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Die übersehene Inflation

06.03.2016  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die Geldentwertung vollzieht sich weniger über die Lebenshaltungskosten, sondern vielmehr durch steigende Vermögenspreise.

Eine ökonomische Gesetzmäßigkeit lautet: Das Ausweiten der Geldmenge treibt die Güterpreise in die Höhe. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn ein Ansteigen der Bankkredite mit einem Ansteigen der Aktienkurse verbunden ist.

Denn im heutigen ungedeckten Papiergeldsystem bringen Banken durch ihre Kreditvergabe unaufhörlich neues Geld in Umlauf. Das neue Geld treibt nicht nur Konsumgüterpreise, sondern auch zum Beispiel Aktienkurse in die Höhe.

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Quelle: Thomson Financial


Nun könnte man auf die Idee kommen, die Entwicklung der Konsumentenpreise den Aktienkursen gegenüberzustellen - und aus der Differenz zwischen beiden auf "Vermögenspreisinflation" zu schließen

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Quelle: Thomson Financial. *Januar 1970 = 100


Doch so einfach sind die Dinge nicht. Denn die Aktienkurse sind natürlich nicht nur aufgrund einer wachsenden Geldmenge gestiegen. Sie sind auch gestiegen, weil Unternehmen im Zeitablauf "wertvoller" geworden sind. Dahinter verbirgt sich natürlich der wirtschaftliche Fortschritt.

In einer erfolgreichen Volkswirtschaft gibt es üblicherweise technologische Innovationen, die zu Produktivitätsgewinnen führen. Die Unternehmerschaft sorgt dafür, dass die Volkswirtschaft reicher wird.

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Quelle: Thomson Financial. 1) Bereinigt um die US-Industrieproduktion. 2) Beide Serien indexiert (Januar 1970 = 100).


Um sich näherungsweise ein Bild zu machen, ob und inwieweit die Geldmengenausweitung die Vermögenspreise inflationiert, kann man die Entwicklung der Konsumentenpreise den Entwicklungen der um Produktivitätszuwächse bereinigten Aktienkurse gegenüberstellen.

Eine solche Darstellung zeigt, dass die Aktienpreise seit etwa Beginn der 1980er Jahre im Trendverlauf merklich stärker angestiegen sind (also inflationiert haben) als die Konsumgüterpreise.

Anleger sollten also nicht der Versuchung erliegen, die offiziellen Konsumentenpreisstatistiken als "die richtige" Inflationsmessung zu akzeptieren. Sie sind es nämlich nicht.

Man sollte sich vielmehr bewusst machen, dass steigende Preise letztlich die Folge einer anwachsenden Geldmenge sind; und dass steigende Aktienkurse, wenn sie nicht einhergehen mit einem Rückgang anderer Preise, die Kaufkraft genauso schmälern wie steigende Konsumgüterpreise.

Steigende Aktienkurse machen eine Volkswirtschaft nicht reicher. Derjenige, der Aktien besitzt deren Kurse steigen, wird zwar reicher. Aber derjenige, der Geld hält, wird entsprechend ärmer: Er erhält nunmehr weniger Aktien für sein Geld. Steigende Vermögens- beziehungsweise Aktienpreise sind (wenn sie nicht durch einen Rückgang anderer Preise begleitet sind) ein Indiz für Inflation - eine Form der Inflation, die meist übersehen wird, eine Inflation, die viele immer noch übersehen, obwohl sie die Kaufkraft des Geldes schmälert.

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Quelle: Bloomberg. *Ermittelt als 1 dividiert durch die Preisindices (Januar 1970 = 1). S&P 500 adjustiert um die Industrieproduktion


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Quelle: Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH





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