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Euro-Bankenkrise zurück und der Goldpreis steigt

11.02.2016  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die Euro-Bankenkrise ist mit voller Wucht zurückgekehrt: Die Aktienkurse der Geldhäuser sind (wieder einmal) stark gefallen - allein seit Jahresanfang um 30 Prozent. Vor allem aber sind auch die Sorgen auf den Finanzmärkten markant angestiegen, dass die Euro-Geldhäuser ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr vollumfänglich nachkommen könnten. Was steckt dahinter?

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Quelle: Bloomberg.

Es ist vermutlich nicht so sehr die kurzfristige Liquiditätslage der Euro-Banken, die den Anlegern Sorgen bereitet. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) kann die Banken ja jederzeit mit neuen Krediten und Geldzuwendungen zahlungsfähig halten. Die eigentlichen Probleme der Banken liegen offensichtlich woanders.

Es dürfte die geringe Ertragskraft der Euro-Banken sein, die die Anleger zusehends verschreckt. In dem Niedrigzinsumfeld, für das die Notenbanken weltweit sorgen, schwinden die Verdienstmöglichkeiten der Banken. Gleichzeitig steigen ihre Kosten aufgrund von zum Beispiel immer weitreichender Regulierung. Die Folge sind sinkende Gewinne und eine nachlassende finanzielle Stärke.

Um das zu illustrieren, sei darauf hingewiesen, dass derzeit die Euro-Banken zu einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von nur etwa 0,46 handeln. Die Finanzmärkte gehen also davon aus, dass vielen Euro-Banken noch hohe Verluste und Abschreibungen ins Haus stehen, die ihr ausgewiesenes Eigenkapital in ganz erheblichem Umfang aufzehren werden. Eine durchaus brenzlige Situation, denn das wird Anleger abschrecken, Euro-Banken neues Eigenkapital bereitzustellen.

Die EZB wird es aller Voraussicht nach nicht zulassen, dass es zu Zahlungsausfällen im Euro-Bankenapparat kommt - und damit eine Situation entsteht wie beim Kollaps der US-Investment Bank Lehman Brothers im September 2008. Wenn aber die Zahlungsfähigkeit der Euro-Banken sichergestellt werden soll, wird die EZB die Geldmenge wohl noch sehr stark ausweiten müssen. (Siehe hierzu den Degussa Markreport "Die 4.760.000.000.000 Euro Lücke", 11. September 2015.)


Goldpreis steigt

Die Probleme im Euro-Bankenapparat haben weltweite Auswirkungen. Zum einen weil die Bankenwelt überaus eng miteinander vernetzt ist. Zum anderen weil der Euro-Bankenapparat mit einer Bilanzsumme von knapp 31.000 Mrd. Euro der größte weltweit ist und seine Probleme nicht auf den Euroraum beschränkt bleiben werden.

Die wachsende Unsicherheit im internationalen Finanzsystem hat die Goldnachfrage sichtbar belebt.

Der Goldpreis steht nun bei etwa 1.235 USD/oz - und hat damit seit Jahresanfang etwa 17 Prozent zugelegt. In Euro gerechnet hat der Goldpreis jetzt 1.090 Euro/oz erreicht - ein Anstieg von etwa 12 Prozent. (Der Euro hat seit Jahresbeginn gegenüber dem US-Dollar aufgewertet.) Zum Vergleich: Der DAX hat von Anfang des Jahres bis heute etwa 18 Prozent eingebüßt.

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Goldpreis in Euro pro Feinunze (Quelle: Bloomberg)


Dass in der aktuellen Situation der Goldpreis in die Höhe steigt, ist nicht verwunderlich. Schließlich ist das Gold nicht nur ein Schutz gegen die Entwertung des ungedeckten Papiergeldes durch Inflation. Es ist vor allem auch ein Schutz gegen Zahlungsausfälle, die nicht nur bei Unternehmensanleihen, sondern vor allem auch bei Bankeinlagen, Bankschuldverschreibungen und Staatsanleihen auftreten können.

Wenn die Zentralbanken auf die aktuellen Erschütterungen auf den Finanzmärkten - die übrigens durchaus negative Rückwirkungen auf die Konjunkturverläufe haben können - mit einer erneuten Ausweitung der Geldmengen reagieren (etwa indem sie noch mehr Staats- und Bankanleihen aufkaufen), liegt die Vermutung nahe, dass der Goldpreis noch weiter zulegt - in US-Dollar, aber insbesondere auch in Euro gerechnet.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH



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