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Der schlimmste Alptraum der Fed

25.02.2016  |  Peter Schiff
Besessen von der falschen Vorstellung, dass eine geringe Dosis an Inflation entweder eine Voraussetzung oder eine Begleiterscheinung von wirtschaftlichem Wachstum darstellt, versichern uns die Top-Ökonomen der Nation schon seit Langem, dass die Inflationsrate so lange niedrig bleiben wird, bis wieder neuer Schwung in die derzeit eher mittelmäßige Wirtschaftslage kommt.

Infolgedessen glauben sie auch, dass die geringe Inflation der letzten Monate für die hochrangigen Beamten der US-Notenbank Federal Reserve sehr frustrierend gewesen sein muss, da diese hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen vor Ungeduld fast platzen, weil sie das Vertrauen der Öffentlichkeit in die gegenwärtige Lage wiederherstellen wollen. Zudem wollen sie sich für die Zukunft die Option offenhalten, den Leitzins erneut zu senken, falls die Vereinigten Staaten jemals wieder - Gott behüte - eine Rezession erleben sollten.

In den Wochen vor der Entscheidung der Federal Reserve am 16. Dezember, den Zinssatz um 25 Basispunkte anzuheben (die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren), erwartete man an der Wall Street mehrheitlich, dass im Laufe des Jahres 2016 noch drei bis vier weitere Erhöhungen folgen würden. Doch angesichts der Turbulenzen an den globalen Märkten, der Konjunkturflaute und des schlechtesten Starts ins neue Jahr, an den man sich an Aktienmärkten erinnern kann, hat sich nun der Konsens herausgebildet, dass sich die Fed für den Rest des Jahres widerwillig aus dem Zinserhöhungsgeschäft zurückziehen wird.

Diese Sichtweisen sind oft fest verankert. Für viele kamen die neusten Zahlen des Arbeitsministeriums zur Inflationsrate am vergangenen Freitag (19. Februar) daher völlig überraschend: Sie zeigten, dass der Verbraucherpreisindex im Januar auf das Jahr umgerechnet um 2,2% gestiegen ist, so viel wie schon seit 4 Jahren nicht mehr. Die 2,0-%-Schwelle, die die Fed angeblich so verzweifelt erreichen wollte, wurde damit deutlich übertroffen. Die neuen Daten wurden als positive Nachrichten interpretiert.

Ein Beitrag von Reuters, der die unmittelbaren Reaktionen auf die Inflationszahlen beschrieb, fasste die gute Stimmung mit einem Zitat von Chris Rupkey, dem Chefökonom der MUFG Union Bank in New York zusammen: "Das ist der Traum eines jeden Verantwortungsträgers. Sie wollten eine höhere Inflationsrate, und sie haben sie bekommen." Der weithin anerkannte Investmentstratege Jim Paulsen von Wells Capital Management sagte, die gestiegene Inflation in Kombination mit der leichten Verbesserung der Arbeitsmarktdaten und der Verbraucherausgaben würde die Federal Reserve dazu zwingen, weitere Zinserhöhungen folgen zu lassen.

In Wirklichkeit sind steigende Inflationsraten alles andere als "ein Traum", der in Erfüllung geht. Sie sind im Gegenteil der schlimmste Alptraum der Fed. Sie werden aufzeigen, dass die acht Jahre währenden Experimente zur Stimulierung der Wirtschaft völlig fehlgeleitet waren und die Fed nicht in der Lage ist, die Gesundheit der Wirtschaft wiederherzustellen, die sie in einen schlurfenden Zombie verwandelt hat, der ohne billiges Geld nicht lebensfähig ist.

Die Mehrheit der Ökonomen will noch immer glauben, dass die jüngste Verlangsamung des Wirtschaftswachstums (0,7% auf Jahresbasis im vierten Quartal 2015, und dieser Wert könnte am Freitag weiter nach unten korrigiert werden) entweder durch das Wetter oder den Ölpreis bedingt war oder sich nur auf den Fertigungssektor beschränkte oder nichts weiter als ein statistischer Ausrutscher war, der im aktuellen Quartal wieder korrigiert wird. Sie möchten auch gern glauben, dass die Verluste, die in diesem Jahr an den Aktienmärkten verzeichnet wurden, nur die Folge importierter Probleme anderer Länder waren. Ein viel wahrscheinlicherer Auslöser für diese Entwicklungen ist jedoch die Politik der US-Notenbank selbst.

Vor der Zinsanhebung der Fed haben sich der Konjunkturrückgang in China und die unruhigen Zeiten an den Märkten nur wenig auf die US-Wirtschaft ausgewirkt. Und obwohl die Aktienmärkte in den USA in den Tagen vor und nach der historischen Zinserhöhung im Dezember leicht im Plus lagen, brachen sie nur wenige Tage später ernsthaft ein. Die Aktienkurse blieben weiter auf Talfahrt, bis die Kommentare verschiedener Fed-Beamter kürzlich Anlass zu Vermutungen über eine etwaige Fortsetzung der akkommodierenden, expansiven Geldpolitik gaben und eine Rally inspirierten. Viele Marktteilnehmer hatten geschlussfolgert, dass es künftig weniger Zinserhöhungen geben könnte, als zunächst angenommen, und dass auch die Abstände zwischen den Anpassungen größer ausfallen könnten.

In Wahrheit war es nicht nur die Zinsanhebung um einen viertel Prozentpunkt, der die Märkte und die Wirtschaft in Bedrängnis brachte, sondern auch die Entzugserscheinungen nach dem Ende von QE3 und die Erwartung kontinuierlich steigender Zinsen im Jahr 2016. All dies trug zur allgemeinen Straffung der Geldpolitik bei.

Die Korrelation zwischen einer strafferen Geldpolitik und der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums ist kein Zufall. Japan ist dafür das beste Beispiel: Hier sind die beispiellosen wirtschaftlichen Impulse, die die Zentralbank in Form von Nullzinspolitik und quantitativen Lockerungen durch den Kauf von Anleihen im Wert von Billionen Dollar setzte, schon Jahre zuvor an der Aufgabe gescheitert, ein robustes und gesundes Wachstum herbeizuführen, das auch ohne diese Maßnahmen bestehen kann.

Das Stimulierungsprogramm der USA, das infolge des Crashs von 2008 ins Leben gerufen wurde, hat kurzfristig möglicherweise ein noch noch stärkeres Schrumpfen der Wirtschaft verhindert. Es verhinderte jedoch auch, dass sich das Finanzsystem von den Überschüssen des künstlichen Booms befreien konnte, der der Krise vorausgegangen war. Die Konsequenz dessen ist, dass wir heute noch höhere Schulden mit uns herumschleppen, und dass die Märkte mittlerweile noch stärker fremdfinanziert sind, als vor der Finanzkrise. Mit all diesen zusätzlichen Schulden sind wir bislang nur deshalb durchgekommen, weil die Zinsen bei Null lagen und die Federal Reserve so große Mengen an langfristigen Anleihen aufgekauft hat.

Ich hatte bereits in früheren Artikeln argumentiert, dass selbst die winzige, symbolische Zinsanpassung um 0,25% ausreichen würde, um die gigantische Spekulationsblase zum Platzen zu bringen, die sich dank der Liquiditätsspritzen der letzten acht Jahre gebildet hat. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass ich wahrscheinlich Recht behalten werde. Die Wahrheit ist, dass der Wirtschaft eine Zeit der "Stagflation" bevorsteht, in der ein sehr geringes (oder sogar negatives) Wirtschaftswachstum von steigenden Preisen begleitet wird. Für die Verbraucher ist das ein entsetzlicher Zustand, denn während die Preise steigen, werden die Einkommen stagnieren. Die Folge wird ein sinkender Lebensstandard sein.


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