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Wer spart, wird gleich mehrfach bestraft

20.03.2016  |  Manfred Gburek
Am vergangenen Mittwoch war es mal wieder so weit: Die amerikanische Notenbank Fed entschied sich, praktisch nichts zu entscheiden, also den Leitzins unverändert zu lassen. Folgerichtig fiel der Dollar. Man wolle jedoch am Plan, den Leitzins zu erhöhen, trotzdem festhalten, wurde schnell nachgeschoben, halt nur nicht heute oder morgen. Und weil der Dollar schwach wurde, hieß es am Tag danach, das werde sich doch positiv auf die amerikanischen Exporte auswirken - eine Art Optimismus, wie wir ihn von den USA gewohnt sind.

Wie schaffen es die amerikanischen Geldpolitiker und speziell Fed-Chefin Janet Yellen, trotz ihrer monatelangen Hängepartie mit den Zinsen so optimistisch zu bleiben? Und warum gelingt es EZB-Präsident Mario Draghi nicht, seine Kritiker eines Besseren zu belehren? Die Antworten fallen vielschichtig aus. Das beginnt damit, dass die Zinsen in der Eurozone, zum Beispiel gemessen an den Renditen der Bundesanleihen, derzeit (Stand Freitagsabend) bei Laufzeiten bis zu acht Jahren negativ sind.

Auch die Renditen der Anleihen anderer Euroländer rutschen zunehmend ins Minus. Dagegen sind sie für amerikanische Treasuries durchweg positiv. Eigentlich müssten die negativen Zinsen in Europa den Euro schwächen. Doch des Rätsels Lösung ist: Der aktuell schwache Dollar spiegelt die derzeit wackelige US-Konjunktur wider, wohingegen der vermeintlich starke Euro bei langfristiger Betrachtung eine ihm innewohnende Schwäche zeigt. Denn sein Anteil an den weltweiten Devisenreserven ist in den vergangenen sieben Jahren von 28 auf nur noch 20 Prozent abgestürzt.

Damit nicht genug, der Dollar bleibt die Weltwährung schlechthin. Mit der Begleiterscheinung, dass internationale Geschäfte ganz überwiegend in Dollar abgerechnet werden. Der Goldpreis in Euro, schön und gut, für die private Geldanlage eines Deutschen oder Franzosen zählt unter dem Strich er. Doch kaum blickt man über die Eurozone hinaus, dominiert der Dollar-Goldpreis. Nebenbei bemerkt: Die Amerikaner können souverän mit ihrer Währung umgehen, wie es ihnen gerade gefällt. Das wird immer dann deutlich, wenn die USA, wie noch vor wenigen Jahren geschehen, wegen Überschuldung wieder mal angeblich pleite zu gehen drohen - zu viel Aufregung um nichts, dann verschulden sie sich eben höher.

Man kann das alles zusammenfassend so interpretieren: Es gibt drei Funktionen des Geldes. Die erste: Recheneinheit. Die zweite: Tauschmittel. Die dritte: Wertaufbewahrung. Als Recheneinheit dient der Euro primär in der Eurozone und weniger darüber hinaus, während der Dollar diesbezüglich weltweit die führende Position einnimmt. Das gilt auch für die Tauschmittelfunktion. Dagegen taugt weder der Euro noch der Dollar zur langfristigen Wertaufbewahrung, der eine allein schon wegen der negativen Zinsen bzw. Renditen, der andere, weil er - jetzt aus konjunkturellen Gründen - ein Mal mehr abtaucht. Und nicht zu vergessen: Beide Währungen basieren auf immer höheren Schulden und tendieren deshalb dauerhaft gegen den Wert Null.

Die Eurozone ist zweifellos ebenso wie die USA auf dem Weg zu immer höheren Schulden. Das liegt natürlich nicht allein an den erwähnten negativen Anleiherenditen, sondern auch an der Zerrissenheit zwischen den Euroländern. Während die USA längst eine politische Union bilden, hat Europa den Fehler begangen, auf Teufel komm raus erst den Euro einzuführen, um dann eine politische Union herbeizusehnen. Was daraus geworden ist, spüren wir immer dann besonders deutlich, wenn es um das Schicksal Griechenlands, also um den viel diskutierten Grexit, oder aktuell um die Verteilung der Flüchtlinge geht.

Kein Wunder, dass mangels eines Europa- oder zumindest eines Eurozonen-Präsidenten die EZB mit ihrem Anführer Draghi in diese Rolle geschlüpft ist. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf: Draghi kann zurzeit mit seinem EZB-Rat beschließen, was er will, alles mündet in die für Anleger und Vorsorgesparer folgenschwere finanzielle Repression. Das bedeutet: Wer traditionell spart, wird bestraft, und daran wird sich so schnell nichts ändern.

Das bedeutet aber auch: Wer anders spart, indem er/sie auf Aktien oder Immobilien setzt, muss damit rechnen, dass beide Anlagen sehr viel spezifisches Know-how erfordern; andernfalls drohen hohe Verluste. Bleiben als Alternative Gold und Silber mit den bekannten Preisschwankungen, jedoch auch mit der Aussicht auf hohe Gewinne. Wobei es richtigerweise heißen müsste: mit der Chance auf Kaufkrafterhalt für den Fall, dass die Euro-Kaufkraft im Zuge negativer Zinsen und Anleiherenditen eines Tages rapide abnimmt.

Womit wir auf Umwegen wieder bei der finanziellen Repression wären. Denn Draghi legt es - ebenso wie Yellen - darauf an, Inflation zu erzielen, er annähernd, sie genau 2 Prozent. Das ist repressiv. Abgesehen davon, dass eine Punktlandung bei etwas weniger als 2 oder glatt 2 Prozent unmöglich ist, ohne dass die Inflation darüber hinaus schießt, muss man sich ernsthaft fragen: Haben wir es nicht schon seit Jahren mit Inflation zu tun, nur eben mit der Asset Inflation, also dem Anstieg der Aktien- und Anleihenkurse, der Immobilien- und sonstigen Sachwertpreise? Ja, wir haben, und das weltweit. Dagegen hinken Edelmetalle und die meisten Rohstoffe hinterher - noch, aber seit Ende 2015 ziehen auch ihre Preise an.

Die finanzielle Repression hat viele hässliche Gesichter, die bewusst herbeigeführte Senkung der Kaufkraft ist nur eines. Wenden wir uns einigen weiteren zu. Als da wäre die zuletzt heiß diskutierte mögliche Abschaffung der 500-Euro-Scheine mit dem fadenscheinigen Argument, dadurch werde die Terrorismusfinanzierung erschwert. Oder die Einführung einer Obergrenze für Bargeldgeschäfte, nicht zuletzt die darüber hinaus gehende Forderung, Bargeld ganz abzuschaffen. Bis zur totalen Überwachung ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Viele Diktaturen haben vorgemacht, wie das geht, in Deutschland das Dritte Reich und die DDR.

Das Geldwäschegesetz mit seiner Vorschrift, Bares ab 15.000 Euro zu kontrollieren, ist noch vergleichsweise harmlos, wenn man bedenkt, dass Länder wie Frankreich, Italien und Spanien verlangen, schon Barbeträge weit darunter müssten angegeben werden, zum Beispiel bei einer Reise mit dem Auto oder Flugzeug. Ganz und gar nicht harmlos geht es bei den Steuern zu. So ist die Grunderwerbsteuer in nur wenigen Jahren, je nach Bundesland unterschiedlich, zum Teil von 3,5 auf 6,5 Prozent gestiegen.

Und die Grundsteuer, die Vermieter auf ihre Mieter abwälzen dürfen, macht das Wohnen für viele Menschen unbezahlbar. Nicht zu vergessen die Regulierung, speziell im Finanzsektor: Banken und Sparkassen sind gerade dabei, Kosten wegen vieler bürokratischer Vorschriften, aber auch wegen der Einbußen im Kreditgeschäft aufgrund negativer Zinsen, auf ihre Kunden abzuwälzen.

Wer meint, nun sei es aber genug mit der finanziellen Repression, sollte in Betracht ziehen, was uns sonst noch blühen könnte. Der Hit unter den in Finanzkreisen diskutierten Themen ist derzeit die Monetarisierung der Staatsschulden, oft als Overt Money Finance bezeichnet: Die Schulden bekommen eine extrem lange Laufzeit, sodass ihr Wert inflationsbedingt gegen Null tendiert. Und der nächste Hit lauert bereits um die Ecke: Helikoptergeld. Das heißt, symbolisch formuliert: Geld fällt vom Himmel, damit Reiche und Arme es für den Konsum verwenden und so für das kommende Wirtschaftswachstum sorgen. Dass es auch dabei um eine Spielart der Inflation geht, ist offensichtlich.

Fazit: Zentralbankchefs wie Janet Yellen und Mario Draghi haben freie Hand, wenn es um die Ausgestaltung der Geldpolitik geht. Draghi nimmt sich sogar das Recht, darüber hinaus eine Art Schattenregierung für die Eurozone zu bilden, weil es keine Europa-Regierung gibt. Einer der Auswüchse besteht in negativen Zinsen. Die finanzielle Repression kommt gleich mehrfach daher. Inflation wird eine wichtige Rolle spielen. Wer als Anleger Gold und Silber bevorzugt, dürfte auf Sicht von einigen Jahren am besten fahren.


© Manfred Gburek
www.gburek.eu


Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.



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