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Europa verwaltet sich gekonnt - China reformiert sich!

16.02.2016  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1160 (08.06 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1129 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 114.43. In der Folge notiert EUR-JPY bei 127.73. EUR-CHF oszilliert bei 1.1027.

Große Nervosität herrscht noch immer an den internationalen Märkten, sobald sich der Blick auf Asien und speziell auf China richtet. Die lang angelegte Transformation bringt erwartungsgemäß immer niedrigere Wachstumsraten mit sich, aber auch die Verluste an der Shanghaier Börse wurden medial von einem großen Aufgebot in die Welt getragen.

Statt ausschließlich quantitative Lockerungen zu leisten und den Yuan zu schwächen, was bisher bereits hunderte Milliarden Devisenreserven verschlungen hat und trotzdem noch nicht die gewünschten Effekte brachte, setzt die Zentralbank (People´s Bank of China) nun auf ein ganzes Maßnahmenbündel, das mit tiefgehenden Reformen Vertrauen bilden soll.

Auf der einen Seite werden finanziell die Zügel angezogen, indem Wachstumsbranchen besonders gefördert werden und gleichzeitig Überkapazitäten in der Industrie abgebaut werden sollen. Das kann unter anderem durch Übernahmen und Fusionen passieren. Auch dem Thema "Schattenbanken" und faule Kredite widmet sich die PBoC. Uneinbringliche Kredite sollen effektiver abgewickelt werden als bisher. Um weitere Fehlentwicklungen zu vermeiden werden die Banken strengeren Neu-Kreditregeln unterworfen.

Aber nicht nur der heimische Markt wird auf vielfältige Weise neu strukturiert, sondern es werden auch neue Handlungsmuster den im Ausland operierenden Firmen auferlegt. So sollen mehr Investitionen im Ausland durchgeführt werden und neue Finanzierungswege im Ausland erschlossen werden. Wie ernst es den Chinesen mit diesen Vorgaben ist, sieht man an dem vergangenen Jahr. Hier fanden Rekordinvestitionen im gesamten Europa im Umfang von 20 Mrd. Euro statt.

Diese Summe wird auf 200 Mrd. in 5 Jahren hochgeschraubt, was einer jährlichen Verdopplung entspricht. Im letzten Jahr hat sich China stark in Europa engagiert, insbesondere in Deutschland, UK und Frankreich. Investitionen in diesen Ländern sichern auch politischen Einfluss, so dass China den "Marktwirtschaftsstatus" in Kürze erlangen kann. Dieser Status macht ein Vorgehen der europäischen Unternehmen gegen Dumping-Entwicklungen deutlich schwerer als bisher. Einige europäische Regierungen haben sich bereits für Chinas Neueinstufung stark gemacht.

Interessant ist der Umstand, dass China seine Investitionen auf breite Füße stellt, indem es in viele Branchen investiert. Auffällig ist das starke Interesse am Infrastruktursektor, wenn man an die Story der Seidenstraße denkt. Es reicht nicht aus, Kapazitäten im eigenen Land aufzubauen, sondern es wird viel Know-How bei uns im Ausland eingekauft.

Europa mit seinen Institutionen und Gerichten verwaltet seine Belange mit Verve. Zu diesem Zustand passt der anstehende EU-Gipfel, der so weit von einer Lösung entfernt scheint, wie nur irgendwie möglich. Die politische Richtungssuche, die latent belastet und weiteres Abwärtspotenzial bietet, wird (noch) von solider wirtschaftlicher Expansion in der Eurozone begleitet.

Außer der Handelsbilanz der Eurozone verlief der Start in die Woche nachrichtenarm. Der Dezemberwert fiel mit 24,3 Mrd. Euro besser aus als mit 23,6 Mrd. Euro erwartet wurde. Während die Exporte um 0,3 Prozent nachgaben, stiegen die Importe um 0,8 Prozent an. Der Chart verdeutlicht eindrucksvoll die Gesundungsbewegungen der Eurozone.

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© Reuters


Fazit:

China hat dagegen mit seiner Architektur ganz andere Möglichkeiten auf Entwicklungen zu reagieren und durchzugreifen. Die angekündigten Programme der Zentralbank (Reformen, Fonds "Industrie 4.0") erwecken weniger den Eindruck kosmetischer Maßnahmen, sondern zeigen eine breit angelegte Reaktion auf die Probleme, mit denen das Land zuletzt konfrontiert war. Man hält sich aber nicht nur mit Problemen auf, sondern hat gleichzeitig die finanzielle Ausbreitung nach Europa beschlossen.

Die angekündigten Maßnahmen werden chinesische Unternehmen als neuen Dauerinteressenten für Unternehmen aus allen möglichen Sektoren in Erscheinung treten lassen. Ob die Maßnahmen eine Gezeitenwende bedeuten, ist zu früh zu sagen. Dafür ist noch nicht genug bekannt geworden. Die Fortschritte und auch die Neuaufstellung in der Außenbeziehung zeigen, dass die Verschiebung der Machtachse Richtung Asien voll in Fahrt ist und mit den angekündigten Großprojekten (u.a. Aufbau Seidenstraße, Einkauf Rohstoff-Ressourcen auf Niedrigpreisniveau) weiteres Potenzial bietet.

Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.0700 - 20 neutralisiert den positiven Bias.

Viel Erfolg!


© Moritz Westerheide
Bremer Landesbank



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