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Negativzinsen heißen so, weil deren Spätfolgen für jede Volkswirtschaft nur negativ sein können

01.03.2016  |  Dr. Dietmar Siebholz
Die zwangsweise Umschichtung von Spareinlagen via Negativzinsen führt zu Kapitalbewegungen, die nach alter Banktradition mit der Austrocknung des Kapitalmarktes - eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen soliden Finanzmarkt- endet. Anlageformen mit hohen Opportunitätskosten verlieren ihre Nachteile über Nacht, wenn negative Zinsen großflächig eingeführt werden. Und damit ist sicher zu rechnen.

Der Unsinn, den die Notenbanken durch die Implementierung von Negativzinsen in die Praxis umsetzen, führt aber geradewegs zu einer Kapitalanlage in den alternativen Assets (Anlageformen), da diese einige erhebliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Anlagen z.B. gegenüber Spareinlagen, Sparbriefen, Anleihen und Versicherungen aufweisen. Jetzt, wo sich schon einige Notenbanken zum Hilfsmittel der Negativzinsen hingewendet haben, steht aus meiner Sicht ein Paradigmenwechsel bei den Kapitalanlagen bevor.

Paradigmenwechsel heißt für mich: Flucht aus den Sparkonten und den Staatsanleihen, Liquidierung von Kapitallebensversicherungen (bevor es zu spät dafür ist) und Bevorzugung von soliden und ausgewählten alternativen Anlageformen.

Bei den anstehenden Entscheidungen sollte sich der Kapitalanleger darüber bewusst sein, dass die hohe Staatsverschuldung, die weiterhin anstehenden Finanzierungszwänge (z.B. für Wirtschaftsflüchtlinge) und die alternative Verwendung von Sparkapital zu einem "Run" auf verbleibendes Kapital führen wird und in den meisten Fällen der hohen Staatsverschuldung den Staatslenkern nur noch der Zugriff auf das Spar- und Kapitalvermögen der Bürger übrig bleibt.

Also sollte das Umschichten aus dem Sparkapital auch eine regionale Streuung - empfehlenswert ist es, die EU als Anlageland zu meiden- beinhalten. (Zynischer Kommentar angelehnt an die deutsche Geschichte: "Solange das nicht als Republikflucht ausgelegt werden kann"). Die Politik wird sich letztendlich an den Zwängen orientieren, oder wie sagte es George Bernhard Shaw, der britische Philosoph und Dichter so drastisch "Tigerinnen können nicht human sein, denn sonst würden ihre Kinder verhungern…"

Zurück zu den Erdstößen, die negative Zinsen auslösen werden.

Vielleicht bin ich schon zu alt für diese Welt, aber ein Verständnis dafür, dass ich einem Institut Geld dafür zahlen muss, wenn ich ihm ohne jedwede Sicherheit Geld leihe, fehlt mir völlig. Nun habe ich ja zwar einmal den Beruf des Bankkaufmannes gelernt und sogar mit einem Prädikat abgeschlossen, aber - obwohl Bankkaufmann - die Neutralität konnte ich mir immer leisten. Schon damals stellte ich die offizielle Frage, warum bekommt der Bankkunde mit Einlagen nicht auch eine Art von Sicherheit, so wie sie die Banken in den extremsten Formen fordern, wenn sie selbst Geld verleihen. Die Antwort war, "weil Banken ja die Sicherheit ihren Kundeneinlagen im Auge behalten wollen, müssen sie so stringente Sicherheiten für Kredite fordern".

Sicher war dies zu "meinen Zeiten als Bankkaufmann", also von 1961 bis 1973 noch Standard, aber nun in Zeiten der Investment-Banken, also den Bankinstituten, die mehr dem Prinzip "Spiel und Wette" huldigen, sollte man sich über die Qualität seines Institutes im Klaren sein. Sehen Sie sich einmal die Bilanzen der großen deutschen Institute an und versuchen Sie einmal, z.B. deren Positionen im internationalen Derivatemarkt nachzuvollziehen. Ich bin mir sicher, ein Engagement bei den Spielbanken von Baden-Baden etc. könnte durchaus chancenreicher sein.

Aber jetzt komme ich zur Kernfrage. Was veranlasst dann die Zentralbanken, selbst negative Zinsen von den bei den Zentralbanken anlegenden Banken zu fordern, wissend, dass diese Bankinstitute die Negativzinsen mit einem Zuschlag, also in Form von noch höheren Negativzinsen weitergeben?

Die Antwort ist nach einigem Nachdenken leicht zu finden. Den Banken sind die "normalen" Kreditnehmer zu riskant, sie können ihr Geld leichter verdienen, wenn sie sich von den Notenbanken günstige Darlehen holen und diese Mittel dann in Staatsanleihen investieren. Eine Gewinnmarge von sagen wir einmal 150% bei einem Darlehenszins von 1,0% und einer Anleihezinseinnahme von 2,5% ist garantiert eine Marge, die mit einem Normalkunden nicht erzielt werden kann.

Da sich die Banken untereinander nicht mehr trauen (sie haben ja sicherlich die Spezialisten, die eine Bilanz von einem Konkurrenten gut auseinandernehmen können) - man weiß ja inzwischen, dass der Interbanken-(Kurzfrist)-Markt fast zum Erliegen gekommen ist - dann bleibt meist ja nur der Weg zu den Bankeinlagen bei den Notenbanken, die ja so sicher sind.

Natürlich ist diese Sicherheit keine wahre Sicherstellung, die sich aus der Stärke der Zentralbanken ergibt, sondern entsteht aus der Tatsache, dass die Staaten und die Notenbanken das Geldemissionsrecht haben und sie zu ihrer eigenen Sicherheit Geld aus dem Nichts entstehen lassen können. Die Folgen dieser Geldschöpfung - also aus der Erhöhung des Geldumlaufs ohne wirtschaftlichen Hintergrund - werden wir alle zu tragen haben. Man nennt dies Inflation, nämlich die künstliche Aufblähung des Geldumlaufs. Richtig ist aber auch, dass dieses neue Geld derzeit eben nicht "umläuft".

Warum gibt es derzeit - selbst nach den orgiastischen Steigerungsraten der Geldschöpfung bei den Noten/-Zentralbanken - keine Inflation? Dafür gibt es zwei Antworten.

  • 1. Wenn das neue Geld nur bei den Banken landet, die ihre angeschlagenen Bilanzen damit heilen und das Geld nicht in die Wirtschaft bringen, wo es real arbeiten könnte oder über den Kauf von häufig schon maroden Staatsanleihen die dahinter stehenden Budgetprobleme der Länder lösen sollen, wird es keine inflationsfördernde Wirkung erzielen. Die höhere Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, die man für eine stärkere Inflationierung benötigt, tendiert so gegen Null. Das Geld aber selbst ist bei den Banken vorhanden.

  • 2. Die Fachleute wissen, dass die Ermittlung der Steigerungsraten der Lebenshaltungskosten über ein Sammelsurium von Nebenbedingungen erfolgt. Diese Nebenbedingungen sind teilweise so abstrus, dass man sich fragen muss, warum diese Zahlen noch veröffentlicht werden. Seit mehr als zwei Jahrzehnten weichen Statistik und Realität extrem voneinander ab. Warum dies so ist? Viele staatliche Leistungen sind abhängig von der Entwicklung der Lebenshaltungskosten, also z.B. Mieten, Löhne, Lohnnebenkosten, Pensionen, Sozialhilfen etc.
    Eine automatische Anpassung nach den realen Lebenshaltungskosten würde in kurzer Zeit die Staatsbudgets zum Platzen bringen. Also werden die Bürger über die wirklichen Zahlen mit Rechentricks im Unklaren gelassen.


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