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Zweifel am Zustandekommen der Ölvereinbarung

17.02.2016  |  Eugen Weinberg
Energie

Die gemeinsame Entscheidung von Saudi-Arabien, Russland, Katar und Venezuela, ihre Ölproduktion vorerst auf dem Januar-Niveau einfrieren zu wollen, quittierte der Markt gestern mit kräftigen Preisabschlägen. Denn damit wird vorerst weiterhin deutlich über dem Bedarf produziert, und die Rohölvorräte werden folglich weiter anschwellen. Entscheidend für die weitere Preisentwicklung werden nun die Signale aus dem Irak und dem Iran sein.

Aus dem Irak gibt es Hinweise, dass man sich dem Beschluss anschließen könnte. Das rasante Produktionswachstum im Irak von immerhin knapp 1 Mio. Barrel pro Tag im letzten Jahr würde dann zumindest stoppen. Der Iran wird nach dem langen Ringen um die Aufhebung der Sanktionen aber zweifellos mehr produzieren wollen. Bislang postuliert er, seine Produktion noch in diesem Jahr um bis zu 1 Mio. Barrel pro Tag hochzufahren.

Realistisch ist diese Zielsetzung aber nicht. Wenn er diese Ankündigung auf 500 Tsd. Barrel pro Tag reduzieren würde, könnte dies der Markt verkraften. Dass der venezolanische und der irakische Ölminister heute ihrem iranischen Amtskollegen eine solche Aussage entlocken können, ist angesichts der geringen Vorlage der anderen Länder aber eher unwahrscheinlich.

Gänzlich enttäuschend ist der gestrige Beschluss unseres Erachtens aber nicht. Das Überangebot könnte entgegen mancher Darstellung schneller abgebaut werden. Denn Saudi-Arabiens Ölexporte würden in den Sommermonaten schrumpfen, sollte das Land seine Produktion nicht wie üblich hochfahren, um den erhöhten Eigenbedarf zu bedienen.

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Edelmetalle

Deutlich gestiegene US-Aktienmärkte und ein festerer US-Dollar ließen den Goldpreis gestern Abend kurzzeitig noch einmal unter 1.200 USD je Feinunze rutschen. Am Morgen handelt Gold aber wieder oberhalb dieser Marke. Positiv ist, dass die ETF-Anleger trotz des kräftigen Preisrückgangs seit letzten Donnerstag Gold die Treue halten. Die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs verzeichneten gestern sogar einen Zufluss von knapp 12 Tonnen, welcher größtenteils auf den Anbieter ETF Securities zurückzuführen war. Der weltgrößte Gold-ETF, SPDR Gold Trust, vermeldete dagegen keine Bestandsveränderung.

Wie aus den gestern veröffentlichten Pflichtmitteilungen der US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC hervorgeht, hat der größte einzelne Anteilseigner am SPDR Gold Trust, der Hedgefond von John Paulson, im vierten Quartal 2015 seine Anteile um 3,46 Mio. Stück oder 37% reduziert. Das entspricht einem Verkauf von 11 Tonnen oder einem Viertel der gesamten Verkäufe im SPDR Gold Trust im Berichtsquartal. Offensichtlich haben viele seiner Anleger Ende 2015 nach der jahrelangen Baisse und dem Abrutschen des Goldpreises auf ein 5½-Jahrestief das Vertrauen verloren und die Reißleine gezogen.

Nicht nur, dass sie damit ihre Anteile nahe am Tief verkauften. Sie haben dadurch auch den kräftigen Goldpreisanstieg in den ersten sechs Wochen des Jahres 2016 verpasst. Ein weiterer größerer Verkäufer im Schlussquartal 2015 war die US-Großbank Morgan Stanley, welche sich von gut 3 Mio. Anteilen trennte. Dagegen stockte die Investmentgesellschaft Fidelity ihre Anteile um 2,34 Mio. Stück auf, was sich im Nachhinein als kluge Entscheidung herausstellt.


Industriemetalle

Wie die International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) Anfang der Woche mitteilte, wies der globale Bleimarkt 2015 einen Angebotsüberschuss von 63 Tsd. Tonnen auf. Im Jahr zuvor war der Markt nahezu ausgeglichen. Zwar ging das globale Angebot im Jahresvergleich um 7,8% zurück, da vor allem in China wohl aus Umweltschutzgründen deutlich weniger Blei produziert wurde. Demgegenüber stand aber auch eine deutlich geringere Nachfrage, die um 8,3% gefallen ist. Insbesondere China und die USA waren hierfür verantwortlich. Für 2016 erwartet die ILZSG eine weitere Ausweitung des Überschusses (Stand Oktober 2015).

Darin sind allerdings noch nicht die angekündigten Produktionskürzungen von zum Beispiel Glencore enthalten, so dass der globale Bleimarkt unseres Erachtens wohl eher ausgeglichen sein wird. Am globalen Zinkmarkt übertraf 2015 das Angebot die Nachfrage um 123 Tsd. Tonnen, nach einem Defizit von 224 Tsd. Tonnen im Vorjahr. Während die Zinkproduktion im Vergleich zum Vorjahr um 3,3% ausgeweitet wurde, legte die Nachfrage auf globaler Ebene nur um 0,7% zu.

Ein deutlicherer Nachfrageanstieg in Europa wurde dabei von einem geringeren Verbrauch in den USA ausgeglichen. Das von der ILZSG im Oktober für 2016 erwartete Angebotsdefizit von 160 Tsd. Tonnen ist mittlerweile überholt. Dem Markt dürften nach der Ankündigung umfangreicher Produktionskürzungen vielmehr rund 1 Mio. Tonnen fehlen. Dies spricht unseres Erachtens für höhere Zinkpreise im Jahresverlauf.


Agrarrohstoffe

Der Verband der vietnamesischen Kaffee- und Kakaoproduzenten Vicofa warnt vor trockenheitsbedingten Ausfällen bei der heranwachsenden Robusta-Ernte, welche im Herbst eingebracht wird. Besonders davon betroffen seien die Anbaugebiete in den Zentralen Hochlagen. Eine konkrete Prognose über die zu erwartenden Ausfälle gab Vicofa allerdings nicht bekannt. Marktteilnehmer messen der Warnung von Vicofa allerdings keine allzu große Bedeutung bei.

Die Verkäufe aus der letztjährigen Ernte verlaufen nur schleppend, da die Kaffeebauern in Erwartung höherer Preise Ware zurückhalten. Entsprechend hoch sind derzeit die Lagerbestände. Zudem hat Vicofa in den letzten Jahren wiederholt vor Ernteausfällen gewarnt, die sich im Nachhinein häufig als überzogen erwiesen haben. Entsprechend hat der Robusta-Preis auch nicht reagiert und handelt kaum verändert bei 1.440 USD je Tonne.

Die Internationale Kakaoorganisation ICCO wird in dieser Woche ihren neuen Quartalsbericht veröffentlichen. Darin enthalten sind erstmals auch Schätzungen zu Angebot, Nachfrage und Marktbilanz für das Erntejahr 2015/16. Spannend wird sein, wie die ICCO die Kakaoernte in Ghana einschätzt, nachdem es dort zuletzt pessimistische Stimmen gab, welche von einer kaum höheren Ernte ausgehen als im letzten Jahr. In diesem Fall wäre mit einem beträchtlichen Angebotsdefizit zu rechnen, welches den Kakaopreisen Auftrieb geben würde.





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