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Gold schlägt Aktien, und daran wird sich so schnell nichts ändern

28.02.2016  |  Manfred Gburek
In letzter Zeit häufen sich die Kommentare zur Preiswende beim Goldpreis. Da ist von Konsolidierung und technischer Reaktion nach mehr als vier Jahren Preisrückgang die Rede, von verschiedenen Chartmustern, von einer Bärenfalle, von Elliott-Wellen, der Fibonacci-Zahlenfolge 1-1-2-3-5-8-13-21 und so weiter. Ich frage mich: Geht es nicht etwas einfacher?

Etwa mit der Begründung, dass das viele von den Notenbanken zur Verfügung gestellte Spielgeld sich von Aktien weg- und zum Gold hinbewegt. Oder dass Russland und China ihre Goldreserven mächtig aufstocken. Oder einfach nur, dass die totale Überschuldung der Welt Anleger in den sicheren Hafen Gold fliehen lässt - wobei man sich ernsthaft fragen muss: Warum erst jetzt? Derweil sorgen negative Zinsen dafür, dass diese Entwicklung beschleunigt wird.

Die Goldpreiswende nach oben hat gravierende Ursachen; nennen wir sie der Einfachheit halber fundamental. Hier Angebot, da Nachfrage, das ist es. In welchen Schwüngen der Goldpreis weiter steigen wird, ist nur insoweit vorhersehbar, als es immer wieder zu kurzfristigen Rückschlägen kommen dürfte. Die Kurse der Minenaktien werden signalisieren, wann es mal wieder so weit ist: Wenn sie der Goldpreisentwicklung vorauseilen, bleibt die Aufwärtstendenz intakt; ist es umgekehrt, muss in Kürze mit einem zweifachen Rücksetzer gerechnet werden. Danach geht es wieder aufwärts.

Die extrem niedrigen bzw. negativen Zinsen - Letztere entsprechen in Deutschland zum Beispiel den unter null Prozent gesunkenen "Renditen" der Bundesanleihen - führen dazu, dass Anleger lieber Bargeld horten, als ihr Erspartes auf dem Konto oder im Anleihendepot zu belassen. Oder sie kaufen Gold, zuletzt sogar in größerem Umfang. Das ist nur allzu konsequent, und man fragt sich auch hier unwillkürlich: Warum erst jetzt? Wahrscheinlich, weil Banken und Sparkassen ihren Kunden allzu lange empfohlen haben, Geld in Aktien- und Mischfonds anzulegen. Noch prozyklischer geht es wahrlich nicht.

Den Instituten und ihren sogenannten Anlageberatern muss klar gewesen sein, dass der letzte Kursaufschwung deutscher Aktien vom Spätsommer 2014 bis zum Frühjahr 2015, in dieser kurzen Zeit immerhin um über 40 Prozent, eher auf dem durch die EZB zur Verfügung gestellten Spielgeld und dem dadurch ausgelösten Herdenverhalten der meisten Fondsmanager beruhte als auf fundamentalen Faktoren wie Gewinnentwicklung der Unternehmen oder Aussicht auf einen nachhaltigen Konjunkturaufschwung.

Die immer spannende Lektüre des Spezialdienstes wellenreiter-invest.de hat am Freitag wieder mal zu einer unschönen Erkenntnis geführt: Dass die bis zu achtjährigen Laufzeiten der Bundesanleihen negativen Renditen als Signal verstanden werden können, nämlich dass es um die deutsche Konjunktur schlechter bestellt ist als allgemein angenommen. Den Vogel schießen - im negativen Sinn - zweijährige Bundesanleihen mit einer "Rendite" von minus 0,54 Prozent ab, während sich bei dreißigjährigen mit plus 0,83 Prozent die berechtigte Frage aufdrängt: Wie viel von dem darin investierten Geld wird vernichtet sein, wenn das Zinsniveau nach oben dreht und die Kurse solcher Anleihen dann ins Bodenlose stürzen?

Darüber sollte man sich wirklich schon jetzt Gedanken machen, auch wenn kein privater Anleger so verrückt sein dürfte, dreißigjährige Bundesanleihen zu kaufen. Jürgen Stark, Chefvolkswirt der EZB, hat das dahinter steckende Dilemma neulich aus seiner Sicht so auf den Punkt gebracht: "Heute sind Finanzmärkte und Regierungen in einem bisher nicht gekannten Ausmaß vom Handeln der Zentralbanken abhängig. Insoweit hätte eine rasch vollzogene Wende in der Geldpolitik katastrophale Folgen. Die Zentralbanken sind also in ihrer eigenen Politik gefangen."

Wie sehr, belegen Aussagen von EZB-Direktor Benoit Coeuré. Ein Beispiel: "Die Zinsen werden so lange niedrig bleiben müssen, bis wir sehen, dass sich die Inflationsrate in der Eurozone wieder auf unseren Zielwert von knapp unter 2 Prozent zubewegt." Und wenn die Inflation diesen Wert erreicht hat, bekommt sie dann von der EZB einen Deckel aufgesetzt, damit sie nicht weiter steigt? Unmöglich. Das sich daraus ergebende Dilemma ignoriert Coeuré offensichtlich, ja die ganze EZB gleicht in diesem Punkt einer Ansammlung von Ignoranten.

Resümieren wir: Die EZB hat sich aufgeschwungen, mittels Geldpolitik alles zu versuchen, damit es nicht zu einer weiteren Finanzkrise kommt. Dabei ist sie über ihr Ziel hinausgeschossen. Die Folge: Extrem niedrige bis negative Zinsen bzw. "Renditen", ohne dass deren Ende abzusehen ist, sowie eine liquiditätsgetriebene Aktienhausse, die vor fast einem Jahr zu Ende ging. Danach begannen Großanleger, darunter in erster Linie Angelsachsen, mit dem breit angelegten Verkauf deutscher Aktien, während Banker hierzulande noch von deren angeblicher Alternativlosigkeit schwärmten. Erst jetzt entdecken breite Anlegerschichten, dass fundamentale Antriebskräfte, wie Unternehmensgewinne und die Konjunktur, nicht ausreichen, um den Verfall der Aktienkurse zu stoppen. Folglich hält der Abwärtstrend der Aktien an.

Derweil hat - neben Russen und Chinesen, nicht zu vergessen die Inder als Dauerkäufer - ein Teil der angelsächsischen Großanleger Spaß am Gold gefunden. Deshalb ist dessen Preis in relativ kurzer Zeit beachtlich gestiegen. Die Kurse vieler Minenaktien sind geradezu explodiert. Das ist als gutes Zeichen für die weitere Entwicklung des Goldpreises zu werten, weil Minen ihm vorauseilen. Der steigende Goldpreis signalisiert nicht zuletzt, dass mit dem ganzen Geldwesen etwas nicht stimmt. Außerdem ist er darauf zurückzuführen, dass die Zinsen geradezu unterirdisch sind. Und nicht zuletzt kommt dem Gold zugute, dass die EZB - und mit ihr die US-Zentralbank Fed - Inflation anpeilt, die im Fall des Falles nicht mehr zu stoppen sein wird.

Das Lager der Großanleger ist zwar nicht eindeutig in solche mit mehr Bezug zu Aktien oder zu Edelmetallen aufzuteilen, aber erfahrungsgemäß handelt es sich um zwei Gruppen, auch innerhalb der Fondsgesellschaften. Das liegt in der Natur der Sache: Die einen haben es eher mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen und Dividendenrenditen zu tun, die anderen mit so und so viel Gramm Gold je geförderte Tonne Gestein oder mit Kennzahlen wie Cash- und Gesamtkosten je Feinunze.

Bislang und wahrscheinlich auch noch in den kommenden Monaten lecken die Aktienleute ihre Wunden, und die Goldfraktion bleibt weitgehend unter sich. Später werden Erstere merken, dass man auch mit Gold und Minenaktien Geld verdienen kann, und den Preis des Edelmetalls sowie die Minenaktienkurse in dies Höhe treiben. Potenzial nach oben ist wegen der desolaten Lage des Finanzsystems ja reichlich vorhanden.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu

Herr Gburek ist Fachjournalist und Buchautor. Seine letzten Werke waren: Außer diversen Börsenbüchern schrieb er: "Das Goldbuch", das Wörterbuch "Geld und Gold klipp und klar von A bis Z", "Die 382 dümmsten Sprüche der Banker" und zuletzt das Ebook "Ach du liebes Geld!".





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