage und niedrigere US-Exporte für den weiteren Preisverfall verantwortlich zeichnen.

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