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Gold - der Glanz ist zurück

04.03.2016  |  Eugen Weinberg
Der Goldpreis ist Mitte Februar auf ein 12-Monatshoch von 1.260 USD je Feinunze gestiegen. Begünstigt wurde der Preisanstieg durch Finanzmarktturbulenzen, das Auspreisen von Fed-Zinserhöhungen und kräftige Zuflüsse in die Gold-ETFs. Auch wenn sich der Preisanstieg zunächst noch fortsetzen könnte, sehen wir ein gewisses Korrekturpotenzial, insbesondere falls neuerliche Fed-Zinserhöhungsspekulationen einsetzen.

Am Jahresende erwarten wir Gold bei 1.250 USD je Feinunze. Silber, Platin und Palladium haben den Preisanstieg bei Gold bislang kaum oder gar nicht nachvollzogen. Sie dürften dies im Laufe des Jahres aber nachholen.

Der Goldpreis ist fulminant in das Jahr 2016 gestartet. In den ersten sechs Wochen verteuerte sich Gold um bis zu 20%. Mitte Februar markierte Gold mit gut 1.260 USD je Feinunze ein 12-Monatshoch und handelt seither in einer Spanne von 1.200-1.250 USD. In Euro gerechnet verteuerte sich Gold auf ein 13-Monatshoch von fast 1.150 EUR je Feinunze (Grafik 1). Im Umfeld der teilweise heftigen Finanzmarktturbulenzen war Gold als sicherer Hafen stark gefragt. Der Goldpreis war dabei vielfältig unterstützt. So erhielt er Aufwind von den zeitweise kräftig gefallenen globalen Aktienmärkten, die die steigende Risikoaversion der Marktteilnehmer ausdrückten.

Dies und eine Reihe enttäuschender Konjunkturdaten aus den USA führten zu einem Auspreisen bislang erwarteter Zinserhöhungen der USNotenbank Fed in diesem Jahr. Im Zuge dessen wertete der US-Dollar spürbar ab - gegenüber dem Euro fiel er vorübergehend auf ein 4-Monatstief. Zudem fiel die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen zeitweise auf ein 3½-Jahrestief von gut 1,5%, was als weiteres Indiz für die hohe Risikoaversion der Marktteilnehmer gelten kann.

Auch seitens der Zentralbanken gab es eindeutig positive Signale für Gold. So senkte die Bank von Japan Ende Januar ihren Leitzins überraschend in den negativen Bereich. Damit folgte sie der EZB, der Schweizerischen Nationalbank und der schwedischen Riksbank, welche bereits Negativzinsen eingeführt hatten. Darüber hinaus hatte die Riksbank Anfang Februar die Zinsen überraschend deutlich weiter in den negativen Bereich gesenkt.

Die EZB dürfte im März mit einer weiteren Zinssenkung folgen. Unseren Zinsstrategen zufolge handeln mittlerweile Anleihen mit einem Volumen von mehr als 10 Bio. Euro weltweit mit einem negativen Zins. In Deutschland werfen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von acht Jahren oder weniger eine negative Rendite ab. Die deutsche Umlaufrendite liegt nur noch knapp über der Nulllinie. Früher hieß es, Gold bringt keine Zinsen. Heute muss es eher heißen, Gold kostet keine Zinsen.

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In der Folge dieser Entwicklungen hat das in den letzten Jahren eher verhaltene Anlegerinteresse an Gold spürbar angezogen. Vor allem die Gold-ETFs sind seit Wochen stark gefragt. Die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs verzeichneten in den ersten beiden Monaten des Jahres Zuflüsse von 240 Tonnen (Grafik 2).

Damit sind die Zuflüsse in die ETFs jetzt schon deutlich größer als die gesamten Abflüsse des letzten Jahres (138 Tonnen). Zugleich entspricht dies etwa der Hälfte der globalen Minenproduktion in diesem Zeitraum. Im Februar verzeichneten die Gold-ETFs mit rund 185 Tonnen sogar den stärksten Monatszufluss seit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise vor sieben Jahren.

Zuletzt war zu beobachten, dass selbst bei steigenden Aktienmärkten und einem leicht rückläufigen Goldpreis die Zuflüsse in die Gold-ETFs anhielten und sogar an Dynamik gewannen. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass sich das Tempo der ETF-Zuflüsse in diesem Ausmaß fortsetzt. Sollte der dreijährige Trend von ETF-Abflüssen damit dennoch beendet sein, wäre dies ein deutlich preisunterstützender Faktor für Gold. Denn anstatt wie in den letzten drei Jahren Gold zur Verfügung zu stellen, würden die Gold-ETFs dem Markt Gold entziehen.

Die Zentralbanken befinden sich ohnehin weiter auf der Käuferseite – diese sind bereits seit sechs Jahren Netto-Goldkäufer. Im letzten Jahr beliefen sich die Netto-Käufe des offiziellen Sektors laut World Gold Council mit 588 Tonnen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (Grafik 3). Die Käufe entfielen größtenteils auf die Zentralbanken Russlands und Chinas, welche trotz fallender Währungsreserven jeweils rund 200 Tonnen Gold gekauft haben dürften.

Da der Anteil von Gold in den Währungsreserven Chinas mit knapp 2% im internationalen Vergleich weiterhin sehr niedrig ist, wird die Zentralbank PBoC ihre Goldbestände in absehbarer Zeit wohl weiter aufstocken. Allerdings trägt der Rückgang der Währungsreserven ebenfalls dazu bei, dass der Goldanteil an den Reserven steigt. Der Anteil von Gold an den russischen Währungsreserven ist mit 13% zwar nicht mehr ausgesprochen niedrig. Dennoch dürfte auch die CBR ihre Goldreserven weiter aufstocken. Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, dass bei Gold im Gegensatz zum US-Dollar kein Risiko von Sanktionen besteht.

Neben den Zentralbanken werden auch die privaten Haushalte in China und Indien weiterhin große Mengen Gold kaufen. Im letzten Jahr betrug die Goldnachfrage in China laut World Gold Council 984,5 Tonnen und in Indien 849 Tonnen, wofür sich insbesondere die Schmucknachfrage verantwortlich zeichnete. Für beide Länder sieht der WGC in diesem Jahr bessere Nachfrageperspektiven als im letzten Jahr. Die Marktturbulenzen zu Jahresbeginn dürften den chinesischen Kleinanlegern die Risiken der Aktienanlage nochmals deutlich vor Augen geführt haben.

Der Mangel an Anlagealternativen - Kapitalanlagen im Ausland sind kaum möglich und der Immobilienmarkt hat mit einem Überangebot zu kämpfen - dürfte die Anleger wieder verstärkt in Gold investieren lassen. Ein Vertreter des World Gold Council äußerte die Erwartung, dass die Investmentnachfrage in China robust ausfallen dürfte, wenn sich der Preisanstieg fortsetzt. In Indien wurde die Goldnachfrage im letzten Jahr durch eine schlechte Monsunsaison gedämpft, welche die Ernten und damit die Einkommen der Landbevölkerung beeinträchtigte.

Da die diesjährige Monsunsaison nach dem Ende des Wetterphänomens El Nino wieder normal ausfallen sollte, dürfte die Goldnachfrage wieder stärker sein.

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Gold dürfte seinen Höhenflug zunächst fortsetzen, denn weitere spekulative Finanzanleger sollten auf den fahrenden Zug aufspringen. Deren Netto-Long-Positionen sind Ende Februar auf ein 4-Monatshoch von 109 Tsd. Kontrakten gestiegen, nachdem zu Jahresbeginn noch Netto-Short-Positionen bestanden (Grafik 14). Im historischen Vergleich ist das Niveau der Netto-Long-Positionen aber noch nicht außergewöhnlich hoch.

Gold könnte daher durchaus das Hoch von Anfang 2015 bei 1.300 USD je Feinunze erreichen. Im Falle einer weiteren Verschärfung der Konjunktursorgen und neuerlicher Turbulenzen an den Aktienmärkten sind auch höhere Notierungen vorstellbar. Wir warnen allerdings davor, die Aufwärtsbewegung beim Goldpreis seit Jahresbeginn für die kommenden Monate einfach fortzuschreiben. Die Goldpreisentwicklung ist keine Einbahnstraße und ein Rückschlag jederzeit möglich.


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